Sollte an jedem Sitz eine Steckdose sein?

Standpunkt

„Fünf Prozent Akku und noch zwei Stunden Fahrt: Wer keine Steckdose findet, verbringt den Rest der Reise im Energiesparmodus.“

Sollte an jedem Sitz eine Steckdose sein?

→ Ein Standpunkt zwischen Komfortanspruch und Kostenrealität.

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Worum es geht

In vielen Fernzügen gibt es längst Steckdosen, im Nahverkehr aber oft nicht. Ob die Bahn eine Steckdose an wirklich jedem Sitzplatz zur Pflicht machen sollte, ist eine Abwägung zwischen dem berechtigten Wunsch nach Strom und den Kosten für Einbau und Wartung.

Für viele Menschen ist die Bahnfahrt längst zur verlängerten Werkbank oder zum mobilen Wohnzimmer geworden, auf dem der Laptop läuft und das Handy glüht.

Doch nichts trübt diese Reise so zuverlässig wie der Blick auf den fallenden Akkustand und die vergebliche Suche nach einer freien Steckdose.

Immer wieder wird deshalb gefordert, die Bahn solle an wirklich jedem einzelnen Sitzplatz eine Steckdose zur festen Regel machen.

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Foto: Geoprofi Lars, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie es heute aussieht

In den meisten Fernzügen wie dem ICE und dem Intercity gehören Steckdosen längst zur Standardausstattung an den Sitzen.

Im Nahverkehr dagegen ist die Lage bunt gemischt, denn manche Regionalzüge bieten Strom am Platz und viele andere gar nicht.

Wer viel im Nahverkehr pendelt, kennt deshalb das Glücksspiel, ob der nächste Zug eine Lademöglichkeit bereithält oder nicht.

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Foto: Geoprofi Lars, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum der Wunsch so groß ist

Das Bedürfnis nach Strom unterwegs ist in den letzten Jahren geradezu explodiert, weil fast jeder mehrere Geräte dabeihat.

Das Handy dient als Fahrkarte, als Fahrplan und als Unterhaltung zugleich und darf deshalb unterwegs auf keinen Fall ausgehen.

Wer im Zug arbeitet, ist auf einen geladenen Laptop angewiesen, und eine leere Batterie kann eine ganze Reise unproduktiv machen.

Die Kosten des Einbaus

So einleuchtend der Wunsch ist, so wenig kostenlos ist seine Erfüllung, denn jede Steckdose muss verkabelt und abgesichert werden.

Einen bestehenden Zug nachträglich mit Steckdosen an jedem Platz auszurüsten, ist aufwendig und entsprechend teuer.

Diese Kosten muss am Ende irgendjemand tragen, und im Zweifel schlagen sie sich in den Ticketpreisen für alle nieder.

Die Frage der Zuverlässigkeit

Eine Steckdose nützt nur dann etwas, wenn sie auch tatsächlich funktioniert, wenn man sie braucht.

Defekte oder abgeschaltete Steckdosen sorgen bei Reisenden oft für noch größeren Frust als gar keine Lademöglichkeit.

Eine Pflicht müsste deshalb Hand in Hand gehen mit einer verlässlichen Wartung, die im dichten Betrieb nicht immer leicht ist.

Der Vergleich mit der Konkurrenz

Im Wettbewerb mit dem Auto und dem Fernbus ist die Steckdose ein handfestes Argument für die Bahn.

Wer im Zug bequem arbeiten und dabei laden kann, verzeiht der Fahrt manche andere Schwäche eher.

Eine flächendeckende Stromversorgung wäre damit auch ein Mittel, um mehr Menschen zum Umstieg auf die Schiene zu bewegen.

Die Rolle der Powerbank

Gegen die Pflicht wird eingewandt, dass sich viele Reisende längst mit einer eigenen Powerbank selbst behelfen.

Ein solcher mobiler Akku ist günstig, klein und macht von der Steckdose im Zug unabhängig.

Für die Bahn wäre es deshalb womöglich klüger, das schnelle und stabile Bordnetz auszubauen, als jede einzelne Dose zur Pflicht zu machen.

Ein Kompromiss als Weg

Zwischen der Steckdose an jedem einzelnen Platz und gar keiner Lademöglichkeit liegt ein breiter Raum für vernünftige Lösungen.

Denkbar wäre, zunächst jede Sitzgruppe statt jeden Einzelplatz mit einer Steckdose auszustatten.

So hätte praktisch jeder Fahrgast eine Dose in Reichweite, ohne dass die Kosten ins Unermessliche steigen.

Blick nach vorn

Bei neu bestellten Zügen ist die Steckdose an jedem Platz ohnehin immer häufiger von Anfang an mitgeplant.

Das Nachrüsten alter Fahrzeuge bleibt dagegen die eigentliche Streitfrage, weil es aufwendig und teuer ist.

Mit jeder Neubeschaffung wächst der Anteil der Züge mit Strom am Platz jedoch ganz von selbst.

Pro und Contra

Dafür

+  Handy, Laptop und Tablet könnten unterwegs jederzeit geladen werden, ohne nervöse Suche nach einer freien Dose.

+  Strom am Platz macht die Bahn für Pendler und Geschäftsreisende deutlich attraktiver.

+  Die Steckdose ist ein handfestes Argument im Wettbewerb mit Auto und Fernbus.

+  Bei Neubestellungen lässt sich die Ausstattung ohne großen Aufwand von Anfang an mitplanen.

+  Wer im Zug arbeiten kann, verzeiht der Fahrt manche andere Schwäche leichter.

+  Eine verlässliche Stromversorgung passt zum Anspruch, die Bahn als modernes Verkehrsmittel zu präsentieren.

Dagegen

  Der nachträgliche Einbau in alte Züge ist aufwendig und teuer und landet am Ende in den Ticketpreisen.

  Eine Steckdose nützt nur, wenn sie zuverlässig funktioniert, was eine aufwendige Wartung verlangt.

  Viele Reisende behelfen sich längst günstig mit einer eigenen Powerbank.

  Wichtiger als jede einzelne Dose wäre vielen ein schnelles und stabiles Bordnetz.

  Eine Dose pro Sitzgruppe würde denselben Nutzen zu deutlich geringeren Kosten bringen.

  Bei kurzen Nahverkehrsfahrten ist der Bedarf an einer Steckdose ohnehin gering.

Zum Einordnen

Bei neuen Zügen ist die Steckdose am Platz fast überall Standard. Der Streit dreht sich vor allem um das teure Nachrüsten alter Fahrzeuge und um die Frage, ob eine Dose je Sitzgruppe nicht genügt.

Unterm Strich

Der Wunsch nach einer Steckdose an jedem Sitz ist im Zeitalter der ständig hungrigen Akkus mehr als verständlich.

Eine starre Pflicht für jeden einzelnen Platz aber wäre teuer und träfe vor allem die alten Fahrzeuge hart.

Am klügsten wäre wohl ein Mittelweg, der jede Sitzgruppe zuverlässig mit Strom versorgt und bei Neubauten von vornherein an jeden Platz denkt.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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