Stimmt es, dass …?
„Weiß, roter Streifen, schnell – für viele sind alle ICE gleich. Doch zwischen den Baureihen liegen ganze siebzig Stundenkilometer.“
Stimmt es, dass alle ICE gleich schnell fahren?
→ Ein Mythos zwischen Markenbild und Baureihen-Wirklichkeit.
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Kurz gesagt
Nein. Nicht jeder ICE fährt gleich schnell. Der ICE 3 und sein Nachfolger erreichen bis zu 300 Stundenkilometer, der wirtschaftliche ICE 4 dagegen nur 250 und der kurvengängige ICE T rund 230. Das Tempo hängt ganz von der Baureihe ab.
Für die meisten Reisenden ist der ICE einfach der ICE, ein weißer Schnellzug mit rotem Streifen, der schnell von Stadt zu Stadt eilt.
Dass sich hinter diesem einheitlichen Bild ganz unterschiedliche Züge mit verschiedenen Höchstgeschwindigkeiten verbergen, wissen die wenigsten.
Dabei liegen zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Mitglied der ICE-Familie ganze siebzig Stundenkilometer.

Der Schnellste: ICE 3 und ICE 3neo
Die Spitze der Geschwindigkeit markieren der ICE 3 und sein moderner Nachfolger, der ICE 3neo.
Sie erreichen auf den dafür gebauten Neubaustrecken ein Höchsttempo von bis zu dreihundert Stundenkilometern.
Möglich wird das dadurch, dass ihr Antrieb unsichtbar unter dem ganzen Zug verteilt ist und ihn besonders leicht und kraftvoll macht.
Wenn irgendwo in Deutschland ein Zug mit vollen dreihundert unterwegs ist, dann ist es fast immer einer aus dieser Familie.

Das Arbeitstier: ICE 4
Ganz anders tritt der ICE 4 an, der seit einigen Jahren zum Rückgrat der Flotte geworden ist.
Er ist bewusst nicht auf Höchstgeschwindigkeit, sondern auf Wirtschaftlichkeit und viele Sitzplätze ausgelegt.
Sein Spitzentempo liegt deshalb bei nur zweihundertfünfzig Stundenkilometern, also deutlich unter dem des ICE 3.
Für die meisten Strecken reicht das völlig aus, denn dort ist ohnehin selten mehr als dieses Tempo erlaubt.
Die ICE-Tempos
ICE 3 und ICE 3neo: bis zu 300 km/h. ICE 1 und ICE 2: rund 280. ICE 4: 250. ICE T: rund 230.
Entscheidend ist am Ende aber die Strecke, denn nur wenige Abschnitte erlauben überhaupt Tempo 300.
Der Kurvenkünstler: ICE T
Noch einmal langsamer, aber mit einem besonderen Talent, ist der ICE T mit seiner Neigetechnik.
Sein Höchsttempo liegt bei rund zweihundertdreißig Stundenkilometern, dafür kann er sich in Kurven leicht zur Seite legen.
Diese Neigung erlaubt es ihm, auf kurvigen Mittelgebirgsstrecken schneller zu fahren, als es ein starrer Zug je könnte.
Sein Vorteil liegt also nicht in der reinen Höchstgeschwindigkeit, sondern im geschickten Umgang mit den vielen Kurven.
Warum es diese Unterschiede gibt
Dass die ICE so unterschiedlich schnell sind, ist kein Versehen, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen.
Jede Baureihe wurde für einen bestimmten Zweck und ein bestimmtes Streckennetz gebaut.
Wo es Neubaustrecken für Tempo dreihundert gibt, spielt der schnelle ICE 3 seine Stärke aus.
Wo dagegen viele Halte, Kurven oder ältere Strecken warten, sind die anderen Baureihen oft die klügere Wahl.
Die Strecke setzt das Limit
Fast noch wichtiger als die Bauart ist die Strecke, denn ein Zug darf nie schneller fahren, als es das Gleis erlaubt.
Nur ein kleiner Teil des deutschen Netzes ist überhaupt für Tempo dreihundert ausgebaut.
Auf den allermeisten Strecken gilt ein deutlich niedrigeres Limit, das jeden ICE gleichermaßen ausbremst.
Deshalb fährt selbst der schnelle ICE 3 die meiste Zeit seiner Reise gar nicht mit seiner vollen Höchstgeschwindigkeit.
Woran man den schnellen erkennt
Wer wissen will, ob er gerade in einem der schnellen Züge sitzt, kann auf ein paar Merkmale achten.
Der ICE 3 und der ICE 3neo laufen mit ihrer spitzen Nase bis ganz nach vorn zur Fahrerkabine durch, ohne abgesetzten Triebkopf.
Der ICE 4 wirkt kantiger und ist oft besonders lang, während sich der ICE T in Kurven sichtbar zur Seite neigt.
Mit ein wenig Übung erkennt man die Baureihe und damit auch das ungefähre Tempo schon von außen.
Was das für die Reisezeit heißt
Für die tatsächliche Reisezeit ist die Höchstgeschwindigkeit ohnehin nur eine von vielen Größen.
Ebenso wichtig sind die Zahl der Halte, die Länge der schnellen Abschnitte und die Pünktlichkeit im Netz.
Ein ICE 4 mit wenigen Halten kann am Ende schneller am Ziel sein als ein ICE 3, der ständig anhält.
Die reine Zahl auf dem Tachometer sagt deshalb nur einen Teil der Wahrheit über die Reise.
Das Fazit zum Mythos
Die verbreitete Annahme, alle ICE seien gleich schnell, ist damit eindeutig falsch.
Zwischen dem ICE 3 mit dreihundert und dem ICE T mit rund zweihundertdreißig Stundenkilometern liegen Welten.
Jede Baureihe hat ihr eigenes Tempo, das genau zu ihrem Einsatzgebiet passt.
Der einheitliche weiße Anstrich mit dem roten Streifen verbirgt also eine erstaunlich vielfältige Familie.
Häufige Fragen
Fahren alle ICE gleich schnell?
Welcher ICE ist der schnellste?
Warum ist der ICE 4 langsamer?
Was kann der ICE T besonders?
Fährt der schnelle ICE immer 300?
Weiterfahrt
→ Wie viele ICE-Baureihen gibt es? – die ganze ICE-Familie
→ Wie viele Wagen hat ein ICE? – kurz und lang
