Signale der Bahn: Was die Lichter am Gleis bedeuten

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 018

„Wir haben leider keine Ausfahrt“

Signale

→ Übersetzt: Das Licht am Gleis ist rot. Also sind wir es auch.

Lesezeit: 5 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Signale sagen dem Lokführer, ob er fahren darf.

Rot bedeutet Halt, grün freie Fahrt und gelb eine Einschränkung.

Weil ein Zug einen Kilometer Bremsweg hat, gibt es Vorsignale.

Sie kündigen weit vorher an, was gleich kommt.

Ein überfahrenes Rotsignal löst automatisch die Bremse aus.

Ein Signal ist die Ampel des Zuges — nur muss der Fahrer sie Kilometer vorher sehen, weil Bremsen bei ihm eine halbe Ewigkeit dauert.

Ein Auto bremst aus 100 Stundenkilometern in etwa 40 Metern.

Ein ICE braucht aus voller Fahrt weit über zwei Kilometer.

Damit ist ein Grundproblem klar.

Wenn der Lokführer ein rotes Signal sieht, ist es längst zu spät.

Die Lösung für dieses Problem ist über hundert Jahre alt.

Und sie steht an jeder Strecke.

Du bist wahrscheinlich schon tausendmal daran vorbeigefahren.

Erkannt hast du sie nie.

Ein Eisenbahn-Lichtsignal zeigt Rot vor tiefblauem Daemmerungshimmel
Symbolbild, mit KI erstellt.

Die drei Grundfarben

Die Lichttafel

Rot Halt

Der Abschnitt dahinter ist nicht frei. Hier endet die Fahrt, ohne Diskussion.

Grün Fahrt frei

Der Weg ist eingestellt und gesichert. Der Zug darf mit der erlaubten Geschwindigkeit weiter.

Gelb Achtung

Entweder gilt eine geringere Geschwindigkeit oder das nächste Signal steht auf Halt. Der Zug bremst schon jetzt.

Das Prinzip kennst du von der Ampel.

Der Unterschied liegt in der Vorwarnung.

Dazu kommt ein zweiter Unterschied.

In Deutschland gibt es mehrere Signalsysteme nebeneinander.

Sie stammen aus West und Ost und aus verschiedenen Jahrzehnten.

Ein Lokführer muss sie alle lesen können.

Wie die verschiedenen Systeme im Detail aussehen, zeigt dieses Video.

Es sortiert die wichtigsten Bilder verständlich.

Video: „Die Signale (Bahn) simpel erklärt“ vom Kanal Bahn-Tutorials.

Das Vorsignal: die Lösung von oben

Jetzt die Auflösung.

Vor jedem Hauptsignal steht ein zweites Signal.

Es heißt Vorsignal und steht rund einen Kilometer davor.

Genau ein Bremsweg.

Es sagt nichts über die eigene Stelle aus.

Es sagt nur, was gleich kommt.

Der Lokführer weiß also einen Kilometer vorher Bescheid.

Er beginnt sofort zu bremsen.

Deshalb wird dein Zug manchmal langsamer, obwohl weit und breit nichts zu sehen ist.

Er reagiert auf etwas, das noch kommt.

Moderne Anlagen fassen beides in einem Mast zusammen.

Das Prinzip bleibt gleich.

Auf Schnellfahrstrecken gibt es gar keine Signale mehr am Gleis.

Dort erscheinen die Angaben direkt im Führerstand.

Die Schilder neben den Lichtern

Nicht jedes Zeichen an der Strecke leuchtet.

Viele sind einfache Tafeln.

Weisse Rauten und Zahlen geben die erlaubte Geschwindigkeit an.

Sie gelten ab genau diesem Punkt.

Andere Tafeln kündigen eine Langsamfahrstelle an.

Dort ist etwas am Gleis nicht in Ordnung.

Genau solche Stellen sammeln sich in einem alten Netz.

Jede kostet ein paar Minuten.

Sie verschwinden erst nach einer Generalsanierung.

Danach darf wieder mit vollem Tempo gefahren werden.

Warum Züge auf freier Strecke stehen

Die Strecke ist in Abschnitte geteilt.

In jedem Abschnitt darf immer nur ein Zug sein.

Erst wenn der vordere Zug seinen Abschnitt verlassen hat, springt das Signal dahinter auf Grün.

Genau das ist der Grund für das Stehen im Nirgendwo.

Vor dir fährt jemand zu langsam.

Es ist also kein Defekt.

Es ist die Sicherheit, die funktioniert.

Je kürzer diese Abschnitte sind, desto dichter können Züge fahren.

Genau daran wird beim Ausbau gearbeitet.

Wer die Signale stellt, steht hier: das Stellwerk.

Was passiert bei Rot?

„Wir haben leider noch keine Ausfahrt.“

→ Das Signal steht auf Rot. Wir warten auf ein Licht.

Ein rotes Signal ist absolut.

Es gibt keine Ermessensfrage.

Fährt ein Zug trotzdem darüber, greift die Technik ein.

Sie leitet automatisch eine Zwangsbremsung ein.

Der Zug steht dann sofort.

Und der Vorfall wird untersucht.

Diese Sicherung ist der Grund, warum Bahnfahren so sicher ist.

Sie vertraut dem Menschen nicht blind.

Warum es zwei Signalsysteme gibt

In Deutschland treffen zwei Welten aufeinander.

Im Westen gilt das H/V-System mit getrennten Haupt- und Vorsignalen.

