Poetry Slam & Gesellschaft
Über Social Media schreiben

Social Media bestimmt heute einen großen Teil unseres Lebens.
Wir vergleichen, wir scrollen, wir warten auf das nächste Herzchen.
Darüber zu schreiben trifft fast jeden im Saal mitten ins Leben.
Denn kaum jemand hat ein entspanntes Verhältnis zu seinem Handy.
Ein guter Text spricht aus, was wir alle heimlich fühlen, während wir wischen.
In diesem Text zeige ich dir, wie du über Social Media schreibst, klug und ohne Kulturpessimismus.
Warum Social Media ein dankbares Thema ist
Jeder im Publikum kennt das Gefühl.
Das kurze Glück beim Like, die Leere danach.
Den Vergleich mit Leben, die scheinbar perfekter sind.
Dieses Thema ist so nah, dass es sofort zündet.
Du musst nichts erklären, jeder erkennt sich wieder.
Das macht Social Media zu einem der dankbarsten Themen überhaupt.
Du musst nur ehrlich hinschauen.
Das perfekte Leben ist inszeniert
Der Kern des Themas ist ein Widerspruch.
Online sehen alle Leben makellos aus.
Dabei ist jedes dieser Bilder sorgfältig ausgewählt und bearbeitet.
Hinter dem perfekten Foto steckt oft ein ganz normaler, chaotischer Tag.
Zeig in deinem Text genau diese Lücke zwischen Schein und Sein.
Das zehnte Selfie, bis das Lächeln sitzt.
So entlarvst du die perfekte Fassade, ganz ohne Predigt.
Der Vergleich, der nie aufhört
Früher verglich man sich mit den Nachbarn.
Heute vergleicht man sich mit der ganzen Welt, rund um die Uhr.
Und man verliert diesen Vergleich fast immer.
Denn man sieht die Höhepunkte der anderen gegen den eigenen Alltag.
Zeig in deinem Text diesen unfairen, endlosen Wettlauf.
Das Gefühl, immer ein bisschen zu wenig zu sein.
Fast jeder im Saal kennt genau dieses Ziehen.
Schreib über das echte Leben hinter dem Feed
Der stärkste Kontrast ist das echte Leben neben dem Handy.
Das kalt gewordene Essen, während man das Foto davon bearbeitet.
Der Sonnenuntergang, den man nur durch den Bildschirm sieht.
Das Gegenüber, das auch nur auf sein Handy schaut.
Zeig diese Momente, in denen das echte Leben am Rand wartet.
Sie sind traurig, komisch und wahr zugleich.
Und sie treffen jeden, der ehrlich ist.
Likes und der Hunger nach Bestätigung
Jedes Herzchen gibt einen winzigen Kick.
Und jeder Kick macht ein bisschen hungriger auf den nächsten.
Dieser Mechanismus ist kein Zufall, sondern Absicht.
Zeig den Moment, in dem man heimlich nachschaut, wie viele es schon sind.
Und die Enttäuschung, wenn es weniger sind als erhofft.
Dieser Hunger nach Bestätigung ist zutiefst menschlich.
Mach ihn sichtbar, ohne dich darüber zu erheben.
Die Einsamkeit im Dauer-Verbundensein
Wir waren nie so vernetzt und selten so einsam.
Hunderte Freunde online und niemand zum Reden am Abend.
Dieser Widerspruch ist ein starkes, trauriges Thema.
Zeig den Menschen, der in einem vollen Feed ganz allein ist.
Der Likes sammelt und sich trotzdem ungesehen fühlt.
Echte Nähe lässt sich eben nicht liken.
Diese Lücke zwischen Kontakt und Verbindung berührt tief.
Doomscrolling und die Nacht
Es gibt diesen Moment spät in der Nacht.
Man wollte nur kurz schauen und scrollt seit einer Stunde.
Immer schlechtere Nachrichten, immer weniger Schlaf.
Zeig dieses stumme Leuchten des Bildschirms im Dunkeln.
Den Daumen, der von selbst weiterwischt.
Dieses nächtliche Doomscrolling kennen heute unzählige Menschen.
Es ist ein modernes, sehr konkretes Bild für innere Unruhe.
Der Bahnhof: alle allein beisammen
Schau dich an einem Bahnsteig einmal um.
Dutzende Menschen stehen dicht beieinander.
Und fast jeder starrt auf sein eigenes kleines Leuchten.
Keiner spricht, keiner schaut auf, jeder ist woanders.
Dieses Bild von lauter einsamen Inseln ist pures Material.
Der volle Bahnsteig, auf dem alle allein sind.
Nutze ihn, er zeigt das Thema auf einen Blick.
Wenn der Feed dich runterzieht
Wenn das ständige Vergleichen dich unglücklich macht, ist eine Pause keine Schwäche, sondern Selbstfürsorge; leg das Handy öfter weg, entfolge, was dir nicht guttut, und bei ernster Belastung hört die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 zu.

