Stimmt es, dass…?
„In einer deutschen Großstadt fahren seit Jahren Züge, in denen vorn niemand mehr sitzt – und kaum ein Fahrgast bemerkt es.“
Stimmt es, dass es in Deutschland Züge ohne Lokführer gibt?
→ Ein Mythos über den fahrerlosen Zug auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Das stimmt. In Nürnberg fährt die U-Bahn auf mehreren Linien seit Jahren vollautomatisch ohne Fahrer. Möglich ist das, weil die U-Bahn auf einem völlig abgeschlossenen Netz fährt. Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs dagegen sitzt bis auf Weiteres weiterhin ein Mensch im Führerstand.
Der Gedanke an einen Zug, der ganz ohne Fahrer durch die Gegend rollt, klingt für viele Menschen nach ferner Zukunft oder gar nach Science-Fiction.
Tatsächlich aber fahren in Deutschland längst Züge, in denen vorn niemand mehr sitzt, und das schon seit vielen Jahren.
Warum das an manchen Orten möglich ist und an anderen noch lange nicht, hat mit dem Aufbau der jeweiligen Strecke zu tun.

Die fahrerlose U-Bahn
In der Stadt Nürnberg fährt die U-Bahn auf mehreren Linien seit vielen Jahren vollautomatisch und völlig ohne Fahrer.
Ein zentraler Rechner steuert die Züge, lässt sie anfahren, bremsen und genau am richtigen Punkt an den Bahnsteigen halten.
Vorn im Zug, wo früher der Fahrer saß, ist heute oft ein Fenster, durch das die Fahrgäste auf die Strecke blicken können.
Für die Reisenden verläuft die Fahrt dabei so unauffällig, dass viele gar nicht bemerken, dass niemand den Zug lenkt.

Warum es bei der U-Bahn geht
Der entscheidende Grund für den fahrerlosen Betrieb liegt darin, dass die U-Bahn auf einem völlig abgeschlossenen Netz fährt.
Ihre Strecken sind vollständig von der Außenwelt getrennt, es gibt keine Bahnübergänge und keine kreuzenden Straßen.
Niemand kann unerwartet auf die Gleise geraten, und kein anderes Fahrzeug teilt sich mit der U-Bahn den Weg.
In dieser geschützten Umgebung kann ein Rechner den Betrieb sicher übernehmen, weil es kaum Unvorhergesehenes gibt.
Gut zu wissen
Fahrerloser Betrieb geht nur auf einem abgeschlossenen Netz ohne Bahnübergänge, wie bei der U-Bahn. Bahnsteigtüren verhindern dort Stürze ins Gleis.
Im offenen Netz mit Bahnübergängen und freier Strecke bleibt der Mensch im Führerstand vorerst unverzichtbar, weil er das Unerwartete deuten kann.
Bahnsteigtüren als Schutz
Damit im automatischen Betrieb niemand ins Gleis stürzt, sind viele fahrerlose U-Bahnen mit besonderen Bahnsteigtüren ausgestattet.
Diese Türen trennen den Bahnsteig vom Gleis und öffnen sich erst, wenn der Zug hält und seine eigenen Türen aufgehen.
So ist ausgeschlossen, dass ein Mensch vor den einfahrenden Zug gerät, den kein Fahrer mehr im Blick hat.
Diese Schutzeinrichtung ist ein wichtiger Baustein, der den sicheren Betrieb ohne Fahrer überhaupt erst möglich macht.
Warum der Fernverkehr anders ist
Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs sind die Bedingungen völlig andere als bei der abgeschotteten U-Bahn.
Hier gibt es zahlreiche Bahnübergänge, an denen Straßen die Gleise kreuzen, und die Strecken führen frei durch die Landschaft.
Tiere, Menschen oder Hindernisse können jederzeit unerwartet auf die Gleise geraten und verlangen eine rasche Reaktion.
In dieser unvorhersehbaren Umgebung ist der Mensch im Führerstand bis auf Weiteres nicht zu ersetzen.
Der Zug denkt nicht mit
Ein automatischer Zug kann nur das, wofür er gebaut wurde, und trifft keine eigenen Entscheidungen in fremden Lagen.
Ein Lokführer dagegen erkennt eine ungewöhnliche Situation, deutet sie und reagiert oft in Sekundenbruchteilen richtig.
Er bemerkt einen Baum auf dem Gleis, eine seltsame Rauchentwicklung oder einen Menschen in Gefahr, lange bevor ein einfacher Sensor es täte.
Diese Fähigkeit, das Unerwartete zu deuten, ist der eigentliche Grund, warum der Mensch im offenen Netz gebraucht wird.
Der Weg zur Automatisierung
Auch im großen Netz wird längst an einer stärkeren Automatisierung des Bahnverkehrs gearbeitet.
Moderne Technik soll die Lokführer künftig stärker unterstützen und den Verkehr dichter und pünktlicher machen.
In einzelnen Versuchen fahren bereits Züge über kurze Abschnitte automatisch, allerdings stets unter der Aufsicht eines Menschen.
Der Weg zum völlig fahrerlosen Fernzug ist damit noch weit, aber die ersten Schritte sind gemacht.
Automatik im Untergrund weltweit
Nürnberg ist mit seiner fahrerlosen U-Bahn kein Einzelfall, denn in vielen Großstädten der Welt fahren solche Züge längst.
Von Paris über Kopenhagen bis nach Asien verkehren zahlreiche vollautomatische U-Bahnen im dichten Takt.
Überall gilt dasselbe Prinzip, dass der fahrerlose Betrieb nur auf abgeschlossenen Strecken möglich ist.
Die Nürnberger U-Bahn reiht sich damit in eine weltweite Entwicklung des automatischen Nahverkehrs ein.
Was von dem Mythos übrig bleibt
Am Ende bestätigt sich die überraschende Vermutung in vollem Umfang, wenn auch mit einer wichtigen Einschränkung.
Ja, in Deutschland fahren tatsächlich Züge ohne Fahrer, allerdings bisher nur als U-Bahn auf einem abgeschlossenen Netz.
Im offenen Netz des Fern- und Regionalverkehrs sitzt dagegen weiterhin ein Mensch im Führerstand, und das aus gutem Grund.
Wer das weiß, versteht, warum der fahrerlose Zug an manchen Orten Alltag und an anderen noch ferne Zukunft ist.
Häufige Fragen
Gibt es in Deutschland Züge ohne Fahrer?
Warum geht das bei der U-Bahn?
Wie wird ein Sturz ins Gleis verhindert?
Warum fährt der ICE nicht ohne Fahrer?
Wird der Fernverkehr automatisiert?
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