Standpunkt
„Eine volle Blase und kein stilles Örtchen im ganzen Zug – für Kinder, Ältere und Kranke wird die Fahrt dann schnell zur Qual.“
Sollte jeder Regionalzug eine Toilette haben?
→ Ein Standpunkt über ein Grundbedürfnis auf Schienen.
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Worum es geht
Ob jeder Regionalzug eine Toilette haben sollte, ist eine Abwägung zwischen einem menschlichen Grundbedürfnis und den Kosten und dem Platz, den eine Toilette verschlingt. Eine Toilette ist auf längeren Fahrten unverzichtbar, kostet aber Sitzplätze und ständige Reinigung.
Es gibt Bedürfnisse, über die man nicht gern spricht, die aber jeden Menschen früher oder später auf einer Reise ereilen.
Umso größer ist der Schreck, wenn man feststellt, dass der eigene Regionalzug über keine einzige Toilette verfügt.
Ob eine Toilette deshalb in jedem Zug zur Pflicht werden sollte, ist eine überraschend ernste Frage.

Ein menschliches Grundbedürfnis
Der Gang zur Toilette gehört zu den grundlegendsten und unaufschiebbarsten Bedürfnissen eines jeden Menschen.
Auf einer Bahnfahrt, die sich unerwartet in die Länge zieht, kann dieses Bedürfnis rasch drängend werden.
Besonders Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Kranke sind auf eine Toilette in erreichbarer Nähe angewiesen.
Für sie ist eine Toilette im Zug keine Bequemlichkeit, sondern eine schlichte Notwendigkeit.

Der Ärger im Zug ohne Toilette
In den vergangenen Jahren wurden manche modernen Regionalzüge bewusst ohne Toilette gebaut.
Der Gedanke dahinter war, dass diese Züge nur auf kurzen Strecken mit knappen Fahrzeiten eingesetzt würden.
Doch in der Wirklichkeit fahren solche Züge oft länger als geplant, etwa wegen Verspätungen oder Umleitungen.
Dann sitzen die Reisenden mitunter über eine Stunde in einem Zug ohne jede Möglichkeit, sich zu erleichtern.
Die Frage der Streckenlänge
Ob eine Toilette nötig ist, hängt auf den ersten Blick von der Länge der jeweiligen Strecke ab.
Auf einer sehr kurzen Fahrt von wenigen Minuten mag man auf eine Toilette verzichten können.
Doch schon auf mittleren Strecken und erst recht bei Verspätungen wird ihr Fehlen zum echten Problem.
Weil sich Fahrzeiten selten sicher vorhersagen lassen, ist der Verzicht auf die Toilette stets ein Wagnis.
Der Preis in Sitzplätzen
Eine Toilette im Zug ist nicht umsonst zu haben, denn sie nimmt den Platz mehrerer Sitzplätze ein.
In einem vollen Nahverkehrszug ist jeder Sitzplatz kostbar, und eine Toilette verknappt das Angebot ein Stück weit.
Zudem muss eine behindertengerechte Toilette besonders geräumig sein und beansprucht noch mehr Platz.
Dieser Verlust an Sitzplätzen ist eines der Argumente, die gegen eine Toilette in jedem Zug angeführt werden.
Der Aufwand der Reinigung
Eine Toilette will nicht nur eingebaut, sondern auch ständig gewartet und gereinigt werden.
Eine verschmutzte oder defekte Toilette ist für die Reisenden fast schlimmer als gar keine.
Die regelmäßige Reinigung und Wartung verursacht einen erheblichen und dauerhaften Aufwand.
Wer eine Toilette in jedem Zug fordert, muss deshalb auch diesen ständigen Aufwand mitbedenken.
Eine Frage der Würde
Über alle nüchternen Rechnungen hinaus berührt die Frage nach der Toilette auch die Würde der Reisenden.
Wer in seiner Not keine Toilette findet, gerät in eine höchst unangenehme und mitunter erniedrigende Lage.
Gerade für Menschen mit bestimmten Erkrankungen kann das Fehlen einer Toilette die Bahnfahrt unmöglich machen.
Aus dieser Sicht ist die Toilette weniger eine Frage des Komforts als eine des Anstands.
Was die Technik heute leistet
Moderne Zugtoiletten sind längst nicht mehr die einfachen Örtchen früherer Zeiten mit dem Loch zum Gleis.
Heute sind es geschlossene Systeme mit Tanks, die an den Betriebswerken entleert werden.
Diese Technik ist zuverlässiger und sauberer, aber auch aufwendiger und teurer als früher.
Sie zeigt, dass eine gute Toilette im Zug durchaus möglich ist, wenn man den Aufwand nicht scheut.
Ein möglicher Mittelweg
Vieles spricht dafür, wenigstens auf allen mittleren und längeren Strecken eine Toilette zur Pflicht zu machen.
Da sich Fahrzeiten durch Verspätungen leicht verlängern, ist der Verzicht selbst auf kurzen Strecken ein Risiko.
Wo eine vollwertige Toilette nicht möglich ist, sollte zumindest eine einfache Lösung für den Notfall vorhanden sein.
So ließe sich das menschliche Grundbedürfnis achten, ohne die Züge über Gebühr zu verteuern.
Pro und Contra
Dafür
+ Der Gang zur Toilette ist ein unaufschiebbares Grundbedürfnis.
+ Kinder, Ältere, Schwangere und Kranke sind besonders darauf angewiesen.
+ Fahrzeiten verlängern sich durch Verspätungen leicht über das Geplante hinaus.
+ Das Fehlen einer Toilette berührt die Würde der Reisenden.
Dagegen
− Eine Toilette nimmt den Platz mehrerer Sitzplätze ein.
− Reinigung und Wartung verursachen dauerhaften Aufwand.
− Auf sehr kurzen Strecken scheint sie verzichtbar.
− Eine defekte, schmutzige Toilette ist fast schlimmer als keine.
Tipp für die Reise
Wer auf eine Toilette angewiesen ist, sollte vor der Fahrt prüfen, ob der gewählte Zug eine besitzt, und im Zweifel einen etwas längeren Aufenthalt am Bahnhof für den Toilettengang einplanen. Bei sehr kurzen Umsteigezeiten hilft ein Blick auf die Ausstattung des Zuges.
Ein Blick auf die Ausstattung
Wer wissen möchte, ob sein Zug eine Toilette besitzt, findet dazu oft schon in der Reiseauskunft einen entsprechenden Hinweis.
Viele Verkehrsunternehmen kennzeichnen die Ausstattung ihrer Züge inzwischen genau, sodass sich Überraschungen vermeiden lassen.
Auch am Zug selbst weisen kleine Symbole an den Türen darauf hin, in welchem Wagen sich die Toilette befindet.
Wer auf diese Zeichen achtet, findet im Ernstfall schneller den richtigen Wagen und erspart sich unnötige Wege durch den ganzen Zug.
Unterm Strich
Ob jeder Regionalzug eine Toilette haben sollte, lässt sich fast mit einem klaren Ja beantworten.
Weil sich Fahrzeiten durch Verspätungen leicht verlängern, ist der Verzicht auf eine Toilette fast immer ein Risiko für die Reisenden.
Nur auf den allerkürzesten Strecken mag man darüber streiten, doch selbst dort ist eine einfache Notlösung wünschenswert.
Das menschliche Grundbedürfnis und die Würde der Reisenden wiegen am Ende schwerer als der Verlust einiger Sitzplätze.
Weiterfahrt
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