POETRY-SLAMMERIN-PORTRÄT
Mieze Medusa: Wie eine Rapperin ganz Österreich das Slammen beibrachte

Kennst du diese eine Sorte Mensch, die beim Wort „Gedicht“ sofort an verstaubte Schulbücher denkt?
Nennen wir ihn Tobias.
Tobias fand Lyrik ungefähr so spannend wie einen verspäteten Regionalzug am grauen Sonntagmorgen.
Eines Abends stand er gelangweilt in einer Wiener Bahnhofshalle und wartete auf seinen Anschluss.
Aus einem Nebenraum drang plötzlich ein Rhythmus, halb gesprochen und halb gerappt.
Neugierig ging Tobias ein paar Schritte näher heran.
Er stellte seinen Kaffeebecher ab und vergaß für einen Moment sogar seinen Zug.
Auf der Bühne stand eine Frau, die Worte wie Beats aneinanderreihte.
Sie rappte, sie erzählte, und sie brachte den ganzen Saal zum Toben.
Was er da hörte, passte in keine einzige seiner Schubladen.
Diese Frau nennt sich Mieze Medusa.
Und an genau diesem Abend begriff Tobias, dass Poesie alles andere als verstaubt ist.

Wer ist das eigentlich, Mieze Medusa?
Hinter dem Bühnennamen Mieze Medusa steckt die Autorin Doris Mitterbacher.
Geboren wurde sie 1975 im deutschen Schwetzingen.
Vor Wien lebte sie unter anderem in Innsbruck und sogar eine Zeit lang in London.
Ihre Sprache hat also von Anfang an viele verschiedene Orte in sich aufgesaugt.
Heute lebt und arbeitet sie in Wien, ihrer Wahlheimat.
Sie ist Autorin, Poetry-Slammerin und Rapperin in einer einzigen Person.
Seit rund 2002 steht sie als Spoken-Word-Künstlerin auf der Bühne.
Sie gilt als eine der Pionierinnen des Poetry Slam in Österreich.
Das heißt, sie war nicht nur dabei, als die Szene entstand, sie hat sie mit aufgebaut.
Klapp auf: Ist Mieze Medusa wirklich ihr echter Name?
Nein, hinter dem Bühnennamen steckt die Autorin Doris Mitterbacher, die 1975 in Schwetzingen geboren wurde.
Ihr Debütroman „Freischnorcheln“ erschien 2008.
Seitdem hat sie mehrere Romane veröffentlicht, zuletzt 2025 beim renommierten Residenz Verlag.
Zu ihren Büchern zählen außerdem Titel wie „Mia Messer“ und „Du bist dran“.
Gemeinsam mit dem Slammer Markus Köhle schrieb sie sogar ein ganzes Buch über die Geschichte des Poetry Slam.
2002 gewann sie den FM4-Wortlaut-Wettbewerb, einen wichtigen Literaturpreis des österreichischen Radiosenders.
2007 gewann sie zusammen mit anderen Musikern zusätzlich den FM4-Protestsongcontest.
2023 wurde sie sogar die erste Stadtschreiberin der Stadt Bad Ischl.
2025 folgte dann das Amt der Stadtschreiberin von Wels.
Sie schreibt nebenbei auch Kolumnen für österreichische Magazine.
Sie ist damit weit mehr als eine Bühnenkünstlerin, sie ist eine feste Größe der österreichischen Literatur.
Was macht sie so besonders?
Sie hat eine ganze Szene mit aufgebaut
Eine gute Künstlerin zu sein ist das eine.
Einer ganzen Kunstform ein Zuhause zu bauen ist etwas völlig anderes.
Eine lebendige Slam-Szene entsteht nämlich nicht von ganz allein.
Es braucht Menschen, die jeden Monat aufs Neue einen Raum mieten, eine Anlage aufbauen und Gäste einladen.
Genau diese oft undankbare Arbeit hat Mieze Medusa über viele Jahre auf sich genommen.
Seit 2004 organisiert und moderiert sie Poetry-Slam-Formate in ganz Österreich.
Ihr Wiener Slam „textstrom“ gilt als der am längsten laufende Poetry Slam der Stadt.
