Stimmt es, dass…?
„Wenn ein Orkan übers Land fegt, kommt manchmal die Meldung, dass gar kein Zug mehr fährt – und das hat einen sehr handfesten Grund.“
Stimmt es, dass Züge bei Sturm nicht mehr fahren?
→ Ein Mythos über Sturm, umstürzende Bäume und den vorsorglichen Halt.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Stimmt es, dass…?
Kurz gesagt
Das stimmt. Bei schweren Stürmen stellt die Bahn den Verkehr auf betroffenen Strecken oder sogar in ganzen Regionen vorsorglich ein. Der Grund sind vor allem umstürzende Bäume und herabfallende Äste, die auf die Gleise und in die Oberleitung stürzen können.
Wenn ein schwerer Sturm über das Land zieht, kommt es vor, dass die Bahn den Verkehr auf ganzen Strecken oder in ganzen Regionen einstellt.
Für viele Reisende wirkt das im ersten Moment wie übertriebene Vorsicht, denn der Zug selbst ist doch ein schweres und stabiles Fahrzeug.
Tatsächlich aber steckt hinter dieser Entscheidung ein sehr handfester und gut begründeter Schutz vor einer realen Gefahr.

Die Gefahr von oben
Die größte Gefahr bei einem Sturm droht dem Zug nicht durch den Wind selbst, sondern durch die Bäume neben der Strecke.
Ein kräftiger Sturm kann ganze Bäume entwurzeln oder schwere Äste abbrechen und auf die Gleise werfen.
Ein solcher Baum auf dem Gleis ist für einen schnellen Zug ein gefährliches Hindernis, das er nicht rechtzeitig umfahren kann.
Genau diese Gefahr von oben ist der wichtigste Grund für die vorsorgliche Einstellung des Verkehrs.

Die empfindliche Oberleitung
Neben den Gleisen ist vor allem die Oberleitung über den Strecken durch den Sturm gefährdet.
Ein herabstürzender Ast kann den dünnen Fahrdraht zerreißen oder herunterreißen und die Strecke lahmlegen.
Ist die Oberleitung erst einmal beschädigt, kann auf dem betroffenen Abschnitt kein elektrischer Zug mehr fahren.
Die Reparatur einer zerstörten Oberleitung ist zudem aufwendig und dauert oft viele Stunden.
Gut zu wissen
Nicht der Wind gefährdet den Zug, sondern umstürzende Bäume und Äste, die auf die Gleise und in die Oberleitung fallen.
Nach dem Sturm müssen die Strecken erst kontrolliert werden. Deshalb läuft der Verkehr auch nach dem Abflauen nur langsam wieder an.
Warum ganze Regionen betroffen sind
Bei einem schweren Sturm lässt sich oft nicht vorhersagen, an welcher einzelnen Stelle ein Baum stürzen wird.
Deshalb bleibt der Bahn manchmal nichts anderes übrig, als den Verkehr in einer ganzen Region vorsorglich einzustellen.
Nur so lässt sich sicher verhindern, dass ein Zug in voller Fahrt auf ein plötzlich aufgetauchtes Hindernis trifft.
Diese großflächige Vorsicht ist zwar für die Reisenden ärgerlich, schützt aber vor einer unkalkulierbaren Gefahr.
Die Entscheidung fällt vorher
Die Bahn stützt sich bei ihrer Entscheidung auf die Vorhersagen der Wetterdienste über die Stärke des kommenden Sturms.
Wird ein besonders schwerer Sturm erwartet, kann der Verkehr schon vorsorglich eingestellt werden, bevor der erste Baum überhaupt fällt.
Auf diese Weise sitzt kein Zug voller Menschen mitten im schlimmsten Toben des Sturms auf der freien Strecke fest.
Diese Vorsorge im Voraus ist sicherer, als abzuwarten, bis tatsächlich etwas passiert.
Was mit den Zügen geschieht
Wird der Verkehr eingestellt, versucht die Bahn, die Züge noch an geeigneten Bahnhöfen zum Stehen zu bringen.
Dort können die Reisenden aussteigen und sich in Sicherheit bringen, statt auf offener Strecke festzusitzen.
Die Fahrzeuge selbst werden nach Möglichkeit an geschützten Stellen abgestellt, bis der Sturm vorüber ist.
So soll verhindert werden, dass ein Zug ausgerechnet an einer besonders gefährdeten Stelle liegen bleibt.
Nach dem Sturm die Kontrolle
Ist der Sturm vorüber, kann der Verkehr nicht sofort wieder aufgenommen werden, denn zuerst müssen die Strecken kontrolliert werden.
Mitarbeiter der Bahn fahren die Strecken ab und suchen nach umgestürzten Bäumen, beschädigten Oberleitungen und anderen Schäden.
Erst wenn eine Strecke als sicher gilt, dürfen die Züge wieder rollen, was oft noch Stunden nach dem Sturm dauert.
Diese gründliche Kontrolle ist der Grund, warum der Verkehr auch nach dem Abflauen des Sturms nur langsam wieder anläuft.
Der Wald als Herausforderung
Ein großer Teil des deutschen Schienennetzes führt durch Wälder oder an dicht bewaldeten Hängen entlang.
Gerade dort ist die Gefahr durch umstürzende Bäume bei einem Sturm besonders groß.
Die Bahn versucht, den Bewuchs entlang der Gleise regelmäßig zurückzuschneiden, um diese Gefahr zu verringern.“,“Doch bei einem wirklich schweren Sturm hilft am Ende nur die vorsorgliche Einstellung des Verkehrs.
Was von dem Mythos übrig bleibt
Am Ende bestätigt sich die Beobachtung vieler Reisender in vollem Umfang und ganz ohne Übertreibung.
Ja, bei schweren Stürmen fahren die Züge tatsächlich nicht mehr, und das aus einem sehr guten Grund.
Nicht der Wind selbst, sondern die umstürzenden Bäume und die empfindliche Oberleitung machen die Fahrt zu gefährlich.
Wer das weiß, sieht die ärgerliche Einstellung des Verkehrs bei Sturm mit deutlich mehr Verständnis.
Häufige Fragen
Fahren Züge bei Sturm wirklich nicht?
Warum ist ein Sturm gefährlich?
Warum sind ganze Regionen betroffen?
Warum fahren die Züge nach dem Sturm nicht sofort?
Kann man die Gefahr nicht verhindern?
Weiterfahrt
→ Fahren Züge bei Hitze langsamer? – Stahl in der Sonne
→ Wie viel Volt hat die Oberleitung? – der Draht über dem Zug
