Sollten Bahnhöfe mehr Sitzbänke haben?

Standpunkt

„Wer lange auf den Zug wartet und keine Bank findet, spürt schnell, wie wenig einladend mancher Bahnhof geworden ist.“

Sollten Bahnhöfe mehr Sitzbänke haben?

→ Ein Standpunkt über einen einfachen Ort zum Ausruhen.

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Worum es geht

Ob Bahnhöfe mehr Sitzbänke haben sollten, ist eine Abwägung zwischen dem Bedürfnis der Reisenden nach einem Ort zum Ausruhen und den Sorgen um Sauberkeit und Missbrauch. Mehr Bänke machen den Bahnhof menschlicher, werfen aber auch Fragen der Pflege und Ordnung auf.

Wer schon einmal mit müden Beinen oder schwerem Gepäck lange auf einen Zug gewartet hat, kennt die Sehnsucht nach einer einfachen Bank.

Doch an vielen Bahnhöfen sind die Sitzgelegenheiten über die Jahre immer weniger geworden.

Ob ein Bahnhof deshalb wieder mehr Bänke bekommen sollte, ist eine überraschend grundsätzliche Frage.

Bad Vilbel Eisenbahnbruecke Main Weser 2
Foto: Massemer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein einfaches Bedürfnis

Das Bedürfnis, sich beim Warten kurz hinzusetzen, gehört zu den einfachsten und selbstverständlichsten überhaupt.

Wer auf einen verspäteten Zug wartet, steht sonst mitunter viele Minuten lang mit müden Beinen auf dem Bahnsteig.

Besonders ältere Menschen, Schwangere und Reisende mit schwerem Gepäck sind auf eine Sitzgelegenheit angewiesen.

Für sie ist eine Bank kein Luxus, sondern eine schlichte Notwendigkeit auf ihrer Reise.

Bad Vilbel Eisenbahnbruecke Main Weser 4
Foto: Massemer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Schwund der Bänke

An vielen Bahnhöfen sind die Bänke über die Jahre immer weniger geworden oder ganz verschwunden.

Oft wurden sie entfernt, um Platz zu schaffen oder um bestimmte Personengruppen fernzuhalten.

Zurück bleibt ein kahler Bahnsteig, auf dem sich niemand mehr niederlassen kann.

Für die wartenden Reisenden bedeutet das einen spürbaren Verlust an Bequemlichkeit.

Der Bahnhof als unwirtlicher Ort

Ein Bahnhof ohne Sitzgelegenheiten wirkt schnell kahl, kalt und wenig einladend.

Wer sich nirgends hinsetzen kann, empfindet das Warten als mühsam und den Ort als ungastlich.

Gerade an kleinen Bahnhöfen kann das Fehlen jeder Bank einen trostlosen Eindruck hinterlassen.

So trägt der Mangel an Sitzgelegenheiten dazu bei, dass mancher Bahnhof abweisend erscheint.

Die Sorge vor dem Missbrauch

Dem verständlichen Wunsch nach Bänken stehen jedoch auch handfeste Sorgen der Betreiber gegenüber.

An manchen Orten wurden Bänke entfernt, weil sie zum Aufenthalt von Menschen genutzt wurden, die dort dauerhaft verweilten.

Auch Beschädigungen und Verschmutzungen der Bänke sind ein wiederkehrendes Problem.

Diese Sorgen sind der Hauptgrund, warum an vielen Bahnhöfen die Zahl der Sitzgelegenheiten verringert wurde.

Ein Ort für alle

Ein Bahnhof ist ein öffentlicher Ort, der grundsätzlich allen Menschen offensteht.

Wer Bänke entfernt, um bestimmte Gruppen fernzuhalten, trifft damit auch all die Reisenden, die sie eigentlich brauchen.

Die müde Rentnerin und der Reisende mit schwerem Koffer leiden unter dem Fehlen der Bank am meisten.

Eine Lösung, die nur auf Abwehr setzt, geht deshalb an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei.

Die Frage der Pflege

Mehr Bänke bedeuten auch mehr Aufwand für die Reinigung und die Instandhaltung.

Eine verschmutzte oder kaputte Bank lädt niemanden zum Verweilen ein und schadet dem Bild des Bahnhofs.

Damit mehr Sitzgelegenheiten wirklich ein Gewinn sind, müssen sie regelmäßig gepflegt werden.

Wer mehr Bänke fordert, muss deshalb auch die Frage ihrer dauerhaften Pflege mitdenken.

Kluge Gestaltung hilft

Zwischen gar keiner Bank und einem verwahrlosten Wartebereich gibt es viele kluge Zwischenlösungen.

Robuste, gut einsehbare und leicht zu reinigende Sitzgelegenheiten verbinden Bequemlichkeit mit einfacher Pflege.

Eine geschickte Anordnung sorgt dafür, dass die Bänke von den Reisenden genutzt und nicht zweckentfremdet werden.

So lässt sich das Bedürfnis nach einem Sitzplatz erfüllen, ohne die Sorgen der Betreiber zu übergehen.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, gerade an den viel genutzten Bahnhöfen wieder mehr und bessere Sitzgelegenheiten anzubieten.

Robuste und gut gepflegte Bänke an gut einsehbaren Stellen kommen den Reisenden zugute, ohne den Ort zu verwahrlosen.

Wichtig ist, dass niemand, der eine Pause braucht, vergeblich nach einem Platz zum Ausruhen sucht.

So ließe sich der Wunsch nach einem menschlichen Bahnhof mit den berechtigten Sorgen um Ordnung und Pflege versöhnen.

Pro und Contra

Dafür

+  Wartende, besonders Ältere und Reisende mit Gepäck, brauchen einen Platz zum Ausruhen.

+  Ein Bahnhof ohne Bänke wirkt kahl, kalt und wenig einladend.

+  Ein Bahnhof ist ein öffentlicher Ort, der allen Menschen offensteht.

+  Bei Verspätungen wird das lange Stehen schnell zur Qual.

Dagegen

  Bänke werden mancherorts zweckentfremdet und für dauerhaften Aufenthalt genutzt.

  Beschädigungen und Verschmutzungen sind ein wiederkehrendes Problem.

  Mehr Bänke bedeuten mehr Aufwand für Reinigung und Pflege.

  Eine kaputte, schmutzige Bank schadet dem Bild des Bahnhofs.

Gut zu wissen

An vielen Bahnhöfen finden sich Sitzgelegenheiten heute vor allem in den Wartebereichen oder in den Geschäften und Bäckereien der Halle. Wer eine längere Wartezeit vor sich hat, findet dort oft eher einen Platz zum Ausruhen als auf dem kahlen Bahnsteig.

Ein Blick über den Bahnsteig hinaus

Wer über die Ausstattung eines Bahnhofs nachdenkt, sollte die Sitzbank nicht als Kleinigkeit abtun, sondern als Teil eines größeren Ganzen.

Ein Bahnhof, der zum Verweilen einlädt, mit Bänken, sauberen Wartebereichen und etwas Schutz vor Wind und Wetter, wird von den Menschen ganz anders angenommen.

Wo sich Reisende willkommen fühlen, sinkt oft auch die Bereitschaft, den Ort zu beschädigen oder zu verunreinigen.

So kann gerade die einfache Sitzbank zum Ausgangspunkt für einen freundlicheren und gepflegteren Bahnhof insgesamt werden.

Unterm Strich

Ob Bahnhöfe mehr Sitzbänke haben sollten, lässt sich fast mit einem klaren Ja beantworten.

Das einfache Bedürfnis nach einem Platz zum Ausruhen wiegt schwer, besonders für Ältere und Reisende mit Gepäck.

Zugleich sind die Sorgen um Missbrauch und Pflege ernst zu nehmen und verlangen nach klugen Lösungen.

Robuste, gut gepflegte Bänke an einsehbaren Stellen erscheinen deshalb sinnvoller als der kahle Bahnsteig, der niemanden willkommen heißt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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