Stimmt es, dass …?
„Bitte beachten Sie: Der Strom in der Oberleitung schwingt langsamer als der Strom in Ihrer Wohnung.“
Stimmt es, dass Bahnstrom mit einer anderen Frequenz fließt als der Haushaltsstrom?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt: Das deutsche Bahnstromnetz arbeitet mit 16,7 Hertz, während aus der heimischen Steckdose Strom mit 50 Hertz kommt. Auch die Spannung im Fahrdraht ist mit 15 000 Volt viel höher als zu Hause.
Wer an einem Bahndamm steht, sieht die Oberleitung und denkt vielleicht an ganz normalen Strom.
Tatsächlich fließt in dieser Leitung ein Strom, der anders schwingt als der in der Wohnung.
Ob die Bahn wirklich eine eigene Frequenz nutzt, klärt dieser Beitrag Schritt für Schritt.

Die Fakten in Zahlen
16,7 Hz
DB · ÖBB · SBB
Frequenz im Bahnstromnetz
50 Hz
Steckdose
Frequenz im Haushaltsnetz
15 kV
Fahrdraht
Nennspannung der Oberleitung
Die Bahnfrequenz lag ursprünglich bei genau einem Drittel der 50 Hertz des öffentlichen Netzes.
Der Mythos vom besonderen Bahnstrom
Viele Menschen halten Strom für Strom und vermuten, dass die Bahn einfach das gleiche Netz nutzt wie jeder Haushalt.
Der Fahrdraht über den Gleisen sieht schließlich aus wie eine besonders kräftige Stromleitung.
Hinter der Oberleitung steckt jedoch ein eigenes System mit eigener Frequenz und sehr hoher Spannung.
Der Mythos hat damit einen wahren Kern, greift aber deutlich zu kurz.
Es lohnt sich, einmal genauer hinzusehen, was dort eigentlich fließt.

Warum die Bahn eine eigene Frequenz gewählt hat
Die ersten leistungsfähigen Elektroloks wurden mit sogenannten Reihenschlussmotoren angetrieben.
Diese Motoren liefen mit der üblichen Netzfrequenz von 50 Hertz nur schlecht, weil an ihren Kontakten starke Funken entstanden.
Mit einer deutlich niedrigeren Frequenz ließ sich dieses Funkenproblem in den Griff bekommen.
Darum entschied man sich früh für einen langsamer schwingenden Wechselstrom eigens für die Schiene.
Diese Wahl aus der Anfangszeit wirkt bis heute nach.
Gut zu wissen
Die Frequenz eines Wechselstroms gibt an, wie oft er pro Sekunde die Richtung wechselt, gemessen in Hertz.
Neben der niedrigen Frequenz nutzt die Bahn auch eine viel höhere Spannung als der Haushalt, um große Leistungen über weite Strecken zu übertragen.
16,7 Hertz statt 50 Hertz
Der Bahnstrom in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte zunächst eine Frequenz von genau einem Drittel der Netzfrequenz.
Ein Drittel von 50 Hertz ergibt rund 16,7 Hertz, und dieser Wert prägt das Bahnnetz bis heute.
Später wurde die Frequenz leicht angepasst, um die Belastung der Kraftwerke gleichmäßiger zu verteilen.
Aus der Steckdose zu Hause kommt dagegen unverändert Wechselstrom mit 50 Hertz.
Schon an dieser Zahl zeigt sich, dass Bahnstrom und Haushaltsstrom nicht dasselbe sind.
Ein Netz nur für die Schiene
Damit die Loks ihren besonderen Strom bekommen, betreibt die Bahn ein eigenes Versorgungsnetz.
Eigene Kraftwerke sowie Umformer und Umrichter erzeugen oder wandeln den Strom auf die passende Frequenz.
Über eigene Bahnstromleitungen gelangt die Energie zu den Unterwerken entlang der Strecke.
