Stimmt es, dass…?
„Der Stahl will sich in der Hitze ausdehnen – doch das festgezurrte Gleis lässt ihn nicht, und genau darin liegt die Gefahr.“
Stimmt es, dass die Schienen im Sommer länger werden?
→ Ein Mythos über den Stahl in der Sommerhitze.
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Kurz gesagt
Im Kern stimmt das. Stahl dehnt sich bei Hitze aus und würde länger werden. Doch das moderne, lückenlos verschweißte Gleis ist fest verankert und kann sich nicht frei ausdehnen. Stattdessen baut sich in ihm ein Druck auf. Bei extremer Hitze kann sich das Gleis dann verwerfen, also seitlich ausbeulen. Darum gibt es an heißen Tagen manchmal langsamere Fahrten.
Es heißt oft, die Schienen der Bahn würden sich in der Sommerhitze ausdehnen.
An diesem Satz ist etwas Wahres dran, doch die ganze Geschichte ist verwickelter.
Denn was mit dem Stahl bei großer Hitze wirklich geschieht, ist überraschend.

Stahl dehnt sich bei Hitze aus
Zunächst stimmt es tatsächlich, dass sich Stahl bei Wärme ausdehnt.
Ein warmes Stück Stahl ist ein wenig länger als dasselbe Stück in der Kälte.
Bei der großen Länge einer Schiene macht das durchaus einen Unterschied.
So würde eine frei liegende Schiene an einem heißen Tag wirklich länger.

Doch das Gleis ist festgezurrt
Das moderne Gleis besteht aber nicht aus frei liegenden, kurzen Stücken.
Es ist zu einem langen, lückenlosen Strang verschweißt und fest verankert.
Der Schotter und schwere Schwellen halten es sicher an seinem Platz.
So kann sich das festgezurrte Gleis gar nicht frei in die Länge ausdehnen.
Gut zu wissen
Stahl dehnt sich bei Hitze aus. Das moderne, lückenlos verschweißte Gleis ist aber fest verankert und kann sich nicht frei ausdehnen. Stattdessen baut sich in ihm ein Druck auf.
Bei extremer Hitze kann sich das Gleis verwerfen, also seitlich ausbeulen. Das ist gefährlich. Darum lässt die Bahn Züge an heißen Tagen mancherorts langsamer fahren, und manche Schienen sind weiß gestrichen.
Statt Länge entsteht Druck
Wenn sich der Stahl nicht ausdehnen kann, geschieht etwas anderes Wichtiges.
In der festgehaltenen Schiene baut sich bei Hitze ein wachsender Druck auf.
Der Stahl will sich ausdehnen, wird aber von der Verankerung daran gehindert.
So verwandelt sich die verhinderte Ausdehnung in eine innere Spannung im Gleis.
Die Gefahr der Gleisverwerfung
Wird der Druck bei extremer Hitze zu groß, so kann das Gleis nachgeben.
Es beult dann plötzlich zur Seite aus, was man eine Gleisverwerfung nennt.
Ein solch verworfenes Gleis ist für einen fahrenden Zug äußerst gefährlich.
Darum ist die Hitze für die Bahn ein ernstes und aufmerksam beobachtetes Thema.
Warum das Gleis vorgespannt wird
Um dieser Gefahr zu begegnen, wird das Gleis beim Verlegen klug behandelt.
Man verlegt und verankert es bei einer bestimmten mittleren Temperatur.
So ist die Spannung im Gleis über das ganze Jahr möglichst gleichmäßig verteilt.
Dadurch bleibt der Druck auch an einem heißen Sommertag in erträglichen Grenzen.
Langsamer bei großer Hitze
An besonders heißen Tagen greift die Bahn mancherorts zu einer Vorsicht.
Auf gefährdeten Strecken lässt sie die Züge dann langsamer fahren.
Ein langsamer Zug belastet ein möglicherweise verzogenes Gleis weniger stark.
So dient die langsamere Fahrt allein der Sicherheit an den heißesten Tagen.
Weiße Schienen gegen die Hitze
Auf manchen gefährdeten Strecken sieht man Schienen, die weiß gestrichen sind.
Die helle Farbe wirft einen Teil der Sonnenstrahlen zurück statt sie zu schlucken.
So heizt sich die Schiene in der Sonne nicht ganz so stark auf.
Dieser einfache Kniff hilft, den gefährlichen Druck im Gleis zu verringern.
Was von dem Mythos übrig bleibt
Am Ende hat der Satz von den längeren Schienen einen wahren Kern.
Der Stahl will sich in der Hitze wirklich ausdehnen und länger werden.
Doch das festgezurrte Gleis lässt das nicht zu, sodass stattdessen Druck entsteht.
So werden die Schienen nicht wirklich länger, aber die Hitze bleibt eine ernste Sache.
Auch die Kälte spielt eine Rolle
Nicht nur die Hitze, auch die strenge Kälte setzt dem Gleis zu.
Bei Frost zieht sich der Stahl zusammen und würde eigentlich kürzer werden.
Auch das verhindert die feste Verankerung, sodass eine Zugspannung entsteht.
So steht das Gleis über das Jahr mal unter Druck und mal unter Zug.
Ständig unter Beobachtung
Gerade an heißen Tagen wird der Zustand der Gleise besonders genau beobachtet.
Fachleute prüfen die gefährdeten Stellen und messen die Temperatur der Schiene.
Zeigt sich eine Gefahr, so wird sofort mit langsameren Fahrten reagiert.
So sorgt die aufmerksame Überwachung dafür, dass die Hitze beherrschbar bleibt.
Häufige Fragen
Werden die Schienen im Sommer länger?
Was passiert, wenn das Gleis sich nicht ausdehnen kann?
Was ist eine Gleisverwerfung?
Warum fahren Züge bei Hitze langsamer?
Warum sind manche Schienen weiß gestrichen?
Weiterfahrt
→ Wie lang ist eine Schiene? – das lückenlose Gleis
→ Bahn bei Hitze – langsamer aus Vorsicht