Sie richtete außerdem Slams in Graz, in Theatern, in Museen und in Kulturhäusern aus.
Wo andere nur auftreten wollen, hat sie ganze Bühnen erst möglich gemacht.
Klapp auf: Wie lange gibt es ihren Wiener Slam schon?
Sehr lange, ihr Format „textstrom“ gilt als der am längsten laufende Poetry Slam in ganz Wien.
Sie bringt den Rap mitten in die Poesie
Mieze Medusa hat den Poetry Slam nie als reine Lesung verstanden.
Sie kommt vom Rap, und das hört man in jeder einzelnen Zeile.
Rap lebt vom Takt, von der Betonung und von der puren Lust an der Sprache.
Genau diese Zutaten bringt sie auf jede Slam-Bühne mit.
Zusammen mit dem Produzenten tenderboy bildet sie ein eigenes Rap-Duo.
Ihre gemeinsamen Alben tragen Titel wie „Antarktis“, „Tauwetter“ und „Wir kennen Wege“.
Mit der Rapperin Yasmo gründete sie außerdem das Team „MYLF“.
So klingt selbst ein ruhiger Text bei ihr niemals langweilig.
Bei ihr verschmelzen Reim, Rhythmus und Erzählung zu einer einzigen Sprache.

Sie kann einfach jede Bühne
Die meisten Menschen suchen sich eine Schublade und bleiben brav darin.
Mieze Medusa hat einfach alle Schubladen auf einmal aufgezogen.
Sie schreibt Romane, sie slammt, sie rappt und sie moderiert.
Sie schreibt Kolumnen über Popkultur und über feministische Themen.
Als Stadtschreiberin erzählt sie sogar ganze Städte in Worten neu.
Viele Menschen haben große Angst, sich zu verzetteln.
Sie hat aus dieser vermeintlichen Gefahr ihre größte Stärke gemacht.
Alles, was sie tut, zahlt am Ende auf dieselbe Sache ein, nämlich auf die Liebe zur Sprache.
Klapp auf: Macht Mieze Medusa nur Poetry Slam?
Ganz und gar nicht, denn sie steht als Rapperin genauso auf der Bühne wie als Slammerin, Moderatorin und Romanautorin.
Sie bleibt seit über zwanzig Jahren dran
Ein einziger guter Abend ist schnell wieder vergessen.
Ein ganzes Vierteljahrhundert auf der Bühne dagegen ist eine echte Ansage.
Seit den frühen 2000er-Jahren steht Mieze Medusa Abend für Abend im Rampenlicht.
Sie hat Trends kommen und wieder gehen sehen und ist einfach geblieben.
Andere Künstler verschwinden nach ein paar Jahren wieder von der Bildfläche.
Sie ist geblieben und dabei bis heute neugierig geblieben.
Genau diese Ausdauer hat sie zu einer der wichtigsten Stimmen des Landes gemacht.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenWarum ausgerechnet Österreich?
Lange galt der Poetry Slam vor allem als eine deutsche Angelegenheit.
Mieze Medusa hat gezeigt, dass auch Österreich eine eigene und starke Slam-Kultur hat.
Sie hat der Szene südlich der Grenze ein Gesicht und eine Stimme gegeben.
Dafür brauchte es keine großen Fördersummen, sondern vor allem Mut und Ausdauer.
Und genau dieser Mut macht sie bis heute zum Vorbild für viele junge Slammerinnen.
Sie macht anderen Frauen auf der Bühne Mut
Der Rap und der Poetry Slam waren lange sehr männlich geprägte Welten.
Mieze Medusa hat sich davon nie einschüchtern lassen.
Sie steht seit über zwanzig Jahren als selbstbewusste Frau am Mikrofon.
In ihren Kolumnen schreibt sie außerdem über feministische Themen und über Popkultur.
Mit ihrem Team MYLF zeigt sie zusammen mit der Rapperin Yasmo, dass weibliche Stimmen jede große Bühne verdienen.
Sie beweist Abend für Abend, dass Schlagfertigkeit kein Geschlecht kennt.
Viele junge Slammerinnen nennen sie heute ausdrücklich als ihr großes Vorbild.
Sie liebt die Sprache in all ihren Formen
Für Mieze Medusa ist Sprache kein Werkzeug, das man nur im Deutschunterricht braucht.
