Bahn-Slam · Ortstermin
„Sehr geehrte Fahrgäste, rechts die Loreley, links der Rhein – und über Ihnen rauscht der nächste Güterzug.“
Am Mittelrhein: zwei Ufer, zwei Gleise, ein Welterbe
→ Durchs schönste Tal Deutschlands fährt die Bahn auf beiden Seiten – Tag und Nacht.
Lesezeit: 8 Minuten · Ortstermin · Mittelrhein
Kurz gesagt
Durch das Obere Mittelrheintal, seit 2002 UNESCO-Welterbe, fahren auf beiden Rheinufern Bahnstrecken – zusammen über 400 Züge am Tag. Viele davon sind schwere Güterzüge, auch nachts. Am Loreleyfelsen verschwindet die Schiene sogar im Tunnel. Ein Ortstermin zwischen Postkartenidylle und Bahnlärm.

Es gibt Bahnstrecken, die fahren durch Industriegebiete. Und es gibt solche, die fahren durchs Welterbe.
Zwischen Bingen und Koblenz, auf rund 65 Kilometern, windet sich der Rhein durch ein enges Tal voller Burgen, Weinberge und Felsen. Seit 2002 gehört das Obere Mittelrheintal zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Mittendurch: die Bahn. Und zwar gleich doppelt – auf beiden Ufern.
Zwei Strecken, ein Tal
Am linken Rheinufer verläuft die linke Rheinstrecke, am rechten die rechte Rheinstrecke. Beide verbinden den Norden mit dem Süden Deutschlands.
Sie sind Teil eines der wichtigsten Güterkorridore Europas, der von den Nordseehäfen bis nach Italien reicht. Entsprechend viel ist hier los.
Zusammen rollen über die beiden Uferstrecken im Schnitt mehr als 400 Personen- und Güterzüge pro Tag – durch ein Tal, das eigentlich für seine Ruhe und Schönheit berühmt ist.

Der Loreley-Tunnel
Der berühmteste Punkt des Tals ist der Loreleyfelsen bei Sankt Goarshausen, auf dem rechten Ufer.
Hier kann die Bahn nicht am Fuß des Felsens entlang – sie muss hindurch. Der alte Loreley-Tunnel ist 368 Meter lang.
Als die Strecke Anfang der 1960er Jahre elektrifiziert wurde, passte die Oberleitung nicht mehr in die alte Röhre. Also bohrte man eine zweite, den neuen Loreley-Tunnel mit 418 Metern. So fahren die Züge heute direkt unter der Sagenfigur hindurch.

Mittelrhein in Zahlen
400+
Züge pro Tag
beide Uferstrecken zusammen
100+
Güterzüge nachts
rechtes Ufer, 22–6 Uhr (werktags)
seit 2002
UNESCO-Welterbe
Oberes Mittelrheintal
~65 km
Tallänge
Bingen bis Koblenz
Quellen: Wikipedia (Linke/Rechte Rheinstrecke), internationales-verkehrswesen.de, UNESCO.
Der Loreley-Tunnel misst 368 Meter, der neue daneben 418 Meter.
Das Problem mit dem Lärm
So schön das Tal ist, so laut ist die Bahn darin. Besonders nachts.
Auf dem rechten Ufer fahren werktags in der Nacht zwischen 22 und 6 Uhr mehr als hundert Güterzüge – dicht an den Orten vorbei, eingeklemmt zwischen Fels und Fluss. Die Anwohner kämpfen seit Jahren gegen den Lärm.
Die Bahn hat mit Lärmschutzwänden und leiseren Bremsen reagiert. Ganz verschwinden wird der Güterverkehr aber nicht – dafür ist die Strecke für Europa zu wichtig.

Häufige Fragen zum Mittelrhein
Warum fährt die Bahn auf beiden Rheinseiten?
Fahren dort auch Personenzüge?
Geht die Bahn wirklich durch die Loreley?
Was wird gegen den Bahnlärm getan?
Weiterfahrt
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