Ortstermin
„Nächster Halt Bad Langensalza, Ausstieg zur Altstadt und zur Friederiken Therme, Anschluss an die Züge in Richtung Gotha und Erfurt.“
Der Bahnhof Bad Langensalza, an dem sich die Wege nach Gotha und Gräfentonna trennen
→ Ein Ortstermin im Thüringer Becken.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Der Bahnhof Bad Langensalza wurde 1870 mit der Strecke von Gotha nach Leinefelde eröffnet und ist seit 1897 ein Trennungsbahnhof, an dem die Nebenbahn nach Gräfentonna abzweigt. Die Stadt dahinter besitzt nach Erfurt und Mühlhausen die drittgrößte Altstadt Thüringens und ist als Kurort mit Schwefel- und Solequellen bekannt.
Bad Langensalza liegt im Thüringer Becken an der Salza, die etwa zwei Kilometer östlich der Stadt in die Unstrut mündet.
Bis 1956 hieß die Stadt einfach Langensalza, heute ist sie ein staatlich anerkannter Kurort mit der Bezeichnung Schwefel-Sole-Heilbad.
Wer mit dem Zug anreist, kommt im südlichen Stadtgebiet an einem Bahnhof an, an dem sich seit mehr als 125 Jahren die Strecken nach Gotha und nach Gräfentonna trennen.

Eine reiche Waidstadt
Im Juni 932 wurde das Dorf Salzaha in einer Urkunde König Heinrichs I. erstmals sicher erwähnt, auch wenn ein Ort namens Salza schon früher im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld auftaucht.
Als eine der Thüringer Waidstädte wurde Langensalza durch den Handel mit dem Färberwaid so wohlhabend, dass sich die Bürger große Kirchen und eine mächtige Stadtmauer leisten konnten.
Gebaut wurde die Mauer aus Langensalzaer Travertin, der direkt im Südwesten der Altstadt abgebaut werden konnte und bis heute am Stadtrand gewonnen wird.
Mit gut 50 Hektar ummauerter Fläche besitzt Bad Langensalza nach Erfurt und Mühlhausen die drittgrößte Altstadt Thüringens, und von ihrer Befestigung sind noch 16 Türme und das Klagetor erhalten.

Die Bahn kommt 1870
Als sich der Bau der Hannöverschen Südbahn und der Werrabahn von Eisenach nach Lichtenfels abzeichnete, wurde eine Verbindung dieser beiden Bahnen über Mühlhausen geplant.
Am Ende einigte man sich auf Gotha als Ausgangspunkt, 1868 begann der Bau, und 1870 nahm die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft den Verkehr auf der neuen Strecke auf.
Seitdem ist Langensalza an das Eisenbahnnetz angeschlossen, und die rund 67 Kilometer lange Strecke von Gotha nach Leinefelde führt mitten durch die Stadt.
Während der DDR-Zeit fuhren die Züge von Gotha entweder bis Leinefelde oder nur bis Mühlhausen, und von Erfurt aus endeten manche Züge bereits in Bad Langensalza.

Gut zu wissen
Der Bahnhof Bad Langensalza liegt an der nicht elektrifizierten Strecke Gotha–Leinefelde und an der Nebenbahn nach Gräfentonna. Direkte Regionalexpresszüge fahren von hier nach Göttingen, Kassel, Gotha, Erfurt und Glauchau.
In der Nähe des Bahnhofs liegt ein Busbahnhof. Auf der Linie RB 52 sollen nach Plänen des Thüringer Infrastrukturministeriums ab dem Fahrplanjahr 2029 Akkutriebwagen die Dieselzüge ersetzen.
Ein Trennungsbahnhof entsteht
Im November 1897 wurde die Nebenbahn von Gräfentonna nach Langensalza für den Personen- und Güterverkehr eröffnet, mit dem Haltepunkt Nägelstedt als einziger neuer Station.
Zusammen mit einem Abschnitt der älteren Strecke von Ballstädt nach Straußfurt entstand so eine neue, kürzere Verbindung zwischen den Strecken Nordhausen–Erfurt und Gotha–Leinefelde.
Seitdem ist Bad Langensalza ein Trennungsbahnhof, an dem sich die Wege nach Gotha und nach Gräfentonna teilen.
Heute fahren über die Strecke nach Gräfentonna im Wechsel Regionalexpresszüge zwischen Erfurt und Kassel-Wilhelmshöhe sowie Regionalbahnen zwischen Erfurt und Leinefelde.

Die Kleinbahn nach Kirchheilingen
Im Jahr 1911 wurde die Kleinbahn-AG Langensalza-Kirchheilingen gegründet, um die Orte zwischen der Stadt und Kirchheilingen an die Schiene anzuschließen.
Im Juli 1913 ging die 15 Kilometer lange Strecke nach Kirchheilingen in Betrieb, nachdem bis Merxleben schon seit Mai Güterzüge gefahren waren.
Die Kleinbahn erhielt gegenüber dem Staatsbahnhof einen eigenen Bahnhofsteil mit kleinem Empfangsgebäude, und der Bahnsteigtunnel der Staatsbahn wurde bis dorthin verlängert.
Dieser Bahnhofsteil trug im Lauf der Zeit viele Namen und heißt heute Langensalza Süd, während die Strecke 1969 stillgelegt wurde und nur noch bis zu einem Gleisanschluss im Stadtgebiet befahren wird.

