Mehr Güter auf die Schiene – mit Zwang?

Standpunkt

„Immer mehr Container rollen über die Schiene – aber reicht das freiwillig?“

Mehr Güter auf die Schiene – mit Zwang?

→ Sollte der Staat die Wirtschaft zum 25-Prozent-Ziel drängen? Zwei Seiten der Frage.

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Worum es geht

Mehr Güter auf der Schiene entlasten Straßen und Klima – doch Zwang stößt schnell an Grenzen. Ein Blick auf beide Seiten.

Lastwagen verstopfen die Autobahnen und belasten das Klima.

Die Bahn könnte einen großen Teil dieser Güter übernehmen.

Deshalb hat der Bund ein Ziel ausgegeben: Ein Viertel des Güterverkehrs soll auf der Schiene laufen.

Doch von diesem Ziel ist man weit entfernt.

Manche fordern deshalb, die Wirtschaft stärker zu drängen oder gar zu zwingen.

Andere warnen, dass Zwang mehr schadet als nützt.

Zwei Intercitys im Emder Hauptbahnhof
Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum die Schiene besser wäre

Ein Güterzug ersetzt Dutzende Lastwagen und verbraucht dabei viel weniger Energie.

Jede Tonne, die auf der Schiene statt auf der Straße fährt, spart Abgase, Lärm und Staus.

Gerade beim Klimaschutz ist das ein starkes Argument.

Wenn der Güterverkehr wächst und trotzdem sauberer werden soll, führt kaum ein Weg an der Schiene vorbei.

Warum Zwang schwierig ist

Doch die Wirtschaft lässt sich nicht einfach kommandieren.

Ob ein Gut per Bahn oder Lkw reist, hängt von vielen Dingen ab: der Strecke, der Menge, der Geschwindigkeit und dem Preis.

Für viele kurze Wege und kleine Mengen ist der Lkw schlicht praktischer.

Ein Zwang zur Schiene würde hier an der Wirklichkeit scheitern und die Unternehmen belasten, ohne dem Klima wirklich zu helfen.

Warum das Ziel so schwer zu erreichen ist

Seit Jahren liegt der Anteil der Schiene am Güterverkehr bei knapp einem Fünftel.

Das Ziel von 25 Prozent klingt nah, ist aber zäh.

Der Güterverkehr insgesamt wächst, und ein großer Teil davon passt schlecht zur Bahn.

Denn die Schiene ist stark bei großen Mengen über lange Strecken.

Der Lkw punktet bei kleinen Sendungen, kurzen Wegen und der Lieferung bis vor die Tür.

Diese Stärken lassen sich nicht einfach verschieben.

Das Problem der letzten Meile

Kaum ein Gut startet oder endet direkt am Gleis.

Fast immer ist ein Lkw für den ersten oder letzten Abschnitt nötig.

Dieses Umladen kostet Zeit und Geld und macht die Bahn für kurze Strecken unattraktiv.

Deshalb lohnt sich die Schiene vor allem, wenn die Strecke lang genug ist, damit sich der Aufwand rechnet.

Für den Verkehr um die Ecke bleibt der Lkw meist die bessere Wahl.

Warum Anreize besser wirken

Zwang stößt schnell an Grenzen.

Man kann ein Unternehmen kaum verpflichten, ein Gut über die Schiene zu schicken, wenn das teurer oder langsamer ist.

Es würde nur die Kosten erhöhen, ohne dem Klima zu nützen.

Anreize wirken besser.

Ein zuverlässiges Netz, faire Trassenpreise und schnelle Terminals machen die Bahn von allein attraktiv.

Dann wählen die Unternehmen sie freiwillig.

Was die Straße wirklich kostet

Ein wichtiger Punkt ist Fairness.

Der Lkw zahlt heute nicht die vollen Kosten, die er verursacht – etwa für Lärm, Abgase und den Verschleiß der Straßen.

Würde er das, wäre die Bahn oft konkurrenzfähiger.

Hier könnte die Politik ansetzen, ohne echten Zwang: Wenn beide Verkehrsträger ihre wahren Kosten tragen, verschiebt sich das Gleichgewicht ganz von selbst zugunsten der Schiene.

Ellok der Baureihe 250
Foto: Falk2, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Ein Blick in die Schweiz

Die Schweiz zeigt, dass viel möglich ist.

Dort läuft ein weit größerer Teil des Güterverkehrs über die Schiene, vor allem quer durch die Alpen.

Erreicht wurde das mit klugen Regeln und guten Angeboten.

Ganz ohne Steuerung ging es dort allerdings nicht.

Eine Mischung aus Anreizen und gezielten Vorgaben lenkte den Verkehr auf die Schiene – ein Modell, von dem Deutschland lernen kann.

Was am Ende zählt

Mehr Güter auf die Schiene sind ein richtiges Ziel.

Sie entlasten Straßen und Klima und sind zentral für die Verkehrswende.

Doch der Weg führt über eine starke, attraktive Bahn, nicht über plumpen Zwang.

Wer die Schiene zuverlässig und fair macht, gewinnt die Güter von allein.

Ein Wort zum Schluss

Der Streit ums 25-Prozent-Ziel ist im Kern ein Streit über den richtigen Weg, nicht über das Ziel.

Dass mehr Güter auf die Schiene gehören, bestreitet kaum jemand.

Entscheidend ist, die Bahn so gut zu machen, dass die Wirtschaft sie freiwillig wählt.

Dann erreicht man das Ziel schneller als mit jeder Vorschrift.

Die Abwägung

Dafür

+  Klima: Die Schiene fährt deutlich sauberer als der Lkw.

+  Entlastung: Weniger Lastwagen bedeuten weniger Stau und Lärm.

+  Ziel: Ohne klaren Druck bewegt sich der Anteil kaum.

+  Fairness: Auch die Straße müsste ihre wahren Kosten tragen.

Dagegen

−  Praxis: Für kurze Wege ist der Lkw oft unverzichtbar.

−  Grenzen: Die Schiene hat nicht überall freie Kapazität.

−  Zwang: Vorschriften belasten die Wirtschaft und wirken selten.

−  Anreiz besser: Gute Angebote überzeugen mehr als Zwang.

Zum Einordnen

Der Anteil der Schiene am Güterverkehr liegt seit Jahren bei knapp einem Fünftel. Das Ziel von 25 Prozent ist ehrgeizig. Erreichen will man es vor allem durch bessere Angebote und ein leistungsfähigeres Netz, weniger durch echten Zwang.

Unser Standpunkt

Mehr Güter auf die Schiene zu bringen, ist richtig und wichtig.

Es entlastet Straßen und Klima und ist ein zentraler Baustein der Verkehrswende.

Doch harter Zwang ist der falsche Weg.

Er würde die Wirtschaft gegen die Bahn aufbringen und dort Verkehr erzwingen, wo die Schiene gar nicht die bessere Lösung ist.

Der klügere Weg führt über Anreize: ein zuverlässiges Netz, faire Preise und schnelle Abläufe.

Wenn die Bahn attraktiv genug ist, kommen die Güter von allein – ganz ohne Zwang.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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