Stimmt es, dass…?
„Das alte Schild „Benutzung während des Aufenthalts verboten“ hatte einen sehr handfesten und wenig appetitlichen Grund.“
Stimmt es, dass Zugtoiletten aufs Gleis entleeren?
→ Ein Mythos über die Toilette im Zug auf dem Prüfstand.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass…?
Kurz gesagt
Das stimmt nur noch für alte Züge. Früher fiel alles durch ein Rohr direkt auf das Gleis, weshalb man die Toilette im Bahnhof nicht benutzen durfte. Moderne Züge dagegen sammeln alles in einem geschlossenen Tank, der später an den Betriebswerken entleert wird.
Ältere Reisende erinnern sich noch an das Schild in der Zugtoilette, das die Benutzung während des Aufenthalts im Bahnhof untersagte.
Der Grund für dieses seltsame Verbot war ebenso einfach wie wenig appetitlich und hat mit der alten Technik zu tun.
Ob Zugtoiletten wirklich einfach alles auf das Gleis fallen lassen, ist eine überraschend aufschlussreiche Frage.

Der offene Abfluss von einst
In den alten Zügen war die Toilette denkbar einfach gebaut, denn sie hatte im Grunde nur ein Loch mit einem Rohr nach unten.
Alles, was in dieser Toilette landete, fiel durch dieses Rohr direkt auf die Gleise und den Schotter hinaus.
Während der Fahrt verteilte sich der Inhalt auf der freien Strecke und blieb dort mehr oder weniger unbemerkt.
Diese einfache Bauart war über viele Jahrzehnte hinweg der ganz normale Standard bei der Bahn.

Warum man im Bahnhof nicht durfte
Genau aus diesem offenen Abfluss erklärt sich das berühmte Verbot, die Toilette im Bahnhof zu benutzen.
Denn was auf freier Strecke unbemerkt blieb, hätte im Bahnhof direkt auf die Gleise am Bahnsteig fallen können.
Um die Bahnhöfe sauber zu halten, war die Benutzung während des Aufenthalts deshalb ausdrücklich untersagt.
Das vertraute Schild mit diesem Verbot war damit eine ganz praktische und notwendige Maßnahme.
Gut zu wissen
Das alte Verbot, die Toilette im Bahnhof zu benutzen, gab es, weil der Inhalt früher direkt auf die Gleise fiel. Im Bahnhof wären das die Gleise am Bahnsteig gewesen.
Moderne Zugtoiletten sammeln alles in einem geschlossenen Tank, der später im Betriebswerk entleert wird. Sie dürfen jederzeit benutzt werden.
Der geschlossene Tank von heute
In den modernen Zügen hat sich diese Sache grundlegend und zum Besseren gewandelt.
Heutige Zugtoiletten sind geschlossene Systeme, die alles in einem Tank unter dem Wagen sammeln.
Nichts fällt mehr auf das Gleis, sondern alles bleibt sicher in diesem Behälter aufbewahrt.
Deshalb darf man moderne Zugtoiletten auch während des Aufenthalts im Bahnhof bedenkenlos benutzen.
Die Entleerung im Werk
Die geschlossenen Tanks der modernen Züge werden nicht während der Fahrt, sondern erst später entleert.
In den Betriebswerken, wo die Züge ohnehin gewartet und gereinigt werden, saugt man die Tanks ab.
Der Inhalt wird dann fachgerecht entsorgt, so wie es sich für Abwasser gehört.
So bleibt die Umwelt von dem verschont, was früher einfach auf die Strecke fiel.
Ein Gewinn für die Umwelt
Der Wechsel vom offenen Abfluss zum geschlossenen Tank war ein wichtiger Fortschritt für die Umwelt.
Früher verteilte sich der Inhalt der Toiletten über zehntausende Kilometer an Strecken im ganzen Land.
Heute wird all das an einer zentralen Stelle gesammelt und ordentlich entsorgt.
So ist die moderne Zugtoilette nicht nur sauberer, sondern auch deutlich umweltfreundlicher geworden.
Ein Vakuum wie im Flugzeug
Viele moderne Zugtoiletten arbeiten mit einem Unterdruck, ganz ähnlich wie die Toiletten im Flugzeug.
Mit einem kräftigen Sog wird der Inhalt abgesaugt, was nur wenig Wasser verbraucht.
Dieses laute Zischen beim Spülen ist vielen Reisenden inzwischen wohlvertraut.
Die Technik ist damit nicht nur sauberer, sondern auch sparsamer im Umgang mit dem knappen Wasser.
Die letzten alten Wagen
Ganz verschwunden ist der alte offene Abfluss allerdings noch nicht, denn es gibt noch einzelne betagte Wagen.
Auf manchen Nebenbahnen und bei historischen Zügen kann die alte Technik noch im Einsatz sein.
Dort gilt dann bis heute die alte Regel, die Toilette im Bahnhof nicht zu benutzen.
Im modernen Verkehr aber gehört diese Sorge längst der Vergangenheit an.
Was von dem Mythos übrig bleibt
Am Ende zeigt sich, dass die Behauptung nur noch für die Vergangenheit und für wenige alte Wagen gilt.
Ja, früher fiel der Inhalt der Zugtoiletten tatsächlich direkt auf das Gleis, weshalb das Verbot im Bahnhof galt.
Moderne Züge dagegen sammeln alles in einem geschlossenen Tank und dürfen jederzeit benutzt werden.
Wer das weiß, versteht das alte Schild und freut sich zugleich über den Fortschritt der modernen Technik.
Ein Blick unter den Wagen
Wer sich für die Technik interessiert, kann die großen Tanks der modernen Zugtoiletten mit etwas Glück unter den Wagen erkennen.
Diese Behälter fassen den Inhalt vieler Toilettengänge und müssen deshalb ein beachtliches Volumen haben.
An den Betriebswerken gibt es eigene Anlagen, die diese Tanks rasch und geruchsarm absaugen und reinigen.
So verbirgt sich hinter dem einfachen Druck auf die Spültaste eine ganze Kette aus Technik, die für Sauberkeit im Zug und auf der Strecke sorgt.
Häufige Fragen
Fallen Zugtoiletten wirklich aufs Gleis?
Warum durfte man im Bahnhof nicht?
Wie funktioniert eine moderne Zugtoilette?
Wohin kommt der Inhalt des Tanks?
Gibt es die alte Technik noch?
Weiterfahrt
→ Werden Züge gewaschen? – die Wäsche der Züge
→ Wie viele arbeiten bei der Bahn? – die unsichtbaren Helfer
