Ortstermin
„Ein Hauptbahnhof, an dem kaum noch ein Fernzug hält – dafür Kunst und Straßenbahn.“
Ortstermin: Kassel Hauptbahnhof
→ Vom großen Fernbahnhof zum KulturBahnhof: ein Bahnhof mit ungewöhnlichem zweiten Leben.
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Kurz gesagt
Der Kasseler Hauptbahnhof war einst der große Fernbahnhof der documenta-Stadt. Seit der ICE in Kassel-Wilhelmshöhe hält, hat er sich gewandelt: Heute ist er „KulturBahnhof“ mit Kunst, Kultur und der RegioTram – ein Bahnhof mit ungewöhnlichem zweiten Leben.
Der Kasseler Hauptbahnhof ist ein ungewöhnlicher Fall. Einst war er der große Fernbahnhof der Stadt. Doch als die Schnellfahrstrecke gebaut wurde, verlagerte sich der Fernverkehr an einen anderen Bahnhof – und der alte Hauptbahnhof musste sich neu erfinden.

Als der ICE weiterzog
Mit der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg bekam Kassel einen neuen Fernbahnhof: Kassel-Wilhelmshöhe. Er liegt günstiger an der schnellen Trasse, und so hält der ICE heute dort statt am alten Hauptbahnhof.
Für den Hauptbahnhof bedeutete das einen tiefen Einschnitt. Der große Fernverkehr blieb aus, die weite Bahnsteighalle drohte zu verwaisen. Doch statt zu verfallen, bekam der Bau eine neue Aufgabe.


Der KulturBahnhof
Aus dem alten Empfangsgebäude wurde der „KulturBahnhof“. Hier finden sich heute Kultureinrichtungen, Gastronomie und Ausstellungsflächen. Zur documenta, der weltberühmten Kunstschau, spielt der Bahnhof eine besondere Rolle als Ort der Kunst.

So wurde aus dem Verkehrsbau ein Kulturort, ohne dass die Bahn ganz verschwand. Die Verbindung von Bahnhof und Kunst ist typisch für Kassel, die Stadt der documenta – hier ist die Kunst überall präsent.

Die RegioTram
Verkehrlich lebt der Bahnhof weiter – vor allem dank der RegioTram. Diese besonderen Zwei-System-Fahrzeuge fahren wie eine Straßenbahn durch die Innenstadt und wie ein Zug übers Bahnnetz. Am Hauptbahnhof verknüpfen sich beide Welten.

Für die Fahrgäste ist das komfortabel: Die RegioTram bringt sie ohne Umsteigen von der Region bis mitten in die Stadt. Der Hauptbahnhof ist so ein wichtiger Knoten des Nahverkehrs geblieben, auch ohne Fernzüge.


Ein Bahnhof mit zwei Leben
Der Kasseler Hauptbahnhof zeigt, dass ein Bahnhof nicht sterben muss, wenn der große Verkehr weiterzieht. Er hat sich gewandelt – vom Fernbahnhof zum Kultur- und Nahverkehrsknoten – und dabei seine markante Bausubstanz bewahrt.


So ist er ein seltenes Beispiel für einen Bahnhof mit zwei Leben: einst Drehscheibe des Fernverkehrs, heute Ort der Kunst und Heimat der RegioTram. Ein Besuch lohnt sich – gerade weil er anders ist als die üblichen Hauptbahnhöfe.
Die Stadt der documenta
Kassel ist weltweit bekannt für die documenta, die wohl wichtigste Ausstellung für zeitgenössische Kunst. Alle fünf Jahre verwandelt sie die Stadt in einen einzigen großen Kunstraum, der Besucher aus aller Welt anzieht.
Dass ausgerechnet der alte Hauptbahnhof zum KulturBahnhof wurde, passt deshalb perfekt. Kunst und Bahnhof gehen hier eine Verbindung ein, die es so kaum ein zweites Mal gibt – der Verkehrsbau als Bühne der Kultur.
Warum die Stadt zwei Bahnhöfe hat
Der Grund für den Wandel liegt in der Geografie der Schnellfahrstrecke. Die neue Trasse zwischen Hannover und Würzburg ließ sich besser am Stadtrand führen, wo Kassel-Wilhelmshöhe entstand. Für den ICE ist dieser Bahnhof der schnellere Halt.
Der alte Hauptbahnhof lag dagegen abseits der schnellen Trasse. So kam es zu der ungewöhnlichen Situation, dass die Stadt ihren „Hauptbahnhof“ behielt, der große Fernverkehr aber woanders hält.
Die RegioTram als Modell
Besonders spannend ist die RegioTram. Diese Fahrzeuge sind Zwei-System-Fahrzeuge: In der Stadt fahren sie wie eine Straßenbahn, im Umland wie ein Zug auf dem Eisenbahnnetz. So entfällt für viele Fahrgäste das Umsteigen.
Kassel gilt mit diesem Konzept als Vorreiter. Die Idee, Stadt- und Regionalverkehr in einem Fahrzeug zu verbinden, wurde hier früh umgesetzt und weltweit beachtet. Der Hauptbahnhof ist einer der Dreh- und Angelpunkte dieses Systems.
So ist der Kasseler Hauptbahnhof heute ein Ort voller Ideen: Kunst unter dem alten Hallendach, moderne Zwei-System-Bahnen auf den Gleisen – und der Beweis, dass ein Bahnhof sich neu erfinden kann, wenn der große Fernverkehr weiterzieht.
Wer heute durch den Kasseler Hauptbahnhof geht, spürt diese Doppelnatur sofort. Über den Gleisen die weite alte Halle, ringsum Kunst und Kultur, und auf den Schienen die modernen RegioTram-Fahrzeuge – ein Bahnhof, der Vergangenheit und Gegenwart mühelos verbindet.
Für die Kasseler ist ihr KulturBahnhof längst ein vertrauter Treffpunkt geworden. Man kommt her, nicht nur um zu reisen, sondern auch um Kunst zu sehen, etwas zu essen oder einfach die besondere Atmosphäre zu genießen.
Damit ist Kassel ein Vorbild dafür, wie man mit einem Bahnhof umgehen kann, den der große Verkehr verlassen hat: nicht abreißen, sondern neu denken – und ihm so ein zweites, lebendiges Leben schenken.
Kassel Hauptbahnhof in Kürze
Einst großer Fernbahnhof; der ICE hält heute in Kassel-Wilhelmshöhe.
Das Empfangsgebäude ist heute „KulturBahnhof“ mit Kunst, Kultur und Gastronomie.
Wichtiger Knoten der RegioTram, die als Zwei-System-Fahrzeug Stadt und Region verbindet.
Weiterfahrt
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