Sollte an jedem Bahnhof wieder Personal arbeiten?

Standpunkt

„Wo früher ein Fahrdienstleiter grüßte und ein Schalter geöffnet war, stehen heute oft nur noch ein Automat und eine Kamera.“

Sollte an jedem Bahnhof wieder Personal arbeiten?

→ Ein Standpunkt über menschenleere Bahnhöfe und den Wert der Präsenz.

Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt

Worum es geht

Ob an jedem Bahnhof wieder Personal arbeiten sollte, ist eine Abwägung zwischen dem Wunsch nach Service und Sicherheit und den hohen Kosten dauerhafter Präsenz. Menschen am Bahnhof helfen und beruhigen, doch an vielen kleinen Stationen lässt sich ihr Einsatz wirtschaftlich kaum rechtfertigen.

Wer heute an einem kleinen Bahnhof aussteigt, trifft dort oft keinen einzigen Menschen mehr an, der für die Bahn arbeitet.

An die Stelle des früheren Fahrdienstleiters und des Fahrkartenschalters sind ein Automat, ein Bildschirm und eine Kamera getreten.

Ob diese Entwicklung ein Fortschritt oder ein Verlust ist, darüber lässt sich trefflich streiten.

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Foto: Pedelecs, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der menschenleere Bahnhof

In den vergangenen Jahrzehnten wurde an unzähligen kleinen Bahnhöfen das Personal nach und nach abgezogen.

Die Fahrkarten verkauft heute ein Automat, die Weichen und Signale steuert ein weit entferntes Stellwerk.

Zurück bleibt oft ein stiller, menschenleerer Ort, an dem sich abends kaum noch jemand aufhalten mag.

Für viele Reisende ist dieser Wandel der spürbarste Verlust im Vergleich zu früheren Zeiten.

Erzhausener Bahnhof auf Bahnsteig zu Gleis 1 25.7.2012
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Der Wert eines Gesichts

Ein Mensch am Bahnhof kann weit mehr leisten, als ein Automat es jemals könnte.

Er gibt Auskunft, wenn ein Zug ausfällt, hilft beim Umsteigen und beruhigt, wenn die Anzeigetafel nur noch Fragezeichen zeigt.

Gerade ältere Reisende und Menschen, die mit der Technik fremdeln, sind auf diese persönliche Hilfe angewiesen.

Ein freundliches Gesicht am Bahnsteig verwandelt einen kalten Verkehrsort in einen Ort, an dem man sich aufgehoben fühlt.

Die Frage der Sicherheit

Ein Bahnhof, an dem Personal arbeitet, wirkt auf viele Menschen sicherer als eine menschenleere Station.

Die bloße Anwesenheit eines Mitarbeiters schreckt manchen ab, der andernfalls auf dumme Gedanken käme.

Besonders in den späten Abendstunden meiden viele Reisende die einsamen, unbeaufsichtigten Bahnsteige.

Die Präsenz von Menschen ist damit auch eine Frage des Sicherheitsgefühls, das sich mit Technik nur schwer ersetzen lässt.

Die harte Rechnung der Kosten

So wünschenswert die Präsenz von Menschen ist, so teuer ist sie im Betrieb eines weit verzweigten Netzes.

An einem kleinen Bahnhof, an dem nur wenige Reisende ein- und aussteigen, lässt sich ein ganzer Arbeitsplatz kaum rechtfertigen.

Die Kosten für rund um die Uhr besetztes Personal an tausenden Stationen wären enorm.

Genau diese Rechnung war der Hauptgrund für den Rückzug des Personals von den kleinen Bahnhöfen.

Was die Technik leisten kann

Manches, wofür früher ein Mensch nötig war, erledigt heute die Technik tatsächlich zuverlässig und günstig.

Fahrkarten lassen sich am Automaten oder bequem mit dem Mobiltelefon kaufen, oft sogar einfacher als früher am Schalter.“,“Über Notrufsäulen und Kameras lässt sich im Ernstfall schnell Hilfe holen, auch ohne dass jemand vor Ort ist.

Die Technik kann den Menschen also in einigen Bereichen durchaus ersetzen, wenn auch nicht in allen.

Die Grenzen der Automaten

So nützlich die Technik ist, so schnell stößt sie an ihre Grenzen, sobald etwas Unerwartetes geschieht.

Fällt ein Zug aus oder häufen sich die Verspätungen, kann kein Automat den ratlosen Reisenden einen neuen Weg erklären.

Eine Kamera beobachtet zwar, hilft aber nicht, wenn jemand seinen Anschluss zu verpassen droht.

In genau diesen Momenten fehlt der Mensch, der die Lage überblickt und beruhigend eingreift.

Ein Bahnhof ist mehr als ein Halt

Ein belebter Bahnhof mit Personal ist nicht nur ein Ort zum Ein- und Aussteigen, sondern ein Stück öffentliches Leben.

Wo Menschen arbeiten, entstehen oft auch ein kleiner Kiosk, eine saubere Halle und ein Gefühl von Ordnung.

Der menschenleere Bahnhof dagegen verwahrlost leichter und wird von manchen Reisenden gemieden.

Die Präsenz von Menschen hält damit auch den Ort selbst lebendig und in gutem Zustand.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, wenigstens an den größeren und stark genutzten Bahnhöfen wieder verlässlich Personal einzusetzen.

An kleinen Stationen ließe sich mobiler Service denken, bei dem Mitarbeiter mehrere Bahnhöfe betreuen und zu bestimmten Zeiten vor Ort sind.

Wichtig ist, dass im Ernstfall stets ein Mensch erreichbar ist, der über den Automaten hinaus wirklich helfen kann.

So ließe sich der Wunsch nach menschlicher Präsenz mit den harten Zwängen der Kosten in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Menschen helfen bei Ausfällen und Umstiegen, wo Automaten versagen.

+  Die Präsenz von Personal erhöht das Sicherheitsgefühl, besonders abends.

+  Ältere und technikferne Reisende sind auf persönliche Hilfe angewiesen.

+  Ein belebter Bahnhof bleibt sauberer und lebendiger.

Dagegen

  Dauerhaftes Personal an tausenden kleinen Bahnhöfen ist sehr teuer.

  An kaum genutzten Stationen lässt sich ein Arbeitsplatz kaum rechtfertigen.

  Vieles erledigen Automat, Mobiltelefon und Notrufsäule heute zuverlässig.

  Die Mittel fehlen dann anderswo, etwa für mehr Züge.

Tipp für die Reise

An unbesetzten Bahnhöfen hilft im Notfall die Notrufsäule, die direkt mit einer Leitstelle verbindet. Für Auskünfte lohnt sich die kostenlose Servicenummer der Bahn oder eine App, die auch bei Ausfällen Alternativen anzeigt.

Unterm Strich

Ob an jedem Bahnhof wieder Personal arbeiten sollte, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

An den großen, stark genutzten Bahnhöfen ist die verlässliche Präsenz von Menschen ein Gewinn an Service und Sicherheit.

An kaum genutzten kleinen Stationen dagegen lässt sich ein ständig besetzter Arbeitsplatz wirtschaftlich schwer rechtfertigen.

Ein kluger Mittelweg mit mobilem Service und stets erreichbarer Hilfe erscheint deshalb sinnvoller als die Rückkehr zum Personal an jedem Halt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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