Nicht nur schimpfen: auch die schönen Seiten
Ein reiner Anti-Handy-Text wird schnell langweilig.
Denn so einfach ist es nicht.
Social Media verbindet auch Menschen über große Entfernungen.
Es gibt Gemeinschaften, Trost, Lachen, echte Begegnungen.
Zeig ruhig auch diese guten Seiten.
Das macht deinen Text ehrlich statt besserwisserisch.
Das Leben ist selten nur schwarz oder weiß.
Authentizität als Gegenmittel
Das stärkste Gegengift gegen die Fassade ist Ehrlichkeit.
Zeig in deinem Text dein eigenes unperfektes Leben.
Den schlechten Tag, das ungemachte Bett, das echte Gesicht.
Gerade das Ungeschönte berührt die Menschen.
Denn alle sehnen sich nach etwas Echtem im Strom der Filter.
Deine Ehrlichkeit ist auf der Bühne eine kleine Rebellion.
Und sie gibt dem Saal die Erlaubnis, auch unperfekt zu sein.
Konkrete Szenen statt Kulturkritik
Der häufigste Fehler ist die große Kulturkritik.
„Die Jugend von heute“ und „das böse Internet“ ermüden sofort.
Nimm stattdessen eine kleine, konkrete Szene.
Den Moment, in dem du dich beim Vergleichen ertappst.
Das Zögern, bevor du ein ehrliches Foto postest.
Solche Szenen sind nah und wahr.
Sie treffen mehr als jede allgemeine Klage über die Technik.
Ein Beispiel, konkret erzählt
Ich zeig dir, wie wenig es braucht.
„Ich postete ein Foto von meinem Frühstück am Meer.“
„Dreißig Herzchen, und für einen Moment fühlte ich mich großartig.“
„Dann sah ich auf, und das echte Meer lag immer noch da.“
„Grau, laut und viel schöner als auf jedem Bild.“
„Ich steckte das Handy weg und schaute einfach, bis mir kalt wurde.“
Ein Foto, dreißig Herzchen, ein echtes Meer, und schon ist alles da.
So erzählst du über Social Media, ohne zu schimpfen.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDeine Übung für diese Woche
Ein Tag ohne
Verbring einen halben Tag ohne dein Handy und schreib auf, was du dabei bemerkst, vermisst und wiederfindest; aus diesen kleinen Beobachtungen wird der Kern deines Textes.
Zuerst spürst du vielleicht die Unruhe, die greifende Hand.
Dann bemerkst du Dinge, die du lange übersehen hast.
Gesichter, Geräusche, Langeweile, die plötzlich wieder Ideen macht.
Genau diese Beobachtungen sind Gold für deinen Text.
So trägst du einen Social-Media-Text vor
Sprich schnell und wischend, wo es um das Scrollen geht.
Werde langsam und ruhig, wo das echte Leben beginnt.
Dieser Wechsel im Tempo spiegelt das Thema.
Mach eine Pause, wenn du das Handy im Text weglegst.
Schau in dieser Pause ins Publikum, nicht auf ein Gerät.
Dieser echte Blickkontakt ist das Gegenteil des Feeds.
Und genau darin liegt die Pointe deines Textes.
Wenn das Handy dich wirklich runterzieht
Für manche ist Social Media mehr als eine Gewohnheit.
Es kann das Selbstwertgefühl ernsthaft angreifen.
Dann ist eine echte Pause oder Hilfe kein Luxus, sondern wichtig.
Du bist mehr als dein Profil
Wenn das Vergleichen dich dauerhaft unglücklich oder unruhig macht, gönn dir echte Pausen und sprich darüber; entfolge, was dir schadet, und bei ernster Belastung ist die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111) rund um die Uhr für dich da.
Drei Fehler, die du vermeiden solltest
Diese drei Dinge schwächen jeden Social-Media-Text.
- Die große Kulturkritik, denn „alles war früher besser“ ermüdet sofort.
- Nur schimpfen, denn das Netz hat auch echte gute Seiten.
- Dich über die anderen erheben, denn du scrollst ja selbst mit.
Lass das weg, und dein Text wird ehrlich und nah.
Du bist nicht deine Zahlen
Ein wichtiger Satz für den Text und fürs Leben.
Dein Wert hängt nicht an Followern, Likes und Kommentaren.
Diese Zahlen sagen nichts über den Menschen, der du bist.
Dein Text darf das ruhig deutlich aussprechen.
Er nimmt vielen im Saal einen stillen, täglichen Druck ab.
Du bist mehr als eine Statistik in einer App.
Und das zu hören tut heute mehr Menschen gut denn je.
