Deutsche Reichsbahn

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 248

„Bis 1994 gab es in Deutschland zwei getrennte Staatsbahnen.“

Deutsche Reichsbahn

→ Übersetzt: Vierzig Jahre lang fuhren zwei Bahnen mit einem gemeinsamen Erbe.

Lesezeit: 9 Minuten · Das System Bahn

Die 30-Sekunden-Antwort

Die Deutsche Reichsbahn war bis 1993 die Staatsbahn der DDR und später Ostdeutschlands. Sie behielt diesen Namen aus rechtlichen Gründen bei, obwohl er aus der Zeit vor 1945 stammte. Im Westen existierte parallel die Deutsche Bundesbahn. Erst 1994 wurden beide zur heutigen Deutschen Bahn AG zusammengeführt.

Vierzig Jahre lang gab es in Deutschland zwei Staatsbahnen.

Im Westen fuhr die Deutsche Bundesbahn.

Im Osten die Deutsche Reichsbahn.

Dieser Name irritiert bis heute viele Menschen.

Er klingt nach einer weit zurückliegenden Epoche.

Tatsächlich gab es ihn bis in die neunziger Jahre.

Dahinter steckte ein handfester juristischer Grund.

Eine historische Bahnszene mit einer alten Dampflokomotive an einem Bahnsteig
Ein Name aus der Vorkriegszeit, der bis 1993 weiterlebte. Symbolbild, mit KI erstellt.

Warum der alte Name blieb

Nach dem Krieg wurde Deutschland in Zonen geteilt.

Der Betrieb in Berlin war dabei besonders komplex.

Bestimmte Rechte in Westberlin hingen am Namen Reichsbahn.

Eine Umbenennung hätte diese Rechte gefährdet.

Deshalb behielt die DDR den historischen Namen bei.

So betrieb die Reichsbahn sogar die Westberliner S-Bahn.

Eine Bahn der DDR fuhr also mitten durch Westberlin.

Wie sich beide Bahnen unterschieden

Die Bundesbahn modernisierte früh und umfangreich.

Sie elektrifizierte große Teile ihres Netzes.

Die Reichsbahn setzte deutlich länger auf Dampfloks.

Devisenmangel bremste dort viele Investitionen.

Dafür blieb ihr Streckennetz dichter erhalten.

Im Westen wurden viele Nebenstrecken früh stillgelegt.

Beide Systeme entwickelten sich also gegenläufig.

Zwei Bahnen im Vergleich

BUNDESBAHN Westdeutschland

Frühe Modernisierung und Elektrifizierung, dafür viele Streckenstilllegungen.

REICHSBAHN DDR

Länger Dampfbetrieb und weniger Investitionen, dafür dichteres Netz erhalten.

DER NAME juristisch bedingt

Er sicherte Rechte im Berliner Verkehr und blieb deshalb bis 1993 bestehen.

FUSION 1994 die Bahnreform

Beide Bahnen wurden zur Deutschen Bahn AG zusammengeführt.

Die Reichsbahn betrieb bis in die achtziger Jahre die S-Bahn in Westberlin.

Was die Wiedervereinigung bedeutete

Nach 1990 mussten zwei sehr verschiedene Systeme zusammenwachsen.

Technik, Tarife und Organisation unterschieden sich erheblich.

Auch der Zustand der Infrastruktur war sehr ungleich.

Im Osten bestand ein enormer Sanierungsbedarf.

Gleichzeitig war das Netz dort dichter als im Westen.

Beide Erbschaften prägen die Bahn bis heute.

Warum danach viel stillgelegt wurde

Nach der Wende brach der Verkehr im Osten stark ein.

Viele Menschen kauften erstmals ein eigenes Auto.

Auch Industriebetriebe schlossen in großer Zahl.

Dadurch verloren viele Strecken ihre Grundlage.

In den folgenden Jahren wurden tausende Kilometer stillgelegt.

Manche davon werden heute wieder reaktiviert.

Video: „Lok-Legenden aus der DDR: Wie Ingenieure die Bahn revolutionierten“ vom Kanal MDR DOK.

„Bis 1994 gab es in Deutschland zwei getrennte Staatsbahnen.“

→ Übersetzt: Eine Teilung, deren Spuren im Netz bis heute sichtbar sind.

Was vom Erbe heute noch sichtbar ist

Im Osten stehen bis heute viele alte Formsignale.

Auch mechanische Stellwerke haben dort länger überlebt.

Gleichzeitig gibt es dort sehr moderne Neubaustrecken.

Nach der Wende flossen große Summen in den Ausbau.

Manche Ost-Strecken sind heute besser als westdeutsche.

Diese Ungleichzeitigkeit prägt das Netz bis heute.

Warum das für heutige Debatten wichtig ist

Der Investitionsstau hat historische Wurzeln.

Beide Bahnen hinterließen unterschiedliche Probleme.

Die Bahnreform sollte diese Lasten gemeinsam bewältigen.

Vollständig gelungen ist das bis heute nicht.

Wer die Geschichte kennt, versteht manche Debatte besser.

Vieles von heute wurzelt in Entscheidungen von damals.

Die Trennung im Berliner Verkehr

Besonders kurios war die Lage in Berlin.