Von dort wird sie in die Oberleitung eingespeist, an der die Züge sich bedienen.
So bleibt die Versorgung der Schiene weitgehend getrennt vom allgemeinen Netz.
Wie der Strom in die Lokomotive kommt
Der Stromabnehmer auf dem Dach schleift an der Oberleitung und nimmt dort die hohe Fahrdrahtspannung ab.
Diese Spannung von 15 000 Volt wäre für die Motoren viel zu hoch und wird im Fahrzeug erst heruntergesetzt.
Ein großer Transformator im Zug macht aus dem Fahrdrahtstrom eine nutzbare Spannung.
Erst danach treiben elektrische Motoren die Räder an.
Der Weg des Stroms führt also über mehrere Stufen, ehe sich ein Rad dreht.
Nicht in jedem Land dasselbe System
Die niedrige Frequenz von 16,7 Hertz ist vor allem im deutschsprachigen Raum und in Skandinavien verbreitet.
In anderen Ländern fahren Züge zum Teil mit Wechselstrom in der normalen Netzfrequenz oder mit Gleichstrom.
Auch in Deutschland gibt es Ausnahmen, denn manche Nahverkehrsbahnen arbeiten mit Gleichstrom.
Ein weltweit einheitliches System für Bahnstrom gibt es damit nicht.
Grenzüberschreitende Züge müssen deshalb oft mit mehreren Stromarten zurechtkommen.
Ein Erbe aus der Frühzeit der Elektrifizierung
Nach der Einführung der Eisenbahn in Deutschland im Jahr 1835 dauerte es Jahrzehnte bis zu den ersten Elektroloks.
Um 1912 setzte sich im damaligen Deutschen Reich der einphasige Wechselstrom für die Bahn durch.
Die einmal gewählte Frequenz blieb erhalten, weil ein späterer Wechsel das gesamte Netz betroffen hätte.
So fährt die Bahn bis heute mit einer Technik, deren Wurzeln über hundert Jahre zurückreichen.
Manche Entscheidung der Pionierzeit prägt den Betrieb also bis in die Gegenwart.
Was der besondere Strom im Alltag bedeutet
Für Fahrgäste bleibt die Frequenz unsichtbar, denn Licht und Steckdosen im Zug funktionieren wie gewohnt.
Die eigene Versorgung macht die Bahn ein Stück weit unabhängig von Schwankungen im öffentlichen Netz.
Zugleich braucht dieses System eigene Anlagen, die gewartet und immer wieder erneuert werden müssen.
Fällt ein Unterwerk aus, kann das den Betrieb auf einer ganzen Strecke stören.
Der besondere Strom ist damit ein stiller, aber wichtiger Teil des Bahnbetriebs.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn Bahnstrom fließt in Deutschland tatsächlich mit einer anderen Frequenz als der Haushaltsstrom.
Statt der üblichen 50 Hertz sind es im Bahnnetz nur rund 16,7 Hertz bei einer Fahrdrahtspannung von 15 000 Volt.
Der Grund liegt in der Technik der ersten Elektroloks und in einer Entscheidung aus der Frühzeit der Elektrifizierung.
Wer das nächste Mal eine Oberleitung sieht, weiß nun, dass dort ein ganz eigener Takt schwingt.
Aus einem einfachen Draht wird so ein kleines Stück Technikgeschichte.
Der Zug als umweltfreundliche Wahl
Wer mit dem Zug fährt, entscheidet sich fast immer für die grünere Variante.
Die Schiene führt viele Menschen gleichzeitig mit wenig Energie ans Ziel.
Sie braucht weniger Fläche als eine Autobahn und zerschneidet die Landschaft weniger.
Auch in der Stadt hält die Bahn die Luft sauberer und die Straßen freier.
Jeder Umstieg vom Auto in den Zug ist ein Gewinn für die Umwelt.
So verbindet die Bahn das Reisen mit einem guten Gewissen.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
