Stimmt es, dass ein Zug nicht rückwärts fahren kann?

Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug fährt gleich zurück – ganz ohne zu wenden.“

Kann ein Zug nicht rückwärts fahren?

→ Ein Zug muss nicht wenden, um zurückzufahren. Warum beide Richtungen gleich gut gehen.

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Kurz gesagt

Falsch. Ein Zug fährt problemlos in beide Richtungen – oft sogar gleich schnell. Möglich machen das Triebzüge mit Führerständen an beiden Enden und sogenannte Wendezüge mit einem Steuerwagen. Gewendet werden muss fast nie.

Man kennt es vom Endbahnhof: Der Zug kommt an, und wenige Minuten später fährt er wieder los – in die Gegenrichtung, ohne dass er umständlich gedreht wurde.

Wie geht das? Ganz einfach, denn ein Zug hat kein festes „Vorn“ und „Hinten“.

Flixtrain im Berliner Hauptbahnhof
Foto: Smiley.toerist, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Beide Enden sind vorn

Ein ICE oder eine S-Bahn hat an beiden Enden einen Führerstand.

Am Endbahnhof steht der Lokführer einfach auf und geht ans andere Ende des Zuges – und schon ist das frühere Hinten das neue Vorn.

Der Zug fährt zurück, als wäre nichts gewesen.

Solche Fahrzeuge nennt man Triebzüge.

Sie sind für beide Richtungen gleich gebaut und fahren rückwärts genauso schnell wie vorwärts.

Ein Wenden ist überflüssig – das spart Zeit und Platz am Bahnhof.

Der Wendezug mit Steuerwagen

Auch Züge mit einer einzelnen Lok müssen nicht wenden.

Bei einem Wendezug sitzt am anderen Ende ein besonderer Wagen: der Steuerwagen.

Er hat einen Führerstand, von dem aus der Lokführer die Lok am anderen Zugende fernsteuert.

Die Lok schiebt den Zug dann von hinten, während der Lokführer vorn im Steuerwagen sitzt und steuert.

Am Endbahnhof wechselt er einfach die Seite – die Lok zieht mal, schiebt mal, aber gedreht wird nichts.

Der Steuerwagen im Detail

Der Steuerwagen ist ein cleveres Stück Technik.

Von außen sieht er fast aus wie eine Lok, ist aber ein Wagen mit Führerstand.

Über die Leitungen im Zug steuert der Lokführer von hier aus die echte Lok am anderen Ende – Gas geben, bremsen, alles funktioniert aus der Ferne.

So kann die Lok den Zug schieben, während der Lokführer vorn sitzt und freie Sicht hat.

Das ist genauso sicher wie das Ziehen, denn die Lok gehorcht exakt den Befehlen aus dem Steuerwagen.

Für die Fahrgäste macht es keinen Unterschied.

Ein Gewinn an Zeit und Platz

Der Verzicht aufs Wenden spart im Betrieb enorm viel.

An einem Kopfbahnhof müsste ein Zug sonst umständlich rangiert oder gedreht werden – das kostet Zeit, Personal und Gleise.

Der Wendezug erledigt das mit einem simplen Seitenwechsel des Lokführers.

Gerade im dichten Nahverkehr ist das Gold wert.

Eine S-Bahn erreicht die Endstation, und wenige Minuten später fährt sie schon wieder zurück.

Ohne diese Technik wäre ein so dichter Takt gar nicht möglich.

So steckt hinter der beiläufigen Beobachtung – der Zug fährt einfach zurück – eine der praktischsten Erfindungen des modernen Bahnbetriebs.

Übrigens gilt dasselbe Prinzip auch für viele Regionalzüge und Straßenbahnen: Fast alle modernen Fahrzeuge im Nahverkehr fahren in beide Richtungen gleich gut.

Das Wenden ist damit fast überall aus dem Alltag verschwunden.

Nur bei historischen Dampfzügen oder besonderen Sonderfahrten sieht man heute noch, wie eine Lok gedreht wird – ein seltenes Schauspiel, das an die Zeit erinnert, als der Zug tatsächlich ein festes Vorn hatte.

Der Mythos vom Zug, der nicht rückwärts kann, stammt wohl noch aus der Dampfzeit.

Heute ist das Gegenteil selbstverständlich – kaum ein moderner Zug muss zum Zurückfahren überhaupt noch gewendet werden.

So ist die Antwort klar und beruhigend zugleich: Ein Zug fährt in beide Richtungen gleich sicher – man muss ihn dafür nur an beiden Enden steuern können.

Zwei Wege, kein Wenden

Triebzug: Führerstände an beiden Enden – der Lokführer wechselt einfach die Seite.

Wendezug: eine Lok und ein Steuerwagen mit Führerstand am anderen Ende; die Lok schiebt oder zieht.

In beiden Fällen fährt der Zug rückwärts genauso wie vorwärts – Wenden ist unnötig.

Potsdam Babelsberg Bahnhof Potsdam Babelsberg auf Bahnsteig zu Gleis 1 R
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Früher war das anders

In der Dampflok-Zeit war das noch ein echtes Problem.

Eine Dampflok fährt am besten vorwärts, mit dem Schornstein voran.

Um sie zu wenden, brauchte es eine Drehscheibe – eine drehbare Plattform, auf der die Lok um 180 Grad gedreht wurde.

Solche Drehscheiben gehörten zu jedem größeren Bahnbetriebswerk.

Heute sind sie meist nur noch in Museen zu sehen.

Moderne Züge brauchen sie nicht mehr – sie fahren in beide Richtungen von selbst.

Praktisch für den Betrieb

Dass Züge nicht mehr wenden müssen, ist ein großer Vorteil.

An einem Kopfbahnhof, wo die Gleise enden, kann der Zug einfach in die Gegenrichtung zurückfahren, sobald der Lokführer die Seite gewechselt hat.

Das beschleunigt den Betrieb erheblich.

So ist der Mythos vom Zug, der nicht rückwärts kann, längst überholt.

Im Gegenteil: Die Fähigkeit, ohne Wenden in beide Richtungen zu fahren, gehört zu den praktischsten Eigenschaften der modernen Bahn.

Häufige Fragen

Kann ein Zug rückwärts fahren?
Ja, problemlos und oft gleich schnell wie vorwärts. Ein Wenden ist fast nie nötig.
Wie geht das ohne Wenden?
Bei Triebzügen gibt es an beiden Enden einen Führerstand; der Lokführer wechselt einfach die Seite.
Was ist ein Wendezug?
Ein Zug mit einer Lok und einem Steuerwagen am anderen Ende. Die Lok schiebt den Zug, der Lokführer steuert vom Steuerwagen aus.
Wie war das früher?
Dampfloks mussten auf einer Drehscheibe gewendet werden, um mit dem Schornstein voran zu fahren.
Warum ist das praktisch?
An Kopfbahnhöfen kann der Zug sofort zurückfahren, ohne umständliches Wenden – das spart Zeit und Platz.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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