Ortstermin
„Nächster Halt: Flensburg. Die nächste Ansage könnte schon auf Dänisch kommen.“
Ortstermin: Bahnhof Flensburg
→ Ein Backsteinbau von 1927, ganz oben in Deutschland. Besuch kurz vor der Grenze.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Der heutige Bahnhof Flensburg wurde 1927 eröffnet – ein roter Backsteinbau im Stil der 1920er Jahre, errichtet auf einem zugeschütteten Mühlenteich. Er liegt kurz vor der dänischen Grenze und zählt täglich rund 6.000 Reisende.
Flensburg ist die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands. Wer hier in den Zug steigt, hat die dänische Grenze quasi in Sichtweite – und merkt das auch am Fahrplan, auf dem Ziele beidseits der Grenze stehen.

Wir nähern uns von der Stadtseite. Der Bau aus rotem Backstein wirkt bodenständig und norddeutsch, ohne Prunk, aber mit klarer Form. Er ist ein typisches Kind der 1920er Jahre – solide, funktional, dem Handwerk verpflichtet.

Der heutige Bahnhof ging am 1. Dezember 1927 in Betrieb. Kurz zuvor war die „nordschleswigsche Schleife“ eröffnet worden, die den Zügen das umständliche Kopfmachen im alten Stadtbahnhof ersparte. Flensburg bekam damit einen modernen Durchgangsbahnhof.

Entworfen hat ihn der Reichsbahnrat Arnold im Klinker-Expressionismus der 1920er Jahre – jener kantigen, kraftvollen Backsteinarchitektur der Weimarer Republik, die man im Norden häufiger findet.

Gebaut auf einem Teich
Der Bau war eine echte Herausforderung. Der Bahnhof steht auf dem Gelände eines zugeschütteten Mühlenteichs. Der weiche, wassergesättigte Untergrund zwang die Ingenieure zu einer aufwändigen Gründung auf zahllosen Pfählen, die tief in den Boden getrieben wurden.

Ohne diese Pfahlgründung würde der schwere Backsteinbau im weichen Grund versinken. Man sieht es dem Bahnhof heute nicht an – aber unter ihm steckt fast so viel Ingenieurskunst wie über der Erde.

Bahnhof Flensburg in Zahlen
1927
Eröffnung
neuer Bahnhof
4 Gleise
am Bahnsteig
Gleise 1, 2, 4 und 5
~6.000
Reisende pro Tag
~120
Zugfahrten pro Tag
An- und Abfahrten
Quelle: Deutsche Bahn, Stadt Flensburg.

Wohin die Züge fahren
Der Bahnhof hat vier Bahnsteiggleise – die Gleise 1, 2, 4 und 5. Ein früherer Mittelbahnsteig wurde längst abgebaut. Für eine Stadt am Rand der Republik ist das ein solides, überschaubares Maß.

Nach Süden bringt der Regional-Express RE 7 im Stundentakt die Pendler Richtung Neumünster und Hamburg. Dazu kommen Fernzüge: ein EuroCity Richtung Prag und eine InterCity-Linie, die Flensburg mit dem dänischen Aarhus und mit Hamburg verbindet.

Nach Norden ist es nur ein kurzer Sprung über die Grenze nach Padborg. Flensburg ist damit ein klassischer Grenzbahnhof – ein Tor zwischen zwei Ländern, an dem sich deutsche und dänische Bahnwelt berühren.

Ein ehrlicher Norddeutscher
Direkt neben den Gleisen liegt der sogenannte Bahnhofswald, der 2020 durch eine Protestbesetzung bundesweit bekannt wurde. Auch das gehört heute zur Geschichte dieses Bahnhofs, der als Kulturdenkmal unter Schutz steht.
So steht der rote Bau seit fast hundert Jahren am Rand der Stadt: kein Prunkpalast, sondern ein ehrlicher Norddeutscher aus Backstein – der letzte große Bahnhof vor Dänemark, gegründet auf Pfählen im weichen Grund.
Wer hier ankommt, ist am nördlichsten Ende des deutschen Fernverkehrs angelangt. Weiter geht es nur noch über die Grenze – und der Bahnhof von 1927 ist die letzte, würdige Station davor.
Häufige Fragen
Wie alt ist der Bahnhof?
Kommt man von Flensburg direkt nach Dänemark?
Wie viele Gleise hat der Bahnhof?
Warum steht der Bahnhof auf Pfählen?
Was ist der Klinker-Expressionismus?
Eine Stadt zwischen zwei Sprachen
Flensburg ist zweisprachig geprägt: Hier leben deutsche und dänische Bevölkerung eng zusammen, es gibt dänische Schulen, Vereine und Zeitungen. Der Bahnhof ist das Scharnier dieser Grenzregion – über ihn kommen Pendler, Einkäufer und Schüler aus beiden Ländern.
Für viele Dänen ist Flensburg ein beliebtes Einkaufsziel, für viele Deutsche das Tor nach Skandinavien. Der Bahnhof ist damit mehr als ein Verkehrsbau: Er ist ein Ort der alltäglichen deutsch-dänischen Begegnung.
Bekannt ist Flensburg auch für die Verkehrssünderkartei – die aber betrifft die Straße. Der Bahnhof steht für die andere, umweltfreundliche Seite der Mobilität: Schiene statt Stau, Zug statt Punkte.
So verbindet der rote Backsteinbau von 1927 Norddeutschland mit Dänemark und Stadt mit Land – ein unaufgeregtes, aber unverzichtbares Tor am oberen Ende der Republik.
Am Bahnsteig weht oft schon eine steife Brise von der nahen Förde herüber. Wer hier ankommt, spürt sofort: Das ist der Norden, ungeschminkt und ehrlich – so wie der Bahnhof selbst.
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Westerland auf Sylt – noch ein Bahnhof ganz im Norden
→