Stimmt es, dass die Räder eines Zuges fest verbunden sind?

Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, die beiden Räder unter Ihnen drehen sich immer gemeinsam.“

Sind die Räder eines Zuges fest verbunden?

→ Beide Räder auf einer starren Achse – und trotzdem sauber durch die Kurve. Wie geht das?

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Kurz gesagt

Stimmt. Anders als beim Auto sitzen die beiden Räder eines Zuges fest auf einer gemeinsamen Achse – sie drehen sich immer gleich schnell. Dass der Zug damit trotzdem durch Kurven kommt, liegt an der cleveren, leicht kegeligen Form der Räder.

Es klingt zunächst wie ein Widerspruch: Die beiden Räder eines Zuges sind starr miteinander verbunden und drehen sich exakt gleich schnell.

Trotzdem fährt der Zug sauber durch enge Kurven.

Wie kann das funktionieren?

Vectron mit Flixtrain im Hannoveraner Hauptbahnhof
Foto: Clic, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein starres Paar: der Radsatz

Beim Auto dreht sich in der Kurve das äußere Rad schneller als das innere – dafür sorgt ein Bauteil namens Differenzial.

Beim Zug gibt es das nicht.

Die beiden Räder sind fest mit der Achse verschweißt und bilden eine Einheit, den Radsatz.

Dieser Radsatz dreht sich als Ganzes.

Beide Räder machen immer gleich viele Umdrehungen.

In der Kurve müsste das äußere Rad aber eigentlich einen weiteren Weg zurücklegen als das innere – ein Problem, das gelöst werden muss.

Die Lösung steckt nicht in der Achse, sondern in der Form der Räder.

Sie sind nicht zylindrisch, sondern leicht kegelig – innen dicker, außen dünner.

Und genau das macht die Kurvenfahrt möglich.

Die kegelige Form macht’s

Läuft der Radsatz in eine Kurve, verschiebt er sich ein wenig zur Seite.

Dadurch rollt das kurvenäußere Rad plötzlich auf einem größeren Durchmesser, das innere auf einem kleineren.

Bei gleicher Drehzahl legt das äußere Rad so von selbst den längeren Weg zurück.

Der starre Radsatz gleicht die unterschiedlichen Weglängen also allein über die Kegelform aus.

Ganz ohne Differenzial, ohne Mechanik – nur durch Geometrie.

Eine erstaunlich elegante Lösung.

Derselbe Effekt hält den Radsatz auch in der Spur.

Läuft er aus der Mitte, lenkt ihn die Kegelform sanft zurück.

Man nennt diese pendelnde Bewegung den Sinuslauf – der Zug fährt gewissermaßen von selbst geradeaus.

Ein Prinzip aus der Frühzeit

Der starre Radsatz ist so alt wie die Eisenbahn selbst.

Schon die ersten Bahnen setzten auf fest verbundene Räder mit leicht kegeliger Lauffläche – weil das Prinzip einfach herzustellen, robust und selbstlenkend ist.

Über fast zwei Jahrhunderte hat sich daran wenig geändert.

Was einmal genial gelöst ist, muss man nicht neu erfinden.

Der Radsatz von heute funktioniert im Kern wie der von damals – ein seltener Fall solcher Beständigkeit in der Technik.

Wo das Prinzip an Grenzen stößt

Ganz ohne Nachteile ist die starre Achse nicht.

In sehr engen Kurven, etwa bei Straßenbahnen in der Stadt, reicht die Selbstlenkung nicht mehr aus.

Dann schaben die Spurkränze an der Schiene – das ist der Grund für das laute Quietschen in engen Bögen.

Für solche Fälle gibt es Sonderlösungen: gefederte oder sogar einzeln drehbare Räder, wie sie manche moderne Straßenbahn nutzt.

Auf der großen Bahn aber bleibt der klassische, starre Radsatz das bewährte Standardprinzip.

Am Ende ist der starre Radsatz ein schönes Beispiel dafür, dass die beste Lösung nicht immer die kompliziertere ist.

Wo das Auto ein aufwendiges Differenzial braucht, genügt dem Zug die richtige Form – und ein bisschen Physik.

Wer das nächste Mal einen Zug durch eine Kurve fahren sieht, weiß nun: Es sind nicht die Spurkränze, die ihn führen, sondern die unscheinbare Kegelform der Räder, die dort ihre stille Arbeit verrichtet.

Warum kein Differenzial?

Autos brauchen ein Differenzial, weil ihre Räder auf glatter Straße jede Drehzahl haben dürfen.

Beim Zug übernimmt die kegelige Radform diese Aufgabe – mechanisch einfacher und wartungsärmer.

Die Spurkränze innen an den Rädern sind nur die Notsicherung; im Normalfall berühren sie die Schiene gar nicht.

S Bahn Berlin Baureihe 483, Mock up (2)
Foto: Andre_de, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wozu dann die Spurkränze?

Viele halten die Spurkränze – die Ränder innen an den Rädern – für das, was den Zug im Gleis hält.

Tatsächlich sind sie nur die Reserve.

Im normalen Lauf berühren sie die Schiene gar nicht; die Führung übernimmt die Kegelform.

Erst wenn es eng wird, etwa in einer sehr scharfen Kurve oder bei einer Störung, greifen die Spurkränze und verhindern, dass der Radsatz die Schiene verlässt.

Sie sind also der letzte Sicherheitsanschlag, nicht die eigentliche Lenkung.

Einfach und robust

Der starre Radsatz ist ein Musterbeispiel für gute Ingenieurskunst: wenige Teile, kaum Verschleiß, selbstlenkend.

Was auf den ersten Blick wie ein Konstruktionsfehler wirkt, ist in Wahrheit genial durchdacht.

Genau deshalb hat sich dieses Prinzip seit den Anfängen der Eisenbahn kaum verändert.

Zwei fest verbundene, kegelige Räder auf einer Achse – so fahren Züge seit fast zweihundert Jahren sicher durch jede Kurve.

Häufige Fragen

Sind die Räder eines Zuges wirklich fest verbunden?
Ja. Sie sitzen starr auf einer gemeinsamen Achse und drehen sich immer gleich schnell – ganz ohne Differenzial.
Wie kommt der Zug dann durch Kurven?
Durch die leicht kegelige Form der Räder. In der Kurve rollt das äußere Rad auf größerem Durchmesser und legt so den längeren Weg zurück.
Was ist der Sinuslauf?
Die pendelnde Bewegung, mit der sich der Radsatz dank der Kegelform immer wieder selbst in die Spurmitte zurückführt.
Wofür sind die Spurkränze?
Nur als Notsicherung. Im Normalbetrieb berühren sie die Schiene kaum; sie greifen erst, wenn es eng wird.
Warum kein Differenzial wie beim Auto?
Weil die kegelige Radform die Aufgabe übernimmt – einfacher, robuster und praktisch wartungsfrei.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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