Standpunkt
„Wer kein Smartphone hat, steht am Ende ratlos vor einer Bahn, die nur noch per App zu verstehen scheint.“
Sollte man Bahntickets auch ohne Smartphone einfach kaufen können?
→ Ein Standpunkt über den Fahrkartenkauf im digitalen Zeitalter.
Lesezeit: 8 Minuten · Schalter: Standpunkt
Worum es geht
Wer sein Ticket nur noch per App kaufen kann, schließt viele Menschen aus, die kein Smartphone haben oder damit nicht zurechtkommen. Ein einfacher Kauf am Schalter oder Automaten sichert allen den Zugang zur Bahn. Doch solche Wege kosten Geld, und die meisten Menschen kaufen längst digital. Ob es sie weiter geben sollte, ist eine Abwägung zwischen Teilhabe und Aufwand.
Immer mehr rund um die Bahn geschieht heute über das Smartphone und seine Apps.
Das Ticket, die Auskunft und die Reservierung liegen dort nur einen Fingertipp entfernt.
Doch was ist mit den Menschen, die kein Smartphone haben oder damit nicht zurechtkommen?

Die Bahn wird digital
In den letzten Jahren ist rund um die Bahn vieles ins Digitale gewandert.
Das Ticket kauft man heute oft bequem mit wenigen Fingertipps in einer App.
Für viele Menschen ist das eine große und willkommene Erleichterung.
Doch dieser Fortschritt hat auch eine Kehrseite, die man nicht übersehen darf.

Nicht jeder hat ein Smartphone
Längst nicht jeder Mensch besitzt ein Smartphone oder kann gut damit umgehen.
Gerade viele ältere Menschen tun sich mit den Apps der Bahn schwer.
Auch wer wenig Geld hat, besitzt nicht immer ein modernes Telefon.
So bliebe diesen Menschen der einfache Weg zum Ticket versperrt.
Der Schalter und der Automat
Neben der App gibt es weiterhin den Schalter und den Fahrkartenautomaten.
Am Schalter hilft ein Mensch, am Automaten kauft man das Ticket allein.
Beide Wege kommen ganz ohne ein eigenes Smartphone aus.
So bleiben sie für viele Menschen der einzige gangbare Weg zur Fahrkarte.
Teilhabe für alle
Wer für den einfachen Kauf ohne Smartphone ist, denkt an die Teilhabe aller.
Die Bahn ist ein öffentliches Verkehrsmittel und sollte allen offenstehen.
Niemand darf von der Reise ausgeschlossen werden, nur weil ihm ein Gerät fehlt.
Aus dieser Sicht ist der Zugang ohne Smartphone ein Gebot der Fairness.
Das Argument der Kosten
Gegen den Erhalt von Schalter und Automat spricht vor allem der Aufwand.
Ein Schalter braucht Personal, ein Automat will gewartet und repariert werden.
Diese Kosten fallen an, obwohl immer mehr Menschen längst digital kaufen.
So stellt sich die Frage, wie viele dieser teuren Wege noch nötig sind.
Der Zug der Zeit
Man kann nicht leugnen, dass die Mehrheit der Menschen heute digital kauft.
Für sie ist die App schnell, bequem und rund um die Uhr verfügbar.
Diesen Zug der Zeit aufzuhalten, wäre weder möglich noch sinnvoll.
So geht es nicht darum, das Digitale zu verhindern, sondern niemanden zurückzulassen.
Beides muss möglich sein
Der klügste Weg liegt wohl darin, beide Wege nebeneinander offenzuhalten.
Wer mag, kauft bequem per App, wer nicht kann, kauft am Schalter oder Automaten.
So bleibt der Fortschritt erhalten, ohne einen Teil der Menschen auszuschließen.
Gerade an großen Bahnhöfen sollte der persönliche Weg zum Ticket nie ganz verschwinden.
Eine Frage der Teilhabe
Am Ende steht die Abwägung zwischen dem digitalen Fortschritt und der Teilhabe aller.
Dass die App für viele eine Erleichterung ist, steht dabei außer Frage.
Doch eine Bahn für alle darf niemanden ausschließen, dem das Gerät oder die Übung fehlt.
So sollte der einfache Kauf ohne Smartphone stets ein gangbarer Weg bleiben.
Pro und Contra
Dafür
+ Nicht jeder besitzt ein Smartphone oder kommt mit den Apps zurecht.
+ Die Bahn ist ein öffentliches Verkehrsmittel und sollte allen offenstehen.
+ Gerade ältere Menschen sind auf Schalter und Automat angewiesen.
+ Niemand darf von der Reise ausgeschlossen werden, weil ihm ein Gerät fehlt.
Dagegen
− Ein Schalter braucht Personal, ein Automat will gewartet werden.
− Immer mehr Menschen kaufen ihr Ticket längst digital.
− Die App ist schnell, bequem und rund um die Uhr verfügbar.
− Die Mittel sind begrenzt und werden an vielen Stellen gebraucht.
Praktischer Tipp
Wer kein Smartphone nutzt, kann sein Ticket weiterhin am Fahrkartenautomaten oder, an größeren Bahnhöfen, am Schalter kaufen. Auch am Automaten hilft im Zweifel das Servicepersonal weiter. Für regelmäßige Fahrten lohnt sich eine Fahrkarte auf Papier, die man in Ruhe im Voraus besorgt.
Hilfe beim Automaten
Der Fahrkartenautomat wirkt auf manche Menschen zunächst verwirrend.
Viele Knöpfe und Menüs können den ungeübten Reisenden leicht überfordern.
An größeren Bahnhöfen hilft im Zweifel das Servicepersonal geduldig weiter.
So findet auch der Ungeübte mit ein wenig Unterstützung zu seinem Ticket.
Das Ticket auf Papier
Für viele Menschen ist die Fahrkarte auf Papier nach wie vor die liebste Form.
Man hält sie in der Hand, kann sie vorzeigen und verlegt sie nicht so leicht.
Anders als das Handy kann ein Stück Papier nicht plötzlich den Akku verlieren.
So hat die gute alte Papierfahrkarte auch im digitalen Zeitalter ihren festen Platz.
Unterm Strich
Ob man Bahntickets auch ohne Smartphone einfach kaufen können sollte, ist im Grundsatz klar zu bejahen.
Denn eine Bahn für alle darf niemanden ausschließen, dem das Gerät oder die Übung fehlt.
Zugleich ist der digitale Kauf für die Mehrheit eine echte Erleichterung, die bleiben soll.
Der klügste Weg liegt darin, beide Wege offenzuhalten, den digitalen und den persönlichen am Schalter und Automaten.
Weiterfahrt
→ Wo kaufe ich Bahntickets? – alle Wege im Überblick
→ Sollten Bahn-Apps einfacher werden? – ein verwandter Streit
