Standpunkt
„Der Regionalexpress nach Uelzen wartet in Wieren auf den Gegenzug, das zweite Gleis kommt voraussichtlich 2028.“
Sollte die Strecke von Stendal nach Uelzen durchgehend zweigleisig werden?
→ Ein Standpunkt zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Stendal–Uelzen zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.
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Worum es geht
Ja. Die Strecke ist Teil eines wichtigen Güterkorridors zu den Seehäfen, eine gefragte Umleitung zwischen Hamburg und Berlin und die Lebensader der Altmark. Ein durchgehend zweites Gleis macht sie leistungsfähiger und pünktlicher.
Die Bahnstrecke von Stendal nach Uelzen verbindet die Altmark in Sachsen-Anhalt mit der Lüneburger Heide in Niedersachsen.
Früher war sie zweigleisig, doch nach der deutschen Teilung wurde sie unterbrochen und abgebaut.
Nach der Wiedervereinigung wurde sie 1999 nur eingleisig wieder aufgebaut.
Nach dem Stand von 2025 soll bis 2028 wieder ein durchgehend zweites Gleis entstehen.

Ein Stück der Amerikalinie
Der Abschnitt von Stendal nach Salzwedel ging am 15. März 1870 in Betrieb.
Am 15. April 1873 folgte die Verbindung bis Uelzen als Teil einer direkten Strecke von Berlin zum Marinestützpunkt Wilhelmshaven.
Bekannt wurde diese Verbindung als Teil der sogenannten Amerikalinie.
Die Strecke war damals zweigleisig ausgebaut.

Getrennt durch die Grenze
Im Jahr 1945 wurde die Strecke an der innerdeutschen Grenze unterbrochen.
Auf westlicher Seite wurde das zweite Gleis zwischen 1946 und den 1980er Jahren in zwei Phasen entfernt.
In der DDR endete der Verkehr zwischen Salzwedel und dem grenznahen Bahnhof Bergen am 7. Oktober 1951.
Auch zwischen Stendal und Salzwedel wurde ein Gleis abgebaut, angeblich für den Bau des Berliner Außenrings.
Neubau nach der Einheit
Nach der Grenzöffnung wurde der Wiederaufbau als Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 3 beschlossen.
Die auf der alten Trasse völlig neu gebaute Strecke ging 1999 eingleisig und elektrifiziert in Betrieb.
Dabei wurden alle Neben- und Ladegleise zurückgebaut, sodass Güterverkehr vor Ort heute nicht mehr möglich ist.
Beim Neubau wurde bis auf die Lage des Gleises kaum Rücksicht auf einen späteren zweigleisigen Ausbau genommen.
Das macht den heutigen Ausbau schwieriger.
Das zweite Gleis kommt Stück für Stück
Zwischen Dezember 2012 und November 2013 entstand in Uelzen die Veerßer Kurve, über die Züge aus Stendal ohne Kreuzung auf die Strecke Richtung Hamburg einfahren können.
Ende 2014 begann der zweigleisige Ausbau zwischen Hohenwulsch und Salzwedel.
Auf rund 21 Kilometern kamen ein zweites Gleis mit Oberleitung und in Pretzier ein zweiter Bahnsteig hinzu.
Wegen Planungsfehlern an Bahnübergängen verzögerte sich die Inbetriebnahme bis Oktober 2017 und Ende 2018.
Der Ausbau kostete nach Schätzungen etwa 57 Millionen Euro.
Der Plan bis 2028
Heute ist die Strecke auf 37 Kilometern zwischen Hohenwulsch und Salzwedel zweigleisig.
Die durchgehende Zweigleisigkeit zwischen Stendal und Uelzen ist für 2028 vorgesehen.
Im selben Jahr soll die Strecke generalsaniert werden, dabei soll auch der zweigleisige Ausbau erfolgen.
Für das Stück zwischen Veerßen und Uelzen wurden nach Preisstand 2015 Kosten von 45 Millionen Euro angesetzt.
Bis 2030 soll die Strecke außerdem digitale Stellwerke und das Zugsicherungssystem ETCS bekommen.
Ein Korridor für Güter und Umleitungen
Die Strecke ist Teil eines neuen Ostkorridors für den Verkehr von und zu den Seehäfen.
Sie gehört zum europäischen Kernnetzkorridor von Skandinavien bis zum Mittelmeer.
Bei Störungen auf der Strecke Hamburg–Berlin über Wittenberge werden Züge häufig über Uelzen und Stendal umgeleitet.
Im November und Dezember 2022 diente sie auch als Umleitung für die gesperrte Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin.
Bis Ende 2014 fuhr hier sogar ein Eurocity von Hamburg über Berlin bis nach Krakau.
Mehr Züge für die Altmark
Seit Dezember 2023 fährt der Regionalexpress RE 20 werktags stündlich und hält zwischen Stendal und Uelzen an allen Stationen.
Am Wochenende ergänzt ein schneller RE 19 mit wenigen Halten das Angebot zu einem Stundentakt.
Frühere Zählungen ergaben rund 1200 Fahrgäste pro Tag im Regionalexpress und an Wochenenden rund 1400.
Wenig genutzte Halte wie Meßdorf wurden im Zuge des Ausbaus aufgegeben.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Warum die Bahn für das ganze Land zählt
Die Bahn bringt Tag für Tag sehr viele Menschen sicher ans Ziel.
Sie verbindet große Städte mit kleinen Dörfern und hält so das Land zusammen.
Bei Wind und Wetter fährt sie, wenn andere Verkehrsmittel längst stehen.
Ein gut gefüllter Zug ersetzt viele Autos und entlastet damit die Straßen.
Zugleich schont die Schiene die Umwelt, weil sie je Reisenden wenig Energie braucht.
So ist die Bahn weit mehr als ein Verkehrsmittel, sie ist ein Stück Daseinsvorsorge.
Pro und Contra
Dafür
+ Ein durchgehend zweites Gleis macht die Strecke für Güterzüge zu den Seehäfen deutlich leistungsfähiger.
+ Als Umleitung für Hamburg–Berlin und Hannover–Berlin braucht die Strecke Reserven.
+ Zugkreuzungen auf eingleisigen Abschnitten kosten Zeit und machen den Fahrplan anfällig.
+ Der Stundentakt in der Altmark wird mit zwei Gleisen stabiler.
+ Die Strecke ist bereits elektrifiziert, das zweite Gleis ergänzt vorhandene Technik.
+ Mit der Generalsanierung 2028 lassen sich Bauarbeiten bündeln.
Dagegen
− Schon der erste Ausbauabschnitt verzögerte sich durch Planungsfehler.
− Beim Neubau in den 1990er Jahren wurde ein späteres zweites Gleis kaum berücksichtigt, was den Ausbau verteuert.
− Mit rund 1200 Fahrgästen am Tag im Regionalexpress ist der Personenverkehr eher klein.
− Bauarbeiten und Generalsanierung bedeuten lange Sperrungen für die Region.
− Kleine Halte wurden im Zuge des Ausbaus geschlossen.
− Das Geld könnte auch an stärker belasteten Engpässen im Netz gebraucht werden.
Unterm Strich
Die Strecke Stendal–Uelzen trägt bis heute die Narben der deutschen Teilung.
Als Güterkorridor und Umleitung ist sie wichtiger, als ihre Fahrgastzahlen vermuten lassen.
Das durchgehend zweite Gleis ist deshalb eine sinnvolle Investition in das ganze Netz.
Wenn der Zeitplan 2028 hält, muss in Wieren niemand mehr auf den Gegenzug warten.
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