Was dein Text bewirken kann
Ein ehrlicher Social-Media-Text schafft einen kurzen Moment der Klarheit.
Für ein paar Minuten schauen alle auf, statt nach unten.
Vielleicht legt danach jemand das Handy bewusster weg.
Vielleicht postet jemand zum ersten Mal etwas Echtes.
Das ist eine schöne Wirkung für ein paar Minuten.
Du gibst dem Saal ein Stück Gegenwart zurück.
Und Gegenwart ist das, was der Feed uns am meisten nimmt.
Zurück ins echte Leben
Am Ende handelt dieses Thema von der Rückkehr ins echte Leben.
Vom Aufschauen, vom Hinschauen, vom wirklich Dasein.
Zeig diesen Moment, in dem jemand den Blick vom Bildschirm hebt.
Und plötzlich die Welt in all ihrer unperfekten Schönheit sieht.
Dieser Blick nach oben ist ein hoffnungsvolles Ende.
Er sagt, das Leben findet hier statt, nicht im Feed.
Und das ist eine Botschaft, die der Saal mit nach Hause nimmt.
Beispiele für deinen Text über Social Media
Ein guter Text über Social Media lächelt über uns alle, ohne von oben herab zu sein.
Diese Zeilen treffen den wunden Punkt.
- Ich habe dreihundert Freunde und niemanden zum Umzug.
- Mein Online-Ich ist viel besser gelaunt als das echte.
- Ich fotografiere mein Essen, bevor ich merke, ob es mir schmeckt.
- Wir sitzen im selben Zug und reisen doch jeder durch ein anderes Display.
- Das Like ist das kleinste Lächeln der Welt und manchmal das einzige des Tages.
Jede Zeile ist witzig und trifft trotzdem einen wahren Kern.
So hält dein Text dem Publikum liebevoll den Spiegel vor.
Beispiel Schritt für Schritt
Stell dein echtes und dein gepostetes Leben nebeneinander: Auf dem Foto lache ich am sonnigen Bahnsteig. Zwei Sekunden später verpasse ich schimpfend den Zug. Der Kontrast ist die Pointe.
Dein Filter ab
Wähle ein gepostetes Foto von dir. Schreib daneben, was zwei Sekunden vorher oder nachher wirklich passierte. Die Lücke ist dein Text.
Hacks & Profi-Tipps für deinen Text über Social Media
So bleibt der Text wach statt weltfremd.
- Zeig das echte Leben hinter dem Filter.
- Nutze den Kontrast von Feed und Wirklichkeit.
- Vermeide Kulturpessimismus, bleib konkret.
- Ein Detail wie das zehnte Selfie für das eine entlarvt alles.
- Nutze Humor statt Moralpredigt.
- Zeig auch das Schöne am Vernetztsein.
- Mach das Like zu einer kleinen Figur.
- Ende mit dem Blick nach oben, weg vom Display.
Ein Social-Media-Text trifft, wenn er mit Humor entlarvt statt zu schimpfen.
Der Blick weg vom Display ist seine Pointe.
Häufige Fragen zum Schreiben über Social Media
Wie vermeide ich, dass es wie Kulturkritik klingt?
Über kleine Szenen. Zeig einen konkreten eigenen Moment statt großer Thesen über die Jugend oder das Internet.
Darf ich auch die guten Seiten zeigen?
Unbedingt. Ein ehrlicher Text sieht beides, Nähe und Einsamkeit, das macht ihn glaubwürdig.
Soll ich mich über die Nutzer lustig machen?
Nur über dich selbst. Du scrollst ja mit, also schreib von innen statt von oben herab.
Worum geht es im Kern?
Um echte Gegenwart. Hinter dem Thema steht die Sehnsucht, wirklich da zu sein statt nur online.
Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp
- Neue Slam-Texte zuerst
- Gedanken vom Gleis
- Keine E-Mail, kein Spam
Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.
Jetzt Kanal folgenDein nächster Schritt
Über Social Media zu schreiben heißt, den Blick für einen Moment vom Bildschirm zu heben.
Du zeigst dem Saal die Lücke zwischen Schein und echtem Leben.
Das ist nah, ehrlich und oft auch komisch.
Leg heute einen halben Tag das Handy weg und beobachte, was zurückkommt.
Schreib die erste kleine Beobachtung auf, und dein Text beginnt.
Die Angst, etwas zu verpassen
Es gibt ein sehr modernes Gefühl, das viele kennen.
Die Angst, dass gerade woanders etwas Besseres passiert.
Man schaut nach, um nichts zu verpassen, und verpasst dabei den eigenen Moment.
Zeig diese leise Unruhe in deinem Text.
Den schnellen Blick aufs Handy mitten im schönsten Gespräch.
So fängst du ein zutiefst heutiges Gefühl ein.
Und fast jeder im Saal ertappt sich dabei.
