Sollten Bahntickets zur Stoßzeit teurer sein?

Standpunkt

„Der eine Zug quillt über, der nächste fährt halb leer – ein kluger Preis könnte die Menschen sanft von einem zum anderen lenken.“

Sollten Bahntickets zur Stoßzeit teurer sein?

→ Ein Standpunkt über den Preis als Werkzeug gegen volle Züge.

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Worum es geht

Ob Bahntickets zur Stoßzeit teurer sein sollten, ist eine Abwägung zwischen der besseren Verteilung der Fahrgäste und der Gerechtigkeit gegenüber jenen, die nicht ausweichen können. Ein höherer Preis zur Stoßzeit entlastet die vollen Züge, trifft aber gerade die Pendler, die auf feste Zeiten angewiesen sind.

Wer morgens zur Arbeit pendelt, kennt die überfüllten Züge zur Hauptverkehrszeit, in denen man kaum einen Platz findet.

Nur wenige Stunden später fahren dieselben Züge auf derselben Strecke oft halb leer durch die Landschaft.

Ob die Bahn diese ungleiche Verteilung durch unterschiedliche Preise ausgleichen sollte, ist eine interessante und heikle Frage.

Alstom LHB Coradia LINT der NordWestBahn als RE18 nach Osnabrück Hbf in
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Auf und Ab der Nachfrage

Die Nachfrage nach der Bahn ist über den Tag hinweg keineswegs gleichmäßig verteilt, sondern schwankt stark.

Am frühen Morgen und am späten Nachmittag wollen besonders viele Menschen zugleich fahren, wenn sie zur Arbeit und zurück müssen.

In den ruhigen Stunden dazwischen dagegen sind die Züge oft nur schwach besetzt.

Diese ungleiche Verteilung führt zu überfüllten Zügen zur einen und leeren Zügen zur anderen Zeit.

Alstom Coradia LINT 41 on the Airport Line 6943
Foto: Ahunt, CC0, via Wikimedia Commons

Der Preis als sanfter Lenker

Ein höherer Preis zur Stoßzeit könnte einen Teil der Reisenden sanft in die ruhigeren Zeiten lenken.

Wer flexibel ist, würde durch den günstigeren Preis dazu ermutigt, etwas früher oder später zu fahren.

So verteilten sich die Fahrgäste gleichmäßiger, und die überfüllten Züge würden entlastet.

Der Preis wirkte dabei nicht als Verbot, sondern als sanfter Anreiz, dem jeder folgen kann oder auch nicht.

Das Vorbild anderer Bereiche

In vielen anderen Bereichen ist es längst üblich, dass der Preis mit der Nachfrage steigt und fällt.

Wer zur beliebten Zeit reist oder verreist, zahlt oft mehr als der, der die ruhigen Zeiten wählt.

Manche halten es für vernünftig, dieses Prinzip auch auf den Nahverkehr anzuwenden.

So ließe sich, wie anderswo auch, die knappe Kapazität über den Preis besser verteilen.

Die Pendler in der Falle

Dem steht ein gewichtiger Einwand gegenüber, denn gerade die Pendler können ihre Zeiten kaum frei wählen.

Wer um eine feste Zeit im Büro sein muss, ist auf den Zug zur Stoßzeit angewiesen und kann nicht ausweichen.

Ein höherer Preis zur Stoßzeit würde genau diese Menschen treffen, die ohnehin keine Wahl haben.

So drohte die Maßnahme, ausgerechnet die treuesten und regelmäßigsten Fahrgäste zusätzlich zu belasten.

Die Frage der Gerechtigkeit

Damit wird die Sache zu einer Frage der Gerechtigkeit, die sich nicht leicht beantworten lässt.

Es erscheint ungerecht, ausgerechnet die Berufspendler für etwas zahlen zu lassen, das sie nicht ändern können.