Die S-Bahn im Westteil gehörte der Reichsbahn.

Viele Westberliner boykottierten sie deshalb jahrelang.

Die Fahrgastzahlen brachen dort massiv ein.

Erst 1984 übernahmen die Westberliner Verkehrsbetriebe den Betrieb.

Bis dahin fuhren dort halb leere Züge durch die Stadt.

Ein Stück Kalter Krieg mitten im Nahverkehr.

Wie die Zusammenführung ablief

1994 entstand aus beiden Bahnen eine Aktiengesellschaft.

Der Bund blieb dabei alleiniger Eigentümer.

Gleichzeitig übernahm er die Altschulden beider Bahnen.

Ohne diesen Schritt wäre das Unternehmen nicht lebensfähig gewesen.

Auch der Verkehr wurde für Wettbewerber geöffnet.

Diese Reform prägt die Struktur bis heute.

Fast alles, was heute diskutiert wird, hat hier seinen Ursprung.

Was von der Reichsbahn geblieben ist

Viele Strecken im Osten tragen bis heute ihre Handschrift.

Auch mancher Bahnhof sieht noch so aus wie damals.

Wer genau hinschaut, findet die Spuren überall.

Der Name selbst verschwand erst 1994 endgültig.

Bis dahin fuhren zwei Bahnen in einem Land nebeneinander her.

Warum der Name Reichsbahn im Osten blieb

Es klingt paradox und hat einen sehr praktischen Grund.

Nach dem Krieg regelte ein alliiertes Abkommen den Bahnbetrieb in Berlin.

Die Betriebsrechte in ganz Berlin lagen bei der Deutschen Reichsbahn.

Hätte die DDR den Namen geändert, wären diese Rechte in Gefahr gewesen.

Deshalb blieb der alte Name bis 1993 bestehen. Auch die S-Bahn in West-Berlin wurde bis 1984 von der Reichsbahn betrieben.

Ihre Spuren im heutigen Netz

Ihre Spuren sind im Osten bis heute sichtbar.

Viele Strecken tragen ihre Handschrift in Streckenführung und Bauwerken.

Das Hl-Signalsystem stammt von ihr und steht bis heute im Netz.

Auch Bahnhofsgebäude und Stellwerke aus ihrer Zeit sind noch in Betrieb.

Und mancher Fahrplan folgt bis heute den Linien, die sie eingerichtet hat.

Alle Fragen zum Thema

Was war die Deutsche Reichsbahn?

Die Staatsbahn der DDR und zuvor des Deutschen Reichs. Nach 1949 blieb der Name im Osten bestehen. Im Westen entstand die Deutsche Bundesbahn.

Warum behielt die DDR den Namen?

Wegen der Betriebsrechte in Berlin, die an den Namen gebunden waren. Eine Umbenennung hätte sie gefährdet. Deshalb blieb er bis 1993.

Wann endete sie?

1994 mit der Bahnreform. Reichsbahn und Bundesbahn wurden zur Deutschen Bahn AG vereinigt. Damit fuhren zum ersten Mal seit 1945 wieder alle Züge unter einem Dach.

War sie technisch rückständig?

In Teilen ja, in anderen erstaunlich fortschrittlich. Der Fahrzeugpark war überaltert, die Elektrifizierung schritt spät voran. Gleichzeitig hatte sie einen sehr hohen Güterverkehrsanteil.

Was war der Städteexpress?

Ein Netz schneller Verbindungen zwischen den Bezirksstädten und Berlin. Er war das Prestigeprodukt der Reichsbahn. Reservierung war Pflicht.

Warum fuhr sie so lange mit Dampf?

Weil Kohle im Land verfügbar war und Devisen für Diesel fehlten. Erst nach der Ölkrise wurde die Elektrifizierung beschleunigt. Reguläre Dampflokeinsätze gab es bis in die achtziger Jahre.

Was ist das Hl-Signalsystem?

Ein von der Reichsbahn entwickeltes Lichtsignalsystem. Es fasst mehr Informationen in einem Signal zusammen als das westdeutsche System. Es steht bis heute im Netz.

Fuhr sie auch in West-Berlin?

Ja, sie betrieb die S-Bahn in West-Berlin bis 1984. Danach übernahm die BVG. Das war eine Folge der Berliner Betriebsrechte.

Was ist von ihr geblieben?

Strecken, Bauwerke, Stellwerke und das Hl-Signalsystem. Auch viele Bahnhofsgebäude im Osten stammen aus ihrer Zeit. Wer genau hinschaut, findet die Spuren überall.

Der Chefübersetzer sagt

„Die Deutsche Reichsbahn ist der beste Beweis dafür, dass Bahngeschichte immer auch politische Geschichte ist. Ein Name aus der Vorkriegszeit überlebte vier Jahrzehnte, weil er in Berlin juristisch wertvoll war.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Ordne alte Formsignale im Osten als Erbe der Reichsbahn ein.

2. Verstehe den heutigen Investitionsstau auch aus dieser doppelten Geschichte.

3. Beachte, dass beide Bahnen gegensätzliche Stärken und Schwächen hatten.

4. Erkläre dir Streckenstilllegungen nach 1990 aus dem Einbruch der Nachfrage.

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Investitionsstau – Begriff 194 im Wörterbuch

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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