Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 029
„Wir warten noch auf einen Triebfahrzeugführer“
Lokführer
→ Übersetzt: Allein vorn. Mit sehr viel Verantwortung.
Lesezeit: 5 Minuten · Zug & Technik
Die 30-Sekunden-Antwort
Der Lokführer heißt offiziell Triebfahrzeugführer.
Er lenkt den Zug nicht, sondern regelt Geschwindigkeit und Bremsen.
Den Weg legt der Fahrdienstleiter fest.
Die Ausbildung dauert mehrere Jahre und gilt nur für bestimmte Fahrzeuge und Strecken.
Im Führerstand sitzt er meistens allein.
Ein Lokführer ist der einsamste Chauffeur der Welt: hunderte Menschen im Rücken, und doch fährt er ganz allein.
Als Kind wollten viele Lokführer werden.
Der Beruf hat etwas Magisches.
Die Realität ist nüchterner.
Und anspruchsvoller, als die meisten ahnen.
Denn im Führerstand gibt es kein Lenkrad.
Es gibt auch keine zweite Person zum Reden.
Dafür gibt es ein Gerät, das alle 30 Sekunden nach ihm fragt.
Was es tut, wenn keine Antwort kommt, klären wir gleich.

Was macht er eigentlich?
Er gibt Fahrstrom und er bremst.
Das ist im Kern seine Aufgabe.
Das klingt nach wenig.
Es ist bei 400 Tonnen Gewicht eine Kunst für sich.
Ein guter Lokführer bremst so, dass niemand im Zug sein Getränk verliert.
Und er hält zentimetergenau am richtigen Punkt.
Das muss sitzen.
Sonst passt die Wagenreihung am Bahnsteig nicht mehr.
Die Richtung kann er nicht beeinflussen.
Dafür sorgen Weichen und der Fahrdienstleiter.
Seine eigentliche Arbeit ist das Vorausdenken.
Er muss jedes Signal kennen, bevor er es sieht.
Dazu kommt die Streckenkenntnis.
Er weiß auswendig, wo es bergauf geht und wo eine Langsamfahrstelle liegt.
Deshalb darf er nicht überall fahren.
Ohne Streckenkenntnis geht es nicht.
Dasselbe gilt für die Fahrzeuge.
Jede Baureihe braucht eine eigene Einweisung.
Genau deshalb kann bei Ausfällen niemand einfach einspringen.
Ein Lokführer ohne Streckenkenntnis darf nicht fahren.
Das wirkt starr und ist eine Sicherheitsregel.
Wer die Strecke nicht kennt, übersieht im Zweifel ein Signal.
Wie der Arbeitsalltag wirklich aussieht, zeigt dieses Video.
Es begleitet den Beruf ohne Verklärung.
Video: „Traumberuf Lokführer?“ von der SWR Landesschau Rheinland-Pfalz.
Das Gerät, das nachfragt
Jetzt die Auflösung vom Anfang.
Ein Lokführer sitzt allein vorn.
Was passiert, wenn ihm etwas zustößt?
Dafür gibt es die Sicherheitsfahrschaltung.
Im Betrieb heißt sie kurz Sifa.
Er muss dauerhaft ein Pedal treten und in kurzen Abständen kurz loslassen.
Das bestätigt: Ich bin wach.
Bleibt die Bestätigung aus, warnt das Gerät erst optisch und dann akustisch.
Kommt weiter nichts, bremst der Zug automatisch.
Ein bewusstloser Mensch kann so keinen Zug ins Verderben fahren.
Diese Technik gibt es seit Jahrzehnten.
Sie ist nicht die einzige Sicherung.
Ein zweites System überwacht zusätzlich jedes rote Signal.
Der Alltag im Führerstand
Vor jeder Fahrt steht die Bremsprobe.
Erst wenn sie stimmt, darf der Zug überhaupt los.
Während der Fahrt ist Reden verboten.
Ablenkung ist bei diesem Tempo gefährlich.
Auch das Handy bleibt aus.
Es gibt dafür ein eigenes Funkgerät zur Leitstelle.
Dazu kommt ein belastender Teil des Berufs.
Viele erleben irgendwann einen Unfall im Gleis.
Dafür gibt es psychologische Betreuung und feste Abläufe.
Es gehört zur traurigen Realität dieser Arbeit.
Wie wird man Lokführer?
Der Weg nach vorn
Ausbildung oder Quereinstieg
Klassisch dauert die Ausbildung drei Jahre. Für Quereinsteiger gibt es kürzere Programme mit Prüfung.
Medizinischer Test
Sehen, Hören und Reaktion werden geprüft. Auch Farbsehen ist Pflicht, weil Signale Farben nutzen.
Schichtdienst
Gefahren wird rund um die Uhr. Wochenenden und Feiertage gehören dazu.
Der Beruf ist gesucht.
In den nächsten Jahren gehen viele in Rente.
Deshalb werben alle Bahnunternehmen um Nachwuchs.
Auch Quereinsteiger mit ganz anderen Berufen sind willkommen.
Genau daran hängt ein Teil der heutigen Probleme.
Fehlt Personal, fallen Züge aus.
Was du in diesem Fall tun kannst, steht hier: Zugausfall.
„Wir warten noch auf das Personal.“
→ Der Zug ist da. Es fehlt nur der Mensch, der ihn fahren darf.
Streckenkenntnis
Ein Lokführer darf nur Strecken befahren, die er kennt.
