Stimmt es, dass man im Zug telefonieren darf?

Stimmt es, dass …?

„Kaum etwas sorgt im Zug für so viel stillen Ärger wie das laute Handygespräch zwei Reihen weiter. Aber ist es überhaupt verboten?“

Stimmt es, dass man im Zug telefonieren darf?

→ Ein Mythos zwischen Höflichkeit und Hausrecht.

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Kurz gesagt

Ja, fast überall. Im Zug darf man grundsätzlich telefonieren, denn ein allgemeines Handyverbot gibt es nicht. Die große Ausnahme ist der eigens ausgewiesene Ruhebereich, in dem Gespräche und laute Geräusche ausdrücklich unerwünscht sind.

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter unter Bahnreisenden so verlässlich wie das laute Telefonat im Großraumwagen.

Der eine hält es für sein gutes Recht, der andere für eine grobe Unhöflichkeit, und beide sind fest von ihrer Meinung überzeugt.

Höchste Zeit also, einmal nüchtern zu klären, was im Zug beim Telefonieren wirklich erlaubt ist und wo die Grenzen liegen.

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Foto: Frans Berkelaar, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Ein allgemeines Verbot gibt es nicht

Zunächst die klare Auskunft: Ein grundsätzliches Verbot, im Zug zu telefonieren, existiert schlicht nicht.

In den normalen Wagen darf man sein Handy benutzen und ein Gespräch führen, ganz ohne gegen eine Regel zu verstoßen.

Die Bahn geht davon aus, dass viele Menschen unterwegs erreichbar sein müssen, sei es beruflich oder privat.

Wer telefoniert, tut also nichts Verbotenes, solange er sich im richtigen Wagenteil befindet.

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Foto: Niederkasseler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die große Ausnahme Ruhebereich

Anders sieht es im eigens gekennzeichneten Ruhebereich vieler Fernzüge aus, der genau für die Stille geschaffen wurde.

Dort sind laute Gespräche, Telefonate und Geräusche ausdrücklich unerwünscht, damit Reisende in Ruhe arbeiten oder schlafen können.

Wer diesen Bereich bewusst wählt, tut das gerade wegen der versprochenen Stille und darf sie auch erwarten.

Ein Telefonat mitten im Ruhebereich ist deshalb zwar keine Straftat, aber ein klarer Bruch der dort geltenden Regeln.

Kurz gesagt

Normaler Wagen: Telefonieren ist erlaubt – am besten leise und für lange Gespräche im Bereich vor den Türen.

Ruhebereich: Gespräche und Telefonate sind ausdrücklich unerwünscht, hier gilt die Stille.

Der Unterschied zwischen dürfen und sollen

Die entscheidende Feinheit liegt im Unterschied zwischen dem, was erlaubt ist, und dem, was als rücksichtsvoll gilt.

Rechtlich darf man im Großraumwagen telefonieren, doch ein langes und lautes Gespräch empfinden viele Mitreisende als aufdringlich.

Rücksicht bedeutet hier, die Lautstärke zu senken und für ein längeres Telefonat vielleicht in den Bereich vor den Türen zu wechseln.

So bleibt das eigene Recht gewahrt, ohne dass die halbe Wagenreihe unfreiwillig mithören muss.

Warum es früher anders war

In den ersten Jahren der Handys galt das Telefonieren in der Öffentlichkeit noch als ungewohnt und wurde argwöhnisch beäugt.

Manche Züge hatten damals sogar eigens ausgewiesene Handybereiche, in denen das Telefonieren überhaupt erst erlaubt sein sollte.

Mit der Zeit wurde das Handy so selbstverständlich, dass sich diese strenge Trennung von selbst überholte.

Geblieben ist von dieser Idee im Grunde nur noch ihr Gegenstück, nämlich der ausdrückliche Ruhebereich für die Stille.

Was das Zugpersonal darf

Auch wenn kein allgemeines Verbot gilt, ist das Zugpersonal keineswegs machtlos, wenn ein Gespräch andere massiv stört.

Über das Hausrecht kann es einen Fahrgast bitten, im Ruhebereich das Telefonieren zu unterlassen oder leiser zu sein.

Wer sich dieser Bitte hartnäckig widersetzt und den Frieden im Wagen dauerhaft stört, muss im äußersten Fall mit Ärger rechnen.

In aller Regel aber genügt schon ein freundlicher Hinweis, um die Lage zu entspannen.

Das Problem der Lautstärke

Interessanterweise stört an einem Telefonat weniger das Gespräch selbst als vielmehr seine oft unbewusst hohe Lautstärke.

Weil man den Gesprächspartner am anderen Ende schlechter hört, neigen viele Menschen dazu, im Zug lauter zu sprechen als nötig.

Für die Umsitzenden ist zudem gerade das halbe Gespräch, bei dem sie nur eine Seite hören, besonders schwer auszublenden.

Ein bewusst leiser und kurzer Ton nimmt dem Telefonat deshalb schon den größten Teil seiner störenden Wirkung.

Ein Blick auf die Mitreisenden

Am Ende ist das Telefonieren im Zug vor allem eine Frage des Miteinanders in einem engen, geteilten Raum.

Wer den vollen Waggon kurz als das gemeinsame Wohnzimmer vieler Fremder begreift, findet fast von selbst das richtige Maß.

Ein kurzes, leises Gespräch stört kaum jemanden, ein lautes Dauertelefonat dagegen kann eine ganze Fahrt vergällen.

Rücksicht kostet nichts und macht die Reise für alle im Wagen ein gutes Stück angenehmer.

Das Fazit zum Mythos

Die Behauptung, man dürfe im Zug nicht telefonieren, ist damit in dieser strengen Form falsch.

Richtig ist, dass man in den normalen Wagen selbstverständlich telefonieren darf, ganz ohne gegen eine Regel zu verstoßen.

Falsch am Platz ist das Gespräch nur im eigens ausgewiesenen Ruhebereich, der ausdrücklich der Stille gewidmet ist.

Wo man telefonieren darf, entscheidet also der Wagen, wie man es tut, entscheidet die eigene Rücksicht.

Häufige Fragen

Darf man im Zug telefonieren?
Ja, in den normalen Wagen. Ein allgemeines Handyverbot gibt es nicht. Nur im ausgewiesenen Ruhebereich sind Gespräche unerwünscht.
Was ist der Ruhebereich?
Ein eigens gekennzeichneter Wagenteil vieler Fernzüge, in dem laute Gespräche, Telefonate und Geräusche ausdrücklich unerwünscht sind.
Kann mich jemand zum Aufhören zwingen?
Im Ruhebereich kann das Zugpersonal über das Hausrecht darum bitten. Im normalen Wagen bleibt es eine Frage der Höflichkeit.
Warum stören Telefonate so?
Vor allem wegen der oft unbewusst hohen Lautstärke und weil man nur eine Gesprächsseite hört, die sich schwer ausblenden lässt.
Wo telefoniere ich am besten?
Für ein längeres Gespräch im Bereich vor den Türen, außerhalb des Ruhebereichs und möglichst leise.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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