Standpunkt
„Abends einsteigen, morgens ausgeruht am Ziel ankommen – der Nachtzug verspricht eine Reise, die das Flugzeug so nicht bieten kann.“
Sollte der Nachtzug ausgebaut werden?
→ Ein Standpunkt über die Rückkehr des Schlafwagens und ihren Preis.
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Worum es geht
Ob der Nachtzug ausgebaut werden sollte, ist eine Abwägung zwischen dem großen Versprechen einer klimafreundlichen Nachtreise und den hohen Kosten, die ein solches Angebot verursacht. Der Nachtzug spart Flüge und Hotelnächte, ist aber teuer im Betrieb und braucht besondere Wagen.
Lange galt der Nachtzug als ein Auslaufmodell aus einer vergangenen Zeit, das dem billigen Flug und dem schnellen Tageszug weichen musste.
Doch in den letzten Jahren erlebt der Schlafwagen eine überraschende Wiedergeburt, getragen von dem Wunsch nach umweltfreundlichem Reisen.
Ob dieser Trend zu einem echten Ausbau führen sollte, darüber wird inzwischen wieder ernsthaft gestritten.

Das alte Versprechen der Nachtreise
Der Nachtzug macht ein Versprechen, das kein anderes Verkehrsmittel in dieser Form einlösen kann.
Wer am Abend einsteigt, legt sich schlafen und erwacht am nächsten Morgen ausgeruht in einer weit entfernten Stadt.
Die Reisezeit fällt dabei in die Nacht, die man ohnehin verschlafen hätte, und geht damit gefühlt gar nicht verloren.
Zugleich spart man sich die Kosten und die Mühe einer Hotelübernachtung, die man sonst gebraucht hätte.

Die klimafreundliche Alternative
Ein wichtiger Grund für die Wiederkehr des Nachtzuges ist der wachsende Wunsch nach klimafreundlichem Reisen.
Eine Fahrt im Zug verursacht nur einen Bruchteil der Emissionen, die ein Flug über dieselbe Strecke mit sich bringt.
Gerade für mittlere Entfernungen quer durch Europa ist der Nachtzug damit eine echte Alternative zum Flugzeug.
Wer aus Überzeugung auf das Fliegen verzichten will, findet in ihm eine bequeme und schonende Möglichkeit.
Die hohen Kosten des Betriebs
So verlockend das Angebot klingt, so teuer ist der Betrieb eines Nachtzuges im Vergleich zu einem gewöhnlichen Tageszug.
Ein Schlafwagen befördert deutlich weniger Menschen als ein normaler Sitzwagen, weil jeder Reisende einen Liegeplatz beansprucht.
Zugleich sind die besonderen Wagen mit Betten und Waschgelegenheiten in Bau und Wartung besonders aufwendig.
Diese ungünstige Rechnung ist der Hauptgrund, warum viele Nachtzugverbindungen in der Vergangenheit eingestellt wurden.
Der Mangel an Wagen
Ein besonderes Problem des Nachtzuges ist der Mangel an geeigneten Schlaf- und Liegewagen.
Viele der alten Wagen sind in die Jahre gekommen und müssten durch teure Neubauten ersetzt werden.
Solche Spezialwagen werden nur in kleinen Stückzahlen gebaut, was sie zusätzlich verteuert und die Lieferung verzögert.
Ohne genügend moderne Wagen aber lässt sich ein größeres Netz an Nachtzügen gar nicht erst aufbauen.
Ein Netz über Grenzen hinweg
Der Nachtzug entfaltet seinen größten Nutzen auf langen Strecken, die oft mehrere Länder durchqueren.
Ein solches Netz lässt sich nur aufbauen, wenn die Bahnen verschiedener Länder eng zusammenarbeiten.
Unterschiedliche Stromsysteme, Vorschriften und Fahrpläne machen den grenzüberschreitenden Betrieb jedoch kompliziert.
Der Ausbau des Nachtzuges ist damit auch eine Aufgabe, die über die Grenzen eines einzelnen Landes hinausreicht.
Wer soll das bezahlen?
Weil sich der Nachtzug oft nur schwer aus den Fahrkarten allein finanzieren lässt, stellt sich die Frage nach der Unterstützung.
Manche fordern, der Staat solle den klimafreundlichen Nachtzug ähnlich fördern wie den übrigen Nahverkehr.
Andere halten dagegen, dass ein Angebot, das sich nicht selbst trägt, auf Dauer keine Zukunft habe.
An dieser Frage entscheidet sich, ob der Nachtzug ein Nischenangebot bleibt oder zu einem echten Netz wächst.
Zwischen Nostalgie und Nüchternheit
Ein Teil der Begeisterung für den Nachtzug speist sich aus der Nostalgie für eine romantische Art des Reisens.
Diese Sehnsucht ist verständlich, ersetzt aber keine nüchterne Rechnung über Kosten und Nutzen.
Ein Angebot, das nur von der Romantik lebt, wird den harten Bedingungen des Verkehrsmarktes kaum standhalten.
Der Nachtzug braucht deshalb beides, die Begeisterung seiner Fans und einen tragfähigen wirtschaftlichen Boden.
Ein möglicher Mittelweg
Vieles spricht dafür, den Nachtzug gezielt dort auszubauen, wo er das Flugzeug am ehesten ersetzen kann.
Besonders auf beliebten Verbindungen zwischen großen Städten in einer Nacht Entfernung ist die Nachfrage hoch.
Eine maßvolle Förderung könnte helfen, die nötigen neuen Wagen zu beschaffen und ein verlässliches Grundnetz zu schaffen.
So ließe sich das Versprechen der klimafreundlichen Nachtreise einlösen, ohne die Kosten aus dem Blick zu verlieren.
Pro und Contra
Dafür
+ Man reist im Schlaf und spart sich eine Hotelnacht.
+ Der Nachtzug verursacht nur einen Bruchteil der Emissionen eines Fluges.
+ Auf mittleren Strecken quer durch Europa ersetzt er das Flugzeug bequem.
+ Die Nachfrage nach klimafreundlichem Reisen wächst spürbar.
Dagegen
− Schlafwagen befördern wenige Menschen und sind teuer im Betrieb.
− Es fehlt an modernen Wagen, deren Neubau lange dauert und viel kostet.
− Der grenzüberschreitende Betrieb ist technisch und rechtlich kompliziert.
− Ohne dauerhafte Förderung trägt sich das Angebot oft nicht selbst.
Tipp für die Reise
Wer einen Nachtzug ausprobieren möchte, sollte früh buchen, denn die begehrten Liege- und Schlafwagenplätze sind auf beliebten Strecken schnell vergriffen. Ein eigenes Abteil kostet mehr, bietet aber die ruhigste Nacht.
Unterm Strich
Ob der Nachtzug ausgebaut werden sollte, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja beantworten.
Auf den richtigen Strecken ist er eine wunderbare und klimafreundliche Alternative zum Flugzeug, die viele Menschen sich zurückwünschen.
Zugleich sind die hohen Kosten und der Mangel an Wagen ernste Hürden, die sich nicht wegwünschen lassen.
Ein maßvoller, gezielter Ausbau mit verlässlicher Unterstützung erscheint deshalb sinnvoller als ein übereiltes Netz um jeden Preis.
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