Diese Kenntnis muss regelmäßig aufgefrischt werden.
Deshalb kann bei Umleitungen ein Lotse nötig sein.
Ohne ihn bleibt der Zug stehen, obwohl der Weg frei wäre.
Wie man den Beruf lernt
Der Weg dauert etwa drei Jahre in der klassischen Ausbildung.
Für Quereinsteiger gibt es einen kürzeren Weg.
Er dauert rund ein Jahr in Vollzeit.
Am Anfang steht viel Theorie.
Bremsphysik, Signale, Vorschriften.
Danach folgt die Praxis auf echten Zügen.
Am Ende steht eine Prüfung vor einer Behörde.
Und danach ist noch nicht Schluss.
Denn für jede Fahrzeugbaureihe braucht es eine eigene Zulassung.
Und für jede Strecke die Streckenkenntnis.
Beides muss regelmäßig aufgefrischt werden.
Wie der Arbeitstag eines Lokführers aussieht
Er beginnt nicht mit dem Einsteigen, sondern mit der Vorbereitung.
Der Lokführer meldet sich an, holt seine Aufträge und prüft Baustellen und Langsamfahrstellen auf seiner Strecke.
Dann folgt die Bremsprobe.
Erst wenn sie passt, darf der Zug fahren.
Unterwegs ist er allein im Führerstand.
Er beobachtet Signale, bedient die Sifa und spricht bei Störungen über Funk.
Ein Dienst dauert oft zehn Stunden und endet manchmal Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt.
Dann kommt eine Übernachtung im Hotel dazu.
Warum Streckenkenntnis so wichtig ist
Ein Lokführer darf nicht einfach jede Strecke fahren.
Er braucht für jeden Abschnitt eine gültige Streckenkenntnis.
Dazu gehören Signale, Steigungen, Bahnsteiglagen und Gefahrenstellen.
Erworben wird sie durch Mitfahrten.
Aufgefrischt werden muss sie regelmäßig.
Wer eine Strecke lange nicht gefahren ist, verliert die Berechtigung dafür.
Genau deshalb kann bei einer Umleitung nicht jeder Zug jeden Umweg nehmen.
Manchmal fehlt schlicht ein Lokführer mit der passenden Kenntnis.
Alle Fragen zum Thema
Wie wird man Lokführer?
Über eine dreijährige Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst oder über eine verkürzte Umschulung für Quereinsteiger. Die Umschulung dauert etwa ein Jahr. Voraussetzung ist eine bestandene Tauglichkeitsuntersuchung.
Was ist die Sifa?
Die Sicherheitsfahrschaltung. Sie prüft in kurzen Abständen, ob der Lokführer noch reagiert. Bleibt die Bestätigung aus, bremst der Zug automatisch bis zum Stillstand.
Sitzt immer nur einer im Führerstand?
Im Regelbetrieb ja. Ein zweiter Mensch kommt bei Ausbildungsfahrten oder Prüfungen dazu. Genau deshalb sind Sifa und Zugsicherung so wichtig.
Was verdient ein Lokführer?
Der Einstieg liegt im mittleren Bereich, mit Zulagen für Schicht, Nacht und Sonntag deutlich darüber. Die Beträge regeln die Tarifverträge. Sie waren in den letzten Jahren mehrfach Gegenstand von Streiks.
Wie lange dauert eine Schicht?
Sie kann bis zu zehn Stunden dauern, in Ausnahmen etwas länger. Zwischen zwei Schichten steht eine gesetzlich festgelegte Ruhezeit. Nachtschichten und Wochenenddienste sind normal.
Darf ein Lokführer im Zug essen und trinken?
Trinken ja, das ist üblich und wichtig. Für eine richtige Pause braucht es einen planmäßigen Aufenthalt. Auf langen Fahrten ist die Pause im Dienstplan vorgesehen.
Kann ein Zug ohne Lokführer fahren?
Auf abgeschlossenen Systemen wie einigen U-Bahnen ja. Im offenen Bahnnetz nicht. Dort gibt es Bahnübergänge, Menschen im Gleis und ungeplante Situationen.
Wie reagiert ein Lokführer bei einem Notfall?
Er leitet eine Schnellbremsung ein und setzt einen Notruf über Zugfunk ab. Damit werden alle Züge im Umfeld gestoppt. Danach informiert er den Fahrdienstleiter über die Lage.
Warum fehlen so viele Lokführer?
Weil viele in den nächsten Jahren in Rente gehen und die Ausbildung Zeit braucht. Dazu kommen Schichtdienst und lange Abwesenheit von zu Hause. Deshalb werben alle Bahnunternehmen gleichzeitig um Nachwuchs.
Der Chefübersetzer sagt
„Er fährt 900 Menschen durch die Nacht und tritt dabei alle halbe Minute ein Pedal.
Ich schaffe es nicht einmal, meinen Wecker zweimal zu bestätigen.“
Das heißt für dich am Gleis
1. Fehlendes Personal ist ein häufiger Ausfallgrund.
Er berechtigt zu Entschädigung.
2. Klopf nie an den Führerstand.
Der Lokführer darf während der Fahrt nicht abgelenkt werden.
3. Bei ruckartigem Bremsen keine Panik.
Meist reagiert die Technik schneller als der Mensch.
Weiterfahrt
→ Fahrdienstleiter – Begriff 026 im Wörterbuch
→ Signale – Begriff 018
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Demnächst auf der Tafel: Zugbegleiter · Führerstand · Bremsprobe
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