Der Bahnhof heute
Der Bahnhof im südlichen Stadtgebiet wird heute durch ein elektronisches Stellwerk gesteuert und ist seit 2002 mit der punktförmigen Zugbeeinflussung ausgestattet.
Alle zwei Stunden hält hier der Regionalexpress RE 1, der von Göttingen über Bad Langensalza, Gotha und Erfurt bis nach Glauchau fährt.
Dazu kommen der RE 2 zwischen Kassel und Erfurt, die Regionalbahn RB 52 zwischen Erfurt und Leinefelde und die RB 53, die zwischen Bad Langensalza und Gotha pendelt.
In der Nähe des Bahnhofs liegt ein Busbahnhof, das alte Empfangsgebäude dagegen stand nach dem Stand von 2019 leer.

Die Schlacht bei Langensalza
Nach dem Wiener Kongress kam Langensalza 1815 bei der Aufteilung Sachsens als Kreisstadt zur preußischen Provinz Sachsen.
Am 27. Juni 1866 kam es im Deutschen Krieg zur Schlacht bei Langensalza, in der die Armee des Königreichs Hannover schnell zusammengezogene preußische und coburg-gothaische Truppen schlug.
Den Sieg konnten die Hannoveraner allerdings nicht nutzen, denn schon zwei Tage später kapitulierten sie vor der überlegenen preußischen Armee.
Die Kämpfe und Ereignisse dieses Jahres bilden bis heute einen Schwerpunkt im Stadtmuseum, das in den Räumen des einstigen Augustiner-Eremitenklosters am Augustinerplatz untergebracht ist.

Kurstadt mit Schwefel und Sole
Im Jahr 1811 wurden in Langensalza Schwefelquellen entdeckt, und die Heilquellen der Stadt dienen bis heute dem Kurbetrieb.
Nach der Entdeckung von Sole und Mineralwasser im Jahr 1996 entstanden unter anderem eine Kurgesellschaft, eine Rehaklinik an der Salza und im Jahr 2002 das Kurmittelhaus Friederiken Therme.
Herzstück der Therme ist die Friederiken-Quelle mit Schwefel- und Solewasser, und entlang des östlichen Stadtmauerrings erstreckt sich der Kurpark.
Ende 1997 wurde auch der Nationalpark Hainich gegründet, dessen Wälder heute bis in das Stadtgebiet von Bad Langensalza hineinreichen.

Eine Stadt der Gärten
Bad Langensalza ist bekannt für seine zehn Themengärten und Parks, zu denen unter anderem der Rosengarten und der Japanische Garten gehören.
Im Jahr 2011 wurde die Stadt beim europäischen Blumenwettbewerb Entente Florale mit Gold in der Kategorie Stadt ausgezeichnet.
Das Friederikenschlösschen wurde 1751 für die Herzoginwitwe Friederike von Sachsen-Weißenfels errichtet, und in der einstigen Kutscherremise in seinem Park kann seit 2008 die Historische Druckerei besichtigt werden.
Im Haus Rosenthal, einem der ältesten Gebäude der Stadt, ist seit Mai 2014 das Thüringer Apothekenmuseum mit einem eigenen Apothekergarten zu sehen.

Ankommen in Bad Langensalza
Vom Bahnhof im südlichen Stadtgebiet geht es nach Norden in die ummauerte Altstadt, wo das Rathaus frei in der Mitte des Neumarkts steht.
Das Rathaus wurde zwischen 1742 und 1751 ebenfalls aus Langensalzaer Travertin errichtet, und ganz in der Nähe liegt im Zentrum der Altstadt das Schloss Dryburg.
Dominierendes Bauwerk der Altstadt ist die Marktkirche, in deren Nähe am Töpfermarkt das Blücherhaus steht.
Wer danach Natur sucht, fährt hinaus in den Nationalpark Hainich, wo an der Thiemsburg ein Baumkronenpfad durch die Wipfel des Buchenwaldes führt.

Häufige Fragen
Seit wann hat Bad Langensalza einen Bahnhof?
Warum ist Bad Langensalza ein Trennungsbahnhof?
Ist die Strecke elektrifiziert?
Was war die Langensalzaer Kleinbahn?
Seit wann heißt die Stadt Bad Langensalza?
Weiterfahrt
→ Ortstermin Gotha: Bahnhof am Schloss und Tor zum Thüringer Wald – die Residenzstadt am südlichen Ende der Strecke, erreichbar mit RE 1 und RB 53
→ Ortstermin: Erfurt Hauptbahnhof – die Landeshauptstadt, direkt erreichbar mit RE 1, RE 2 und RB 52