Im Osten wurde das Ks-System entwickelt, das beides zusammenfasst.

Nach der Wiedervereinigung blieben beide bestehen.

Neue Anlagen bekommen heute meist Ks-Signale.

Ein Lokführer muss beide sicher beherrschen.

Wer beides unterscheiden will, achtet auf die Form.

Runde Vorsignale gehören zum alten System, das Ks-Signal kommt mit einem Licht aus.

Warum Signale verschwinden

Auf modernen Strecken siehst du kaum noch Signale.

Das ist kein Sparzwang, sondern Absicht.

Ab etwa 160 Stundenkilometern kann der Lokführer sie nicht mehr sicher lesen.

Also wandert die Information in den Führerstand.

Dort erscheint sie auf einem Bildschirm.

Das System dahinter heißt ETCS.

Es gilt in ganz Europa einheitlich.

Wo keine Signale mehr stehen, ist die Strecke umgerüstet.

Das ist ein gutes Zeichen für die Zuverlässigkeit.

Auf alten Strecken bleiben die Signale noch lange.

Beides parallel zu betreiben kostet allerdings doppelt.

Warum es in Deutschland zwei Signalsysteme gibt

Das ist ein Erbe der Teilung und es lebt bis heute weiter.

Im Westen entstand das H/V-System mit getrennten Haupt- und Vorsignalen.

Es ist das ältere.

Im Osten entwickelte die Reichsbahn das Hl-System.

Es fasst mehr Informationen in einem Signal zusammen.

Nach der Wiedervereinigung wollte man beides vereinheitlichen.

Daraus wurde das Ks-System mit nur einem Lichtpunkt für die Fahrtinformation.

Heute stehen alle drei nebeneinander im Netz.

Ein Lokführer muss jedes davon beherrschen.

Wie Signale langsam aus dem Gleis verschwinden

Die Zukunft hat gar keine Lichter mehr am Streckenrand.

Beim europäischen Zugsicherungssystem ETCS bekommt der Lokführer seine Fahrerlaubnis direkt in den Führerstand.

Auf dem Bildschirm steht dann, wie schnell er fahren darf und wo er bremsen muss.

Der große Vorteil liegt im Abstand.

Ohne feste Signale können Züge dichter hintereinander fahren.

Auf der Strecke bleiben nur noch Markierungstafeln.

Das spart Technik und erlaubt mehr Züge auf demselben Gleis.

Alle Fragen zum Thema

Was bedeuten die drei Grundfarben?

Grün heißt Fahrt frei. Rot heißt Halt. Gelb heißt Fahrt mit verminderter Geschwindigkeit oder Vorsicht. Zwei gelbe Lichter untereinander bedeuten Langsamfahrt.

Was ist ein Vorsignal?

Es kündigt an, was das nächste Hauptsignal zeigt. Es steht rund tausend Meter davor. Weil ein Zug diesen Weg zum Bremsen braucht, muss er die Information vorher bekommen.

Was passiert, wenn ein Zug ein rotes Signal überfährt?

Die Zugsicherung greift automatisch ein und leitet eine Zwangsbremsung ein. Der Zug hält. Danach muss der Vorfall gemeldet und untersucht werden.

Was ist PZB?

Die punktförmige Zugbeeinflussung. Magnete im Gleis prüfen an festen Punkten, ob der Zug bremst. Sie ist das Standardsystem in Deutschland.

Was ist LZB?

Die Linienzugbeeinflussung. Sie überträgt die Fahrerlaubnis fortlaufend über ein Kabel im Gleis. Damit sind Geschwindigkeiten über hundertsechzig möglich. ETCS löst sie nach und nach ab.

Was sind die Schilder neben den Signalen?

Zusatzschilder mit Zahlen und Symbolen. Sie zeigen erlaubte Geschwindigkeiten, den Abstand zum nächsten Signal oder Besonderheiten der Strecke. Für Fahrgäste sind sie ohne Bedeutung.

Warum stehen Züge oft auf freier Strecke?

Weil vor ihnen ein rotes Signal steht. Der Blockabschnitt davor ist noch von einem anderen Zug belegt. Sobald der ihn verlässt, springt das Signal um.

Gibt es noch Formsignale mit Flügeln?

Ja, aber nur noch auf wenigen Nebenstrecken. Ein waagerechter Flügel heißt Halt, ein schräg nach oben zeigender Fahrt. Sie verschwinden mit jedem neuen Stellwerk weiter.

Kann ein Signal ausfallen?

Ja, dann zeigt es Rot oder ist dunkel. Beides bedeutet für den Lokführer Halt. Weiterfahren darf er nur nach ausdrücklichem Befehl des Fahrdienstleiters.

Der Chefübersetzer sagt

„Die Bahn warnt einen Kilometer im Voraus vor jedem Halt.

Bei Verspätungen hält sie es dagegen mit der Überraschung.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Steht dein Zug auf freier Strecke, ist meist ein anderer Zug vor dir.

Das dauert oft nur Minuten.

2. Bremst der Zug ohne erkennbaren Grund, hat er ein Vorsignal passiert.

Das ist normaler Betrieb.

3. Signalstörung in der Durchsage heißt Handbetrieb.

Rechne dann mit deutlich längeren Wartezeiten.

Weiterfahrt

Stellwerk – Begriff 005 im Wörterbuch

Lokführer – Begriff 029

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Demnächst auf der Tafel: Blockabschnitt · ETCS · Zugsicherung

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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