Stimmt es, dass es in Deutschland Züge ohne Lokführer gibt?

Stimmt es, dass…?

„In einer deutschen Großstadt fahren seit Jahren Züge, in denen vorn niemand mehr sitzt – und kaum ein Fahrgast bemerkt es.“

Stimmt es, dass es in Deutschland Züge ohne Lokführer gibt?

→ Ein Mythos über den fahrerlosen Zug auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt. In Nürnberg fährt die U-Bahn auf mehreren Linien seit Jahren vollautomatisch ohne Fahrer. Möglich ist das, weil die U-Bahn auf einem völlig abgeschlossenen Netz fährt. Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs dagegen sitzt bis auf Weiteres weiterhin ein Mensch im Führerstand.

Der Gedanke an einen Zug, der ganz ohne Fahrer durch die Gegend rollt, klingt für viele Menschen nach ferner Zukunft oder gar nach Science-Fiction.

Tatsächlich aber fahren in Deutschland längst Züge, in denen vorn niemand mehr sitzt, und das schon seit vielen Jahren.

Warum das an manchen Orten möglich ist und an anderen noch lange nicht, hat mit dem Aufbau der jeweiligen Strecke zu tun.

2016 03 04 Bahnhof Dresden Neustadt, Bahnhofshalle by DCB–3
Foto: DCB, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die fahrerlose U-Bahn

In der Stadt Nürnberg fährt die U-Bahn auf mehreren Linien seit vielen Jahren vollautomatisch und völlig ohne Fahrer.

Ein zentraler Rechner steuert die Züge, lässt sie anfahren, bremsen und genau am richtigen Punkt an den Bahnsteigen halten.

Vorn im Zug, wo früher der Fahrer saß, ist heute oft ein Fenster, durch das die Fahrgäste auf die Strecke blicken können.

Für die Reisenden verläuft die Fahrt dabei so unauffällig, dass viele gar nicht bemerken, dass niemand den Zug lenkt.

Bahnhofshalle, Frankfurt Hbf, 23.07.13
Foto: Liberaler Humanist, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum es bei der U-Bahn geht

Der entscheidende Grund für den fahrerlosen Betrieb liegt darin, dass die U-Bahn auf einem völlig abgeschlossenen Netz fährt.

Ihre Strecken sind vollständig von der Außenwelt getrennt, es gibt keine Bahnübergänge und keine kreuzenden Straßen.

Niemand kann unerwartet auf die Gleise geraten, und kein anderes Fahrzeug teilt sich mit der U-Bahn den Weg.

In dieser geschützten Umgebung kann ein Rechner den Betrieb sicher übernehmen, weil es kaum Unvorhergesehenes gibt.

Gut zu wissen

Fahrerloser Betrieb geht nur auf einem abgeschlossenen Netz ohne Bahnübergänge, wie bei der U-Bahn. Bahnsteigtüren verhindern dort Stürze ins Gleis.

Im offenen Netz mit Bahnübergängen und freier Strecke bleibt der Mensch im Führerstand vorerst unverzichtbar, weil er das Unerwartete deuten kann.

Bahnsteigtüren als Schutz

Damit im automatischen Betrieb niemand ins Gleis stürzt, sind viele fahrerlose U-Bahnen mit besonderen Bahnsteigtüren ausgestattet.

Diese Türen trennen den Bahnsteig vom Gleis und öffnen sich erst, wenn der Zug hält und seine eigenen Türen aufgehen.

So ist ausgeschlossen, dass ein Mensch vor den einfahrenden Zug gerät, den kein Fahrer mehr im Blick hat.

Diese Schutzeinrichtung ist ein wichtiger Baustein, der den sicheren Betrieb ohne Fahrer überhaupt erst möglich macht.

Warum der Fernverkehr anders ist

Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs sind die Bedingungen völlig andere als bei der abgeschotteten U-Bahn.

Hier gibt es zahlreiche Bahnübergänge, an denen Straßen die Gleise kreuzen, und die Strecken führen frei durch die Landschaft.

Tiere, Menschen oder Hindernisse können jederzeit unerwartet auf die Gleise geraten und verlangen eine rasche Reaktion.

In dieser unvorhersehbaren Umgebung ist der Mensch im Führerstand bis auf Weiteres nicht zu ersetzen.

Der Zug denkt nicht mit

Ein automatischer Zug kann nur das, wofür er gebaut wurde, und trifft keine eigenen Entscheidungen in fremden Lagen.

Ein Lokführer dagegen erkennt eine ungewöhnliche Situation, deutet sie und reagiert oft in Sekundenbruchteilen richtig.

Er bemerkt einen Baum auf dem Gleis, eine seltsame Rauchentwicklung oder einen Menschen in Gefahr, lange bevor ein einfacher Sensor es täte.

Diese Fähigkeit, das Unerwartete zu deuten, ist der eigentliche Grund, warum der Mensch im offenen Netz gebraucht wird.

Der Weg zur Automatisierung

Auch im großen Netz wird längst an einer stärkeren Automatisierung des Bahnverkehrs gearbeitet.

Moderne Technik soll die Lokführer künftig stärker unterstützen und den Verkehr dichter und pünktlicher machen.

In einzelnen Versuchen fahren bereits Züge über kurze Abschnitte automatisch, allerdings stets unter der Aufsicht eines Menschen.

Der Weg zum völlig fahrerlosen Fernzug ist damit noch weit, aber die ersten Schritte sind gemacht.

Automatik im Untergrund weltweit

Nürnberg ist mit seiner fahrerlosen U-Bahn kein Einzelfall, denn in vielen Großstädten der Welt fahren solche Züge längst.

Von Paris über Kopenhagen bis nach Asien verkehren zahlreiche vollautomatische U-Bahnen im dichten Takt.

Überall gilt dasselbe Prinzip, dass der fahrerlose Betrieb nur auf abgeschlossenen Strecken möglich ist.

Die Nürnberger U-Bahn reiht sich damit in eine weltweite Entwicklung des automatischen Nahverkehrs ein.

Was von dem Mythos übrig bleibt

Am Ende bestätigt sich die überraschende Vermutung in vollem Umfang, wenn auch mit einer wichtigen Einschränkung.

Ja, in Deutschland fahren tatsächlich Züge ohne Fahrer, allerdings bisher nur als U-Bahn auf einem abgeschlossenen Netz.

Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs sitzt dagegen weiterhin ein Mensch im Führerstand, und das aus gutem Grund.

Wer das weiß, versteht, warum der fahrerlose Zug an manchen Orten Alltag und an anderen noch ferne Zukunft ist.

Häufige Fragen

Gibt es in Deutschland Züge ohne Fahrer?
Ja. In Nürnberg fährt die U-Bahn auf mehreren Linien seit Jahren vollautomatisch ohne Fahrer.
Warum geht das bei der U-Bahn?
Weil sie auf einem völlig abgeschlossenen Netz ohne Bahnübergänge fährt. Dort kann nichts Unvorhergesehenes auf die Gleise geraten.
Wie wird ein Sturz ins Gleis verhindert?
Durch Bahnsteigtüren, die den Bahnsteig vom Gleis trennen und sich erst öffnen, wenn der Zug hält.
Warum fährt der ICE nicht ohne Fahrer?
Weil er im offenen Netz mit Bahnübergängen und freier Strecke fährt. Dort braucht es einen Menschen, der Unerwartetes deutet und reagiert.
Wird der Fernverkehr automatisiert?
Daran wird gearbeitet. Einzelne Versuche laufen, aber stets unter Aufsicht eines Menschen. Der völlig fahrerlose Fernzug ist noch ferne Zukunft.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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