Sollten Bahnhöfe schöner und einladender gestaltet werden?

Standpunkt

„Ein Bahnhof ist oft das Erste, was man von einer Stadt sieht – und viel zu oft ist dieser erste Eindruck grau und ungastlich.“

Sollten Bahnhöfe schöner und einladender gestaltet werden?

→ Ein Standpunkt über die Schönheit des Ankommens.

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Worum es geht

Ob Bahnhöfe schöner gestaltet werden sollten, ist eine Abwägung zwischen dem Wunsch nach einladenden Orten und der Frage, ob das Geld nicht dringender für Pünktlichkeit und Gleise gebraucht wird. Ein schöner Bahnhof hebt die Stimmung und wertet eine Stadt auf, doch die Kernaufgabe der Bahn ist der Verkehr.

Für viele Reisende ist der Bahnhof das Erste und manchmal das Einzige, was sie von einer fremden Stadt zu sehen bekommen.

Umso ernüchternder ist es, wenn dieser erste Eindruck aus kahlem Beton, Zugluft und einer gewissen Tristesse besteht.

Ob die Bahn ihre Bahnhöfe deshalb schöner und einladender gestalten sollte, ist eine überraschend grundsätzliche Frage.

Bretzfeld Empfangsgebäude Bahnsteigvordach Bahnsteig Bahnhofsuhr Station
Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Der erste Eindruck einer Stadt

Der Bahnhof ist die Schwelle, über die viele Menschen eine Stadt zum ersten Mal betreten.

Was sie hier erblicken, prägt ihren ersten Eindruck von der ganzen Stadt oft nachhaltig.

Ein schöner, heller und einladender Bahnhof heißt die Ankommenden willkommen und macht Lust auf mehr.

Ein grauer und trostloser Bahnhof dagegen vermittelt schon beim Ankommen ein Gefühl der Abweisung.

Reicholzheim Bahnsteig Gepäckkarren Schrankenkurbel Spannwerke Bahnhofsu
Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Würde des öffentlichen Raums

Ein Bahnhof ist ein öffentlicher Ort, an dem sich täglich unzählige Menschen aller Schichten begegnen.

Wie dieser Ort gestaltet ist, sagt viel darüber aus, welchen Wert eine Gesellschaft ihrem öffentlichen Raum beimisst.

Ein gepflegter und schöner Bahnhof drückt Achtung vor den Menschen aus, die ihn benutzen.

So ist die Schönheit eines Bahnhofs auch eine Frage der Würde des gemeinsamen Raums.

Wohlbefinden beim Warten

Wer auf einen Zug wartet, verbringt oft eine nicht unerhebliche Zeit im Bahnhof.

Ein einladender Ort mit Licht, Grün und einem Platz zum Sitzen macht dieses Warten weit angenehmer.

Ein kahler, zugiger und lärmender Bahnhof dagegen lässt die Wartezeit zur Qual werden.

Die Gestaltung des Bahnhofs entscheidet damit unmittelbar über das Wohlbefinden der Reisenden.

Das Argument der Kosten

Dem Wunsch nach schönen Bahnhöfen steht die nüchterne Frage nach den Kosten gegenüber.

Jeder Euro, den man in die Verschönerung eines Bahnhofs steckt, steht nicht mehr für andere Aufgaben zur Verfügung.“,“Viele halten es für wichtiger, das Geld in pünktliche Züge und in die Erneuerung der Gleise zu stecken.

Was nützt der schönste Bahnhof, so fragen sie, wenn die Züge unpünktlich sind und ausfallen?

Schönheit oder Funktion

Manche wenden ein, ein Bahnhof sei in erster Linie ein Verkehrsbauwerk und kein Museum.

Wichtiger als seine Schönheit sei, dass er seine Aufgabe erfülle und die Menschen zuverlässig weiterbringe.

Andere entgegnen, dass sich Schönheit und Funktion keineswegs ausschließen müssen.

Ein gut gestalteter Bahnhof kann zugleich schön und praktisch sein, wenn man es nur richtig anpackt.

Der Wert für die ganze Stadt

Ein schöner Bahnhof ist nicht nur für die Reisenden ein Gewinn, sondern für die ganze Stadt.

Ein ansehnliches und lebendiges Bahnhofsviertel zieht Geschäfte, Gäste und neues Leben an.

Ein verwahrloster Bahnhof dagegen kann ein ganzes Viertel in Verruf bringen und herunterziehen.

So strahlt die Gestaltung des Bahnhofs weit über seine eigenen Mauern hinaus.

Erhalten statt nur verschönern

Wichtiger als aufwendige neue Verzierungen ist oft schlicht der gute Erhalt des Vorhandenen.

Ein sauberer, gut beleuchteter und gepflegter Bahnhof wirkt schon einladend, auch ohne teuren Prunk.

Viele der schönsten alten Bahnhöfe bräuchten vor allem eine sorgfältige Pflege, um wieder zu strahlen.

So liegt der Schlüssel oft weniger im großen Neubau als in der beständigen Sorge um das Bestehende.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, Bahnhöfe wenigstens sauber, hell und einladend zu halten, ohne in teuren Prunk zu verfallen.

Gerade an den großen und viel genutzten Bahnhöfen lohnt sich eine ansprechende Gestaltung, die den ersten Eindruck einer Stadt prägt.

Zugleich darf die Verschönerung nicht das Geld verschlingen, das für pünktliche Züge und gute Gleise gebraucht wird.

So ließe sich der Wunsch nach einladenden Bahnhöfen mit der Kernaufgabe der Bahn klug in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Der Bahnhof ist oft der erste Eindruck einer ganzen Stadt.

+  Ein einladender Ort macht das Warten angenehmer.

+  Ein schöner Bahnhof wertet das ganze umliegende Viertel auf.

+  Die Gestaltung drückt Achtung vor den Menschen aus.

Dagegen

  Jeder Euro fehlt dann für Pünktlichkeit und Gleise.

  Ein Bahnhof ist ein Verkehrsbauwerk, kein Museum.

  Was nützt Schönheit bei unpünktlichen Zügen?

  Oft reicht guter Erhalt statt teurer Verschönerung.

Gut zu wissen

Viele Bahnhöfe werden im Rahmen großer Programme nach und nach modernisiert, heller gestaltet und barrierefrei umgebaut. Wer einen besonders gelungenen Bahnhof erleben will, findet unter den frisch sanierten Empfangshallen oft wahre Schmuckstücke.

Wenn der Bahnhof zum Wahrzeichen wird

Manche Bahnhöfe sind über ihre reine Aufgabe als Verkehrsbauwerk hinaus zu wahren Wahrzeichen ihrer Stadt geworden.

Ihre prächtigen Hallen aus Stahl und Glas ziehen Besucher an und werden selbst zu einem beliebten Ziel und Fotomotiv.

Solche Bahnhöfe zeigen, dass ein gelungenes Bauwerk zugleich praktisch sein und die Menschen begeistern kann.

Sie sind der beste Beweis dafür, dass sich die Mühe einer schönen Gestaltung am Ende für die ganze Stadt auszahlt.

Unterm Strich

Ob Bahnhöfe schöner gestaltet werden sollten, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

Ein einladender Bahnhof ist ein echter Gewinn für die Reisenden und für die ganze Stadt.

Zugleich darf die Verschönerung nicht wichtiger genommen werden als pünktliche Züge und gute Gleise.

Saubere, helle und gepflegte Bahnhöfe ohne teuren Prunk erscheinen deshalb als der beste Weg zwischen Schönheit und Funktion.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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