Sprache ist für sie Spielplatz, Werkstatt und Bühne zugleich.
Sie dreht Wörter um, sie stapelt sie und sie lässt sie tanzen.
Genau diese Freude an der Sprache springt bei ihren Auftritten sofort auf das Publikum über.
Sie zeigt dir, wie viel Musik in ganz normalen Sätzen steckt.
Man muss nur genau genug hinhören.
So macht sie aus einfachen Zuhörern selbst kleine Wortkünstler.
Und wer ihr einmal zugehört hat, sieht die eigene Muttersprache danach mit ganz anderen Augen.
Der Beweis: schau sie dir selbst an
Ich könnte dir jetzt lange erklären, wie sich Rap und Slam bei ihr verbinden.
Aber Rhythmus muss man hören, man kann ihn nicht einfach lesen.
Nimm dir für jedes Video wirklich einen Moment und hör ganz genau hin.
Deshalb kommen hier drei Videos aus offiziellen und autorisierten Kanälen, dazu ein kleiner Beobachtungsauftrag.
Achte im ersten Video darauf, wie stark sie mit Rhythmus und Tempo arbeitet.
Du hörst den Rap deutlich heraus, auch wenn gar keine Musik dazu läuft.
Im Interview hörst du, wie klug sie über Sprache und über die ganze Slam-Szene nachdenkt.
Achte darauf, wie selbstverständlich sie zwischen Ernst und Humor hin und her springt.
Im dritten Video siehst du, wie sie ihre Bühnenkunst sogar in eine Bibliothek trägt.
Beobachte, wie sie einen ruhigen Raum in wenigen Minuten in eine Bühne verwandelt.
Zusammen zeigen dir die drei Videos die Rapperin, die Denkerin und die Bühnengastgeberin in einer Person.
Beobachtungsauftrag
Klopf beim ersten Video einmal leise mit dem Finger auf den Tisch und versuche, ihren Sprech-Rhythmus mitzuschlagen, so als wäre ihre Stimme ein Schlagzeug.
Was du daraus lernst
Du musst weder rappen noch in Wien wohnen, um dir hier eine ganze Menge mitzunehmen.
Der Weg von Mieze Medusa steckt voller Lektionen für jeden, der mit Sprache wirklich etwas bewegen will.
Ich habe sie dir in ein paar klare Sätze gepackt.
- Misch die Dinge, die angeblich nicht zusammenpassen. Rap und Lyrik galten lange als Gegensätze, und genau aus dieser Mischung hat sie ihren eigenen Sound gemacht.
- Bau mit, statt nur mitzumachen. Wer eine Szene mit aufbaut, prägt sie für Jahrzehnte und wird dabei selbst unverzichtbar.
- Bleib nicht in einer einzigen Schublade. Roman, Rap, Slam und Moderation dürfen alle zu dir gehören, wenn du es nur zulässt.
- Rhythmus ist die halbe Miete. Ob im Text oder im Gespräch, wer den richtigen Takt trifft, hält die Menschen ganz von allein bei der Stange.
- Dranbleiben ist die stärkste Superkraft. Über zwanzig Jahre auf der Bühne schlagen jeden kurzen Hype um Längen.
Merke dir am Ende vor allem eines.
Sprache muss nicht leise und feierlich sein, um wichtig zu sein.
Sie darf laut sein, sie darf grooven, und sie darf dich sogar zum Tanzen bringen.
Mieze Medusa hat einem ganzen Land vorgemacht, wie das geht.
Und deshalb steht heute kein Tobias mehr gelangweilt in der Bahnhofshalle, wenn nebenan ein Slam beginnt.
Diese Sätze klingen einfach, und genau deshalb funktionieren sie so gut.
Deine kleine Übung
Nimm einen ganz normalen Satz über deinen Arbeitsweg und sprich ihn dreimal laut, jedes Mal in einem anderen Rhythmus, bis du merkst, welcher Takt ihn am lebendigsten macht.
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Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenUnd wenn du das nächste Mal in einer großen Bahnhofshalle stehst, dann lausche einmal ganz genau.
Vielleicht steckt im Rattern der Züge schon der erste Beat für dein eigenes Gedicht.
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