Ortstermin: Bahnhof Tübingen

Ortstermin

„Nächster Halt: Tübingen. Ein Bahnhof, der seit über 160 Jahren fast unverändert dasteht.“

Ortstermin: Bahnhof Tübingen

→ Ein Rundbogen-Bahnhof von 1862, wie es ihn kaum noch gibt. Besuch am Neckar.

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Kurz gesagt

Der Tübinger Hauptbahnhof ist ein seltenes Stück: Sein Empfangsgebäude von 1862 steht im historistischen Rundbogenstil – davon sind in Deutschland nur noch wenige erhalten. Tübingen bekam damals vergleichsweise spät Anschluss ans Bahnnetz und ist bis heute ein wichtiger Regionalknoten.

Tübingen am Neckar ist eine Universitätsstadt durch und durch: Die Eberhard Karls Universität von 1477 prägt das Leben, jeder dritte Einwohner ist Student. Ihr Bahnhof aber erzählt eine Geschichte von verspäteter Ankunft – und von einem seltenen Baustil, der die Zeit überdauert hat.

Empfangsgebäude des Tübinger Hauptbahnhofs
Foto: Qwave, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wir nähern uns von der Stadtseite. Das Empfangsgebäude wirkt gedrungen und solide, nicht protzig. Über den Fenstern spannen sich Rundbögen – das Kennzeichen jenes Baustils, der dem Bahnhof bis heute sein Gesicht gibt.

Vorplatz des Tübinger Hauptbahnhofs
Foto: Cornelius Kibelka, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Erst 1861 erreichte die Eisenbahn Tübingen – vergleichsweise spät für eine Stadt dieser Bedeutung. Damals zählte der Ort gerade einmal rund 8.000 Einwohner. Das Empfangsgebäude entstand 1861/62 nach Plänen des Architekten Josef Schlierholz im historistischen Rundbogenstil.

Tübinger Hauptbahnhof, Ansicht
Foto: Giftzwerg 88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Bahnhöfe dieser frühen Bauart sind in Deutschland eine echte Seltenheit geworden. Die meisten wurden im Lauf der Jahrzehnte abgerissen oder umgebaut. Dass Tübingen seinen Ursprungsbau behalten hat, macht ihn zu einem kleinen Denkmal der frühen Eisenbahnzeit.

Tübinger Hauptbahnhof, Panorama
Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Vom Endpunkt zum Knoten

Zunächst war Tübingen nur eine Station an der Strecke von Reutlingen nach Rottenburg. Das änderte sich, als von 1867 bis 1874 die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Linie nach Sigmaringen bauten. Damit wurde Tübingen zum Trennungsbahnhof, an dem sich die Wege gabeln.

Blick vom Bahnsteig am Tübinger Hauptbahnhof
Foto: qwesy qwesy, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Mit dem wachsenden Verkehr wurde umgebaut. 1916 entstand die bis heute genutzte Unterführung zu den Inselbahnsteigen, und das Empfangsgebäude bekam am westlichen Ende eine Ausgangshalle. Seither hat sich der Grundriss kaum noch verändert.

Tübinger Hauptbahnhof, Detail
Foto: Giftzwerg 88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Bahnhof Tübingen in Zahlen

1861

erster Zug

später Anschluss

1862

heutiges Gebäude

Rundbogenstil, selten

1477

Universität gegründet

prägt die Stadt

1916

Unterführung & Halle

Erweiterung

Quelle: Deutsche Bahn, Stadt Tübingen.

Ein Bahnhof im Studentenalltag

Zug fährt am Bahnhof Tübingen ein
Foto: Dktue, CC0, via Wikimedia Commons

Heute ist der Bahnhof Dreh- und Angelpunkt für tausende Pendler und Studierende. Von hier fahren Regionalzüge nach Stuttgart, Reutlingen, Horb und in Richtung Bodensee. Der ganz große Fernverkehr macht um Tübingen zwar meist einen Bogen, doch als Regionalknoten ist der Bahnhof unverzichtbar.

Tübinger Hauptbahnhof zur blauen Stunde
Foto: Dktue, CC0, via Wikimedia Commons

Am Abend, zur blauen Stunde, zeigt der alte Bau seinen Charme besonders. Dann sind es nur wenige Minuten zu Fuß an den Neckar und hinauf in die malerische Altstadt mit ihren schmalen Gassen und dem berühmten Hölderlinturm.

Warum so ein alter Bau selten ist

Frühe Empfangsgebäude aus den 1860er-Jahren fielen fast überall dem Wachstum zum Opfer: Sie wurden zu klein und wichen größeren Neubauten.

Tübingen hat seinen Ursprungsbau bewahrt. Der Rundbogenstil, der hier erhalten blieb, gilt heute als seltenes Zeugnis der Architektur der frühen Eisenbahn.

Historische Ansicht des Tübinger Bahnhofs von 1904
Foto: unbekannt, Verlag Gebrüder Metz, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ein Blick auf eine historische Aufnahme von 1904 zeigt, wie wenig sich verändert hat. Der Bau steht noch immer, wo er stand – ein seltener Fall von Beständigkeit in einer Zeit, in der die meisten Bahnhöfe längst mehrfach umgebaut wurden.

Tübinger Hauptbahnhof, weitere Ansicht
Foto: Giftzwerg 88, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

So fügt sich in Tübingen zusammen, was einen guten Ortstermin ausmacht: ein seltener Baustil, ein spätes, aber prägendes Ankommen der Bahn und ein Bahnhof, der bis heute mitten im Leben einer lebendigen Studentenstadt steht.

Häufige Fragen

Was ist am Gebäude besonders?
Es stammt von 1862 und steht im historistischen Rundbogenstil – eine Bauart, die aus dieser frühen Zeit nur noch selten erhalten ist.
Warum bekam Tübingen so spät eine Bahn?
Die Strecke erreichte die Stadt erst 1861. Für eine bedeutende Universitätsstadt war das vergleichsweise spät.
Ist es ein Durchgangs- oder Trennungsbahnhof?
Ein Trennungsbahnhof: Seit der Strecke nach Sigmaringen (1867–1874) teilen sich hier die Linien.
Wie kommt man zur Altstadt?
Zu Fuß in wenigen Minuten. Vom Bahnhof geht es über den Neckar hinauf in die historische Oberstadt.
Halten in Tübingen Fernzüge?
Nur selten. Tübingen ist vor allem ein starker Regionalknoten Richtung Stuttgart, Reutlingen und Bodensee.

Die Stadt jenseits der Gleise

Tübingen lohnt jeden Zwischenstopp. Von den Bahnsteigen sind es nur wenige Minuten zur Neckarfront mit ihren bunten Häuserzeilen und den berühmten Stocherkähnen, mit denen Studenten über den Fluss staken. Wer aussteigt, ist mitten im Postkartenmotiv.

Die Universität ist über die ganze Stadt verteilt, und der Bahnhof ist für viele der erste Eindruck. Jedes Semester strömen tausende neue Studierende durch seine Halle. Für eine Stadt, in der die Jungen das Bild bestimmen, ist er das Tor in einen neuen Lebensabschnitt.

So klein und alt der Bau ist – er trägt eine große Last. Und er tut es mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Gebäudes, das schon viele Generationen hat kommen und gehen sehen.

Vielleicht ist genau das sein Reiz: kein moderner Glaspalast, sondern ein ehrlicher Zeuge aus der Frühzeit der Eisenbahn, der einfach weiter seinen Dienst tut – Tag für Tag, Zug für Zug, seit über 160 Jahren.

Weiterfahrt

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Wie alt ist der älteste Bahnhof? – wie 1862 einzuordnen ist

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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