Sollten Kurzstreckenflüge zugunsten der Bahn verboten werden?

Standpunkt

„Für die kurze Strecke ins Flugzeug zu steigen, während daneben der Zug fährt, erscheint vielen wie aus der Zeit gefallen.“

Sollten Kurzstreckenflüge zugunsten der Bahn verboten werden?

→ Ein Standpunkt über das Flugzeug, den Zug und den Schutz des Klimas.

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Worum es geht

Ob Kurzstreckenflüge zugunsten der Bahn verboten werden sollten, ist eine Abwägung zwischen dem Schutz des Klimas und der Freiheit der Verkehrsmittelwahl. Ein Verbot würde viele auf die umweltfreundlichere Bahn lenken, setzt aber voraus, dass diese eine wirklich gleichwertige Alternative bietet.

Es gibt Strecken innerhalb Deutschlands, auf denen das Flugzeug und der schnelle Zug fast gleichauf um die Reisenden konkurrieren.

Während der Flug in der reinen Luft kürzer erscheint, holt der Zug durch die Fahrt von Zentrum zu Zentrum oft einen großen Teil des Vorsprungs wieder auf.

Ob man kurze Inlandsflüge deshalb ganz verbieten sollte, wo die Bahn eine Alternative bietet, ist eine hitzig geführte Streitfrage.

Bahnhof Obing
Foto: Flummi-2011, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Das Argument des Klimas

Der stärkste Grund für ein Verbot kurzer Flüge ist ihr großer Schaden für das Klima.

Ein Flugzeug verursacht auf derselben Strecke ein Vielfaches der Emissionen eines Zuges.

Gerade auf kurzen Strecken fällt der besonders klimaschädliche Start ins Gewicht, der viel Treibstoff verschlingt.

Wer das Klima schützen will, sieht in der Verlagerung dieser Flüge auf die Schiene einen naheliegenden und wirksamen Schritt.

Thuner Eisenbahn Amateure Spur 0 Anlage 2016
Foto: Von einer anonymen Privatperson dem Benutzer Nr. 1, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Zug als echte Alternative

Auf vielen kurzen Strecken ist der schnelle Zug längst eine vollwertige Alternative zum Flugzeug geworden.

Rechnet man die Wege zum Flughafen, das frühe Einchecken und die Kontrollen hinzu, ist der Zug oft kaum langsamer.

Weil er von Zentrum zu Zentrum fährt, spart er den umständlichen Weg an den meist weit außerhalb gelegenen Flughafen.

Wo der Zug so gut ist, erscheint der kurze Flug tatsächlich überflüssig und leicht verzichtbar.

Die Grenzen der Schiene

So verlockend die Verlagerung klingt, sie setzt voraus, dass die Bahn die zusätzlichen Reisenden überhaupt bewältigen kann.

Auf manchen Strecken sind die Züge schon heute überfüllt, und weitere Fahrgäste würden das Problem verschärfen.

Zudem ist der Zug nur dort eine echte Alternative, wo er schnell und zuverlässig fährt, was längst nicht überall der Fall ist.

Ein Verbot der Flüge ohne einen gleichzeitigen Ausbau der Bahn würde die Reisenden im Stich lassen.

Die Frage der Anschlüsse

Viele der kurzen Inlandsflüge dienen gar nicht der ganzen Reise, sondern nur dem Anschluss an einen weiten Flug.

Wer von einer kleineren Stadt aus in die Ferne reist, nutzt den kurzen Flug oft nur, um zum großen Drehkreuz zu gelangen.

Ein Verbot müsste deshalb dafür sorgen, dass diese Reisenden bequem mit dem Zug zum Flughafen kommen.

Die enge Verzahnung von Zug und Flugzeug am Flughafen ist damit ein Schlüssel für jede sinnvolle Lösung.

Freiheit oder Vorschrift

Gegner eines Verbots wenden ein, dass jeder Mensch selbst entscheiden dürfe, wie er reisen möchte.

Sie sehen in einem Verbot einen unzulässigen Eingriff in die persönliche Freiheit der Verkehrsmittelwahl.

Befürworter halten dagegen, dass die Freiheit des einen dort ende, wo sie dem Klima und damit allen schade.

An dieser Stelle prallen zwei ganz verschiedene Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Freiheit und Verantwortung aufeinander.

Der Weg über den Preis

Statt eines strikten Verbots schlagen manche vor, die kurzen Flüge einfach über den Preis unattraktiv zu machen.

Höhere Abgaben auf besonders klimaschädliche Flüge könnten viele Reisende von selbst auf die Bahn lenken.

Zugleich könnte man die Bahn im Gegenzug günstiger machen und so den Umstieg zusätzlich fördern.

Ein solcher Weg über den Preis wäre sanfter als ein Verbot, aber womöglich langsamer in seiner Wirkung.

Das Beispiel anderer Länder

In einigen Ländern hat man bereits erste Schritte unternommen, um kurze Inlandsflüge einzuschränken.

Dort wurden einzelne Flugverbindungen verboten, für die es eine schnelle und gute Bahnverbindung gibt.

Die Erfahrungen aus diesen Ländern zeigen, dass solche Maßnahmen wirken können, wenn die Bahn wirklich überzeugt.

Sie machen aber auch deutlich, dass ein Verbot allein ohne eine starke Bahn wenig ausrichtet.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, kurze Flüge dort einzuschränken, wo der Zug bereits eine wirklich gleichwertige Alternative bietet.

Entscheidend ist, dass die Bahn auf diesen Strecken schnell, zuverlässig und mit genügend Plätzen fährt.

Wo das noch nicht der Fall ist, sollte zuerst die Schiene gestärkt werden, bevor man das Flugzeug verbietet.

So ließe sich der Schutz des Klimas mit einem verlässlichen Angebot für die Reisenden in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Kurze Flüge verursachen ein Vielfaches der Emissionen eines Zuges.

+  Auf vielen Strecken ist der schnelle Zug längst eine echte Alternative.

+  Andere Länder haben einzelne Kurzflüge bereits erfolgreich verboten.

+  Der klimaschädliche Start fällt gerade auf kurzen Strecken stark ins Gewicht.

Dagegen

  Ein Verbot greift in die Freiheit der Verkehrsmittelwahl ein.

  Viele Kurzflüge dienen nur dem Anschluss an einen weiten Flug.

  Auf manchen Strecken sind die Züge schon heute überfüllt.

  Ohne einen starken Ausbau der Bahn stünden Reisende im Regen.

Tipp für die Reise

Wer eine kurze Inlandsstrecke plant, sollte die reine Reisezeit von Tür zu Tür vergleichen, nicht nur die Flugdauer. Mit dem Weg zum Flughafen, dem Einchecken und den Kontrollen ist der Zug oft kaum langsamer und dabei entspannter.

Unterm Strich

Ob Kurzstreckenflüge verboten werden sollten, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

Wo der Zug bereits eine schnelle und zuverlässige Alternative bietet, erscheint der Verzicht auf den kurzen Flug sinnvoll und geboten.

Wo die Bahn dagegen überfüllt oder langsam ist, würde ein Verbot die Reisenden im Stich lassen.

Zuerst die Schiene stärken und dann die überflüssigen Flüge einschränken, erscheint deshalb sinnvoller als ein Verbot um jeden Preis.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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