Standpunkt
„Im ICE surft man wie im Wohnzimmer, im Regionalzug reicht es kaum für eine Nachricht – dieser Unterschied ärgert viele Reisende.“
Sollte kostenloses WLAN in allen Zügen Pflicht sein?
→ Ein Standpunkt über das drahtlose Netz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
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Worum es geht
Ob kostenloses WLAN in allen Zügen Pflicht sein sollte, ist eine Abwägung zwischen dem berechtigten Wunsch der Reisenden nach einem verlässlichen Netz und den erheblichen technischen und finanziellen Hürden. Ein gutes Netz macht die Reisezeit wertvoll, ist aber gerade auf dem Land schwer und teuer zu verwirklichen.
Für viele Menschen ist die Zeit im Zug längst eine Zeit zum Arbeiten, Lernen oder einfach zum Surfen und Streamen geworden.
Im schnellen Fernzug funktioniert das drahtlose Netz oft erstaunlich gut, während es im Regionalzug immer wieder abbricht.
Ob ein kostenloses und verlässliches Netz deshalb in jedem Zug zur Pflicht werden sollte, ist eine überraschend vielschichtige Frage.

Die Reisezeit als Arbeitszeit
Ein großer Vorteil der Bahn gegenüber dem Auto ist, dass man die Reisezeit sinnvoll nutzen kann, statt sie am Steuer zu verbringen.
Wer im Zug arbeiten, lernen oder Dinge erledigen will, ist dabei fast immer auf ein funktionierendes Netz angewiesen.
Ein verlässliches drahtloses Netz verwandelt die Fahrt so in wertvolle und produktive Zeit.
Genau darin liegt ein starkes Argument dafür, ein solches Netz überall anzubieten.

Der große Unterschied der Zuggattungen
Zwischen dem schnellen Fernzug und dem einfachen Regionalzug klafft beim drahtlosen Netz oft eine große Lücke.
In den modernen Fernzügen ist ein kostenloses Netz längst üblich und funktioniert auf vielen Strecken zuverlässig.
In vielen Regionalzügen dagegen gibt es entweder gar kein Netz oder eines, das ständig abbricht.
Gerade die Pendler, die täglich auf diese Züge angewiesen sind, gehen dabei oft leer aus.
Das Funkloch auf dem Land
Das größte Hindernis für ein verlässliches Netz im Zug ist nicht der Zug selbst, sondern das Mobilfunknetz entlang der Strecke.
Gerade auf dem Land und in den vielen Tunneln gibt es noch immer zahlreiche Funklöcher, in denen jede Verbindung abreißt.
Das beste Netz im Zug nützt wenig, wenn draußen entlang der Gleise kein Signal zu empfangen ist.
Ein flächendeckendes Netz im Zug hängt deshalb untrennbar mit dem Ausbau des Mobilfunks am Rande der Strecke zusammen.
Die Kosten der Technik
Ein gutes Netz in jedem Zug einzubauen und zu betreiben, verursacht erhebliche Kosten für die Bahnunternehmen.
Jeder Wagen muss mit besonderer Technik ausgerüstet werden, die das Signal von draußen einfängt und im Zug verteilt.
Bei den vielen tausend Fahrzeugen im ganzen Land summiert sich das zu einer gewaltigen Investition.
Diese Kosten müssten am Ende entweder die Fahrgäste oder die öffentliche Hand tragen.
Netz statt eigenes Datenvolumen
Für viele Reisende ist ein kostenloses Netz im Zug vor allem eine Frage des eigenen Geldbeutels.
Wer über das Zugnetz surft, verbraucht nicht das oft knappe Datenvolumen seines eigenen Mobilfunkvertrags.
Gerade für junge Menschen und für alle mit einem kleinen Datenpaket ist das ein spürbarer Vorteil.
Ein kostenloses Netz im Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag zu mehr Gerechtigkeit unter den Reisenden.
Die Alternative des eigenen Netzes
Mit dem Ausbau der modernen Mobilfunknetze fragen sich manche, ob ein eigenes Zugnetz überhaupt noch nötig ist.
Wo das Mobilfunknetz draußen gut ausgebaut ist, können viele Reisende ohnehin über ihren eigenen Vertrag surfen.
In diesem Fall wäre ein zusätzliches Netz im Zug für manche fast überflüssig.
Doch solange es entlang der Strecken noch so viele Funklöcher gibt, bleibt das eigene Zugnetz für viele wichtig.
Eine Frage der Erwartung
Was einst als Luxus galt, wird von den Reisenden heute mehr und mehr als Selbstverständlichkeit erwartet.
Wer im Fernzug ein gutes Netz gewohnt ist, versteht nicht, warum es im Regionalzug fehlt.
Diese wachsende Erwartung setzt die Bahnunternehmen unter Druck, überall ein verlässliches Netz anzubieten.
Die Frage ist damit weniger, ob das Netz kommt, sondern wie schnell und in welcher Qualität.
Ein möglicher Mittelweg
Vieles spricht dafür, ein kostenloses Netz zunächst dort verlässlich anzubieten, wo die meisten Menschen davon profitieren.
Auf den stark genutzten Pendlerstrecken wäre ein gutes Netz besonders wertvoll und würde vielen den Alltag erleichtern.
Zugleich muss der Ausbau des Mobilfunks entlang der Gleise entschlossen vorangetrieben werden, denn ohne ihn bleibt jedes Zugnetz Stückwerk.
So ließe sich der Wunsch nach einem Netz für alle mit den technischen und finanziellen Grenzen in Einklang bringen.
Pro und Contra
Dafür
+ Ein verlässliches Netz macht die Reisezeit zu wertvoller Arbeitszeit.
+ Pendler in Regionalzügen gehen bisher oft leer aus.
+ Wer über das Zugnetz surft, spart sein eigenes Datenvolumen.
+ Ein gutes Netz gilt heute als selbstverständliche Erwartung.
Dagegen
− Die Technik in jedem Wagen verursacht enorme Kosten.
− Das eigentliche Problem sind die Funklöcher entlang der Strecke.
− Wo der Mobilfunk gut ist, surfen viele ohnehin über den eigenen Vertrag.
− Die Mittel könnten anderswo dringender gebraucht werden.
Tipp für die Reise
Wer im Zug auf ein stabiles Netz angewiesen ist, sollte wichtige Dateien vor der Fahrt herunterladen und Aufgaben planen, die auch ohne Verbindung erledigt werden können. So übersteht man auch ein längeres Funkloch ohne Ärger.
Unterm Strich
Ob kostenloses WLAN in allen Zügen Pflicht sein sollte, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.
Auf den stark genutzten Strecken ist ein verlässliches und kostenloses Netz ein großer Gewinn, der vielen Menschen den Alltag erleichtert.
Zugleich sind die Kosten und vor allem die Funklöcher entlang der Gleise ernste Hürden, die sich nicht wegwünschen lassen.
Ein entschlossener Ausbau, der beim Mobilfunk am Streckenrand ansetzt, erscheint deshalb sinnvoller als eine Pflicht allein auf dem Papier.
Weiterfahrt
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