Zugleich ist es auch nicht gerecht, wenn alle für die teuren Spitzenlasten des Verkehrs gleichermaßen aufkommen.

Zwischen diesen beiden Vorstellungen von Fairness liegt der eigentliche Kern des Streits.

Der Zeitkarten-Einwand

Ein besonderes Problem stellen die vielen Inhaber von Zeitkarten und des Deutschlandtickets dar.

Diese zahlen einen festen Betrag und fahren damit, wann sie wollen, ohne für die einzelne Fahrt zu zahlen.

Ein höherer Preis zur Stoßzeit ließe sich bei ihnen gar nicht ohne Weiteres anwenden.

So würde die Maßnahme womöglich nur einen Teil der Reisenden treffen und andere ganz verschonen.

Anreize statt Strafen

Statt die Fahrten zur Stoßzeit zu verteuern, ließe sich das Ziel auch über Belohnungen erreichen.

Ein Nachlass für alle, die bewusst in den ruhigen Zeiten fahren, würde niemanden bestrafen, sondern nur belohnen.

Auch flexible Arbeitszeiten in den Betrieben könnten helfen, die Spitzen im Verkehr zu entzerren.

So ließe sich die bessere Verteilung erreichen, ohne die gebundenen Pendler zusätzlich zu belasten.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, die bessere Verteilung eher über Belohnungen als über höhere Preise zur Stoßzeit zu erreichen.

Ein günstigerer Preis für die ruhigen Zeiten lenkt die Flexiblen sanft dorthin, ohne die gebundenen Pendler zu treffen.

Zugleich bleibt die wirksamste Lösung, schlicht mehr und längere Züge zur Stoßzeit einzusetzen.

So ließe sich der Wunsch nach entzerrten Zügen mit der Gerechtigkeit gegenüber den Pendlern in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Ein höherer Preis zur Stoßzeit verteilt die Fahrgäste gleichmäßiger.

+  In vielen anderen Bereichen steigt der Preis mit der Nachfrage längst.

+  Die überfüllten Züge zur Spitzenzeit würden entlastet.

+  Wer flexibel ist, könnte durch günstige Nebenzeiten sparen.

Dagegen

  Pendler mit festen Arbeitszeiten können nicht ausweichen.

  Es trifft ausgerechnet die treuesten und regelmäßigsten Fahrgäste.

  Bei Zeitkarten und Deutschlandticket lässt es sich kaum anwenden.

  Belohnungen für Nebenzeiten wären gerechter als Strafen.

Tipp für die Reise

Wer flexibel ist, fährt schon heute oft entspannter, wenn er die Stoßzeiten am frühen Morgen und späten Nachmittag meidet. In den ruhigen Stunden dazwischen findet man fast immer einen Sitzplatz und reist deutlich gelassener.

Ein Blick auf die Uhrzeiten

Wer sich die Auslastung eines gewöhnlichen Werktags genauer ansieht, erkennt zwei deutliche Spitzen im Verlauf des Tages.

Die erste liegt am frühen Morgen, wenn alle zugleich zur Arbeit und zur Schule aufbrechen, die zweite am späten Nachmittag auf dem Weg zurück.

Zwischen diesen beiden Spitzen und in den Abendstunden dagegen sind die Züge oft nur schwach besetzt.

Genau in diese ruhigeren Fenster ließen sich mit klugen Anreizen ein Teil der flexiblen Reisenden lenken, ohne die gebundenen Pendler zu belasten.

Unterm Strich

Ob Bahntickets zur Stoßzeit teurer sein sollten, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

Eine bessere Verteilung der Fahrgäste ist wünschenswert, doch ein höherer Preis würde die gebundenen Pendler ungerecht treffen.

Belohnungen für die Fahrt in den ruhigen Zeiten erscheinen deshalb sinnvoller als Aufschläge zur Stoßzeit.

Am wirksamsten aber bleibt, schlicht mehr und längere Züge zur Hauptverkehrszeit einzusetzen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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