Sollten die Toiletten an Bahnhöfen kostenlos sein?

Standpunkt

„Ein dringendes Bedürfnis, und dann fehlt das passende Kleingeld für die Schranke – an vielen Bahnhöfen ein alltäglicher Ärger.“

Sollten die Toiletten an Bahnhöfen kostenlos sein?

→ Ein Standpunkt über den Preis eines Grundbedürfnisses.

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Worum es geht

Ob Bahnhofstoiletten kostenlos sein sollten, ist eine Abwägung zwischen einem menschlichen Grundbedürfnis und der Erfahrung, dass eine Gebühr die Toiletten sauberer hält. Kostenlose Toiletten sind gerechter und für alle zugänglich, doch ohne Einnahmen und Kontrolle drohen sie zu verwahrlosen.

Wer an einem Bahnhof dringend eine Toilette aufsuchen muss, steht dort oft vor einer Schranke, die ohne Bezahlung nicht aufgeht.

Ein Euro oder mehr für den Gang zum stillen Örtchen empfinden viele Menschen als ärgerlich und ungerecht.

Ob die Toiletten an den Bahnhöfen deshalb kostenlos sein sollten, ist eine überraschend grundsätzliche Frage.

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Foto: Nils-Saar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein unaufschiebbares Bedürfnis

Der Gang zur Toilette gehört zu den grundlegendsten und unaufschiebbarsten Bedürfnissen eines jeden Menschen.

An einem Bahnhof, wo viele Menschen unterwegs sind und warten, ist dieses Bedürfnis besonders häufig.

Wer in diesem Moment kein passendes Kleingeld dabei hat, gerät in eine höchst unangenehme Lage.

Für ein solches Grundbedürfnis Geld zu verlangen, erscheint vielen deshalb unangemessen.

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Foto: Ad Meskens You are free to use this picture for an, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Frage der Gerechtigkeit

Besonders ungerecht wirkt die Gebühr auf jene Menschen, die ohnehin wenig Geld haben.

Für einen wohlhabenden Reisenden ist ein Euro kaum der Rede wert, für einen armen Menschen dagegen viel.

Auch für Kinder und für Menschen in einer Notlage kann die Schranke zur echten Hürde werden.

So trifft die Gebühr für die Toilette gerade die Schwächsten am härtesten.

Warum es die Gebühr gibt

Dem Wunsch nach kostenlosen Toiletten steht eine leidvolle Erfahrung gegenüber.

Kostenlose und unbeaufsichtigte Toiletten an Bahnhöfen verwahrlosen und verschmutzen oft in kurzer Zeit.

Die Gebühr dient dazu, die Reinigung zu bezahlen und den Zugang ein Stück weit zu ordnen.

Eine saubere, gepflegte Toilette gegen Geld ist vielen am Ende lieber als eine schmutzige umsonst.

Sauberkeit gegen Bezahlung

Tatsächlich sind die kostenpflichtigen Toiletten an vielen Bahnhöfen erstaunlich sauber und gepflegt.

Das eingenommene Geld fließt in die ständige Reinigung und in das Personal, das für Ordnung sorgt.

So entsteht ein Zusammenhang zwischen der Gebühr und der Sauberkeit, den viele Reisende durchaus schätzen.

Wer die Wahl hat, entscheidet sich oft bewusst für die saubere Toilette gegen einen kleinen Betrag.

Die Rückgabe an den Reisenden

An manchen Bahnhöfen gibt es einen klugen Kompromiss, der beide Seiten ein Stück weit versöhnt.

Dort erhält man beim Bezahlen einen Bon, den man beim Einkauf in einem Geschäft des Bahnhofs wieder einlösen kann.

So zahlt der Reisende zwar zunächst, bekommt seinen Betrag beim Einkauf aber teilweise zurück.

Dieser Weg verbindet die Sauberkeit durch die Gebühr mit einer gewissen Rückgabe an den Reisenden.

Ein Zeichen der Gastfreundschaft

Über die nüchterne Rechnung hinaus ist die Frage der Toilette auch eine der Gastfreundschaft.

Ein Bahnhof, der seine Reisenden willkommen heißt, sollte ihnen den Gang zur Toilette nicht verwehren.

Eine kostenlose und dennoch saubere Toilette wäre ein Zeichen der Achtung vor den Menschen.

So berührt die scheinbar kleine Frage am Ende das ganze Selbstverständnis eines Bahnhofs.

Andere Wege zur Sauberkeit

Dass sich Sauberkeit auch ohne eine Schranke erreichen lässt, zeigen manche gut gepflegten kostenlosen Anlagen.

Regelmäßige Reinigung, gute Beleuchtung und eine übersichtliche Gestaltung halten auch freie Toiletten sauber.

Zwar kostet das die Bahnhöfe Geld, doch dieses ließe sich auch anders als über eine Gebühr aufbringen.

So ist die Gebühr nicht der einzige denkbare Weg zu einer sauberen Toilette.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, wenigstens einen Teil der Toiletten an großen Bahnhöfen kostenlos und dennoch sauber anzubieten.

Wo eine Gebühr erhoben wird, sollte sie gering sein und möglichst über einen Bon wieder eingelöst werden können.

Wichtig ist, dass niemand mit einem dringenden Bedürfnis vor einer unüberwindbaren Schranke steht.

So ließe sich das menschliche Grundbedürfnis mit dem berechtigten Wunsch nach Sauberkeit in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Der Gang zur Toilette ist ein unaufschiebbares Grundbedürfnis.

+  Die Gebühr trifft gerade arme Menschen, Kinder und Notlagen am härtesten.

+  Eine kostenlose Toilette ist ein Zeichen der Gastfreundschaft.

+  Auch freie Toiletten lassen sich mit guter Pflege sauber halten.

Dagegen

  Kostenlose, unbeaufsichtigte Toiletten verwahrlosen oft rasch.

  Die Gebühr bezahlt die ständige Reinigung und das Personal.

  Viele bevorzugen die saubere Toilette gegen Geld der schmutzigen umsonst.

  Ohne Einnahmen müsste die Reinigung anders finanziert werden.

Tipp für die Reise

An vielen Bahnhöfen bekommt man beim Bezahlen der Toilette einen Bon, den man in einem Geschäft des Bahnhofs beim Einkauf wieder einlösen kann. Wer ohnehin etwas kaufen will, bekommt so einen Teil des Betrags zurück.

Ein Blick auf die Nachbarländer

Wie unterschiedlich man mit der Frage der Bahnhofstoiletten umgehen kann, zeigt ein Blick über die Grenzen hinweg.

In manchen Ländern sind die Toiletten an den großen Bahnhöfen selbstverständlich kostenlos und dennoch ordentlich gepflegt.

In anderen dagegen ist eine Gebühr ebenso üblich wie hierzulande, oft verbunden mit demselben Ärger der Reisenden.

Diese verschiedenen Wege zeigen, dass es keine einzige richtige Lösung gibt, sondern stets eine Abwägung zwischen Zugang und Sauberkeit.

Unterm Strich

Ob Bahnhofstoiletten kostenlos sein sollten, lässt sich nicht mit einem schlichten Ja beantworten.

Das menschliche Grundbedürfnis und die Gerechtigkeit sprechen klar für einen freien Zugang.

Zugleich hält die Gebühr die Toiletten erfahrungsgemäß sauberer, was den Reisenden ebenfalls wichtig ist.

Zumindest ein Teil kostenloser, aber gut gepflegter Toiletten und eine geringe, per Bon erstattete Gebühr erscheinen deshalb als der beste Weg.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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