Sollten Bahnhöfe rund um die Uhr geöffnet sein?

Standpunkt

„Wer nachts mit dem letzten Zug ankommt, steht mancherorts vor verschlossenen Türen – während drinnen die warme Halle leer bleibt.“

Sollten Bahnhöfe rund um die Uhr geöffnet sein?

→ Ein Standpunkt über offene Türen, Schutzräume und die Nacht am Bahnhof.

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Worum es geht

Ob Bahnhöfe rund um die Uhr geöffnet sein sollten, ist eine Abwägung zwischen dem Schutz der Reisenden und der Sorge vor Vandalismus und Kosten. Eine offene Halle bietet Wärme und Sicherheit, wird nachts aber auch zum Streitpunkt zwischen verschiedenen Bedürfnissen.

Wer schon einmal spät in der Nacht an einem kleineren Bahnhof angekommen ist, kennt womöglich das ungute Gefühl vor verschlossenen Türen.

Während drinnen die beheizte Halle leer und dunkel bleibt, wartet man draußen in der Kälte auf den Anschluss oder die Abholung.

Ob ein Bahnhof deshalb immer und überall geöffnet sein sollte, ist eine überraschend schwierige Abwägung.

Bad Schwartau – Stellwerk Sf – Elisabethstraße – Kulturdenkmal – 4
Foto: 1970gemini, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Dach über dem Kopf

Ein geöffneter Bahnhof bietet den Reisenden vor allem eines, nämlich Schutz vor Kälte, Regen und Wind.

Gerade in den kalten Monaten ist eine beheizte Halle für wartende Menschen ein großer und selbstverständlicher Gewinn.

Wer nachts auf einen späten Anschluss wartet, ist froh über einen warmen und trockenen Ort.

Dieser einfache Schutz vor der Witterung ist das stärkste Argument für dauerhaft geöffnete Bahnhöfe.

Stellwerk Straße an der Eisenbahn Eda Jan 2018 P
Foto: S. John, Elsterwerda, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Sicherheit in der Nacht

Ein beleuchteter und geöffneter Bahnhof wirkt auf viele Menschen sicherer als ein dunkler und verschlossener Ort.

Wer nachts allein reist, sucht die Nähe anderer Menschen und das Licht der Halle als Schutz.

Ein offener Bahnhof mit einem Ansprechpartner kann in einer bedrohlichen Lage zur rettenden Zuflucht werden.

Aus dieser Sicht ist die offene Tür auch eine Frage der Sicherheit für die Schwächsten.

Die Sorge vor dem Vandalismus

Dem steht die leidvolle Erfahrung gegenüber, dass unbeaufsichtigte Bahnhöfe nachts oft zum Ziel von Zerstörung werden.

Zerkratzte Automaten, beschmierte Wände und zerstörte Einrichtungen sind an vielen Orten ein wiederkehrendes Problem.

Ein nachts geöffneter, aber menschenleerer Bahnhof lädt manche geradezu zu solchen Taten ein.

Der Schutz der Anlagen ist deshalb einer der Hauptgründe, warum viele kleine Bahnhöfe nachts verschlossen werden.

Ein Ort für die Wohnungslosen

Ein warmer, offener Bahnhof zieht in kalten Nächten unweigerlich auch Menschen ohne Obdach an, die dort Schutz suchen.

Für diese Menschen kann die geöffnete Halle im Winter buchstäblich lebensrettend sein.

Zugleich fühlen sich manche Reisende durch ihre Anwesenheit verunsichert, was zu Spannungen führen kann.

Der Bahnhof wird damit zu einem Ort, an dem die sozialen Fragen der ganzen Gesellschaft sichtbar werden.

Die Frage der Kosten

Einen Bahnhof rund um die Uhr geöffnet, beleuchtet und beheizt zu halten, verursacht spürbare Kosten.

Kommt noch die Notwendigkeit von Personal oder Sicherheitsdiensten hinzu, steigen die Ausgaben weiter an.

An einem kleinen Bahnhof, an dem nachts kaum jemand ankommt, lässt sich dieser Aufwand schwer rechtfertigen.

Diese nüchterne Rechnung steht dem verständlichen Wunsch nach immer offenen Türen entgegen.

Große und kleine Bahnhöfe

Was für den einen Bahnhof sinnvoll ist, muss für den anderen noch lange nicht gelten.

An einem großen Bahnhof mit Betrieb bis tief in die Nacht ist eine ständig geöffnete Halle selbstverständlich.

An einer kleinen Station dagegen, an der der letzte Zug früh am Abend hält, wäre eine offene Halle die ganze Nacht über eher ein Problem.

Eine einheitliche Regel für alle Bahnhöfe wird deshalb der Vielfalt der Orte kaum gerecht.

Technik statt verschlossener Tür

Zwischen der immer offenen und der verschlossenen Tür gibt es durchaus Zwischenlösungen, die beide Seiten berücksichtigen.

Kameras, Notrufsäulen und eine gute Beleuchtung können auch einen unbeaufsichtigten Bahnhof sicherer machen.

Ein Wartebereich, der nur zu den Betriebszeiten geöffnet ist, schützt die Reisenden, ohne die Halle die ganze Nacht offen zu lassen.

So lässt sich ein Teil des Schutzes bewahren, ohne die Anlagen schutzlos der Nacht zu überlassen.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, die großen und stark genutzten Bahnhöfe rund um die Uhr geöffnet und betreut zu halten.

An kleinen Stationen dagegen erscheint es sinnvoll, wenigstens einen geschützten, überwachten Wartebereich zu den Betriebszeiten anzubieten.

Wichtig ist, dass niemand, der nachts mit dem Zug ankommt, schutzlos in der Kälte zurückbleibt.

So ließe sich der Wunsch nach Wärme und Sicherheit mit den Sorgen um Kosten und Vandalismus in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Eine offene Halle schützt die Reisenden vor Kälte, Regen und Wind.

+  Ein beleuchteter Bahnhof erhöht das Sicherheitsgefühl in der Nacht.

+  Im Winter kann die warme Halle für Obdachlose lebensrettend sein.

+  Wer nachts ankommt, sollte nicht schutzlos in der Kälte stehen.

Dagegen

  Unbeaufsichtigte Bahnhöfe werden nachts oft zum Ziel von Vandalismus.

  Beleuchtung, Heizung und Personal verursachen erhebliche Kosten.

  An kleinen Stationen kommt nachts kaum jemand an.

  Ohne Aufsicht können nächtliche Spannungen entstehen.

Tipp für die Reise

Wer spät in der Nacht an einem kleinen Bahnhof ankommt, sollte vorab prüfen, ob dieser rund um die Uhr geöffnet ist. An unbesetzten Stationen verbindet die Notrufsäule im Ernstfall direkt mit einer Leitstelle.

Unterm Strich

Ob Bahnhöfe rund um die Uhr geöffnet sein sollten, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

An den großen, bis in die Nacht genutzten Bahnhöfen ist die ständig offene und betreute Halle ein selbstverständlicher Schutz.

An kleinen Stationen dagegen wäre eine die ganze Nacht offene, menschenleere Halle eher ein Problem als eine Hilfe.

Ein Mittelweg mit geschützten Wartebereichen und guter Technik erscheint deshalb sinnvoller als eine starre Regel für alle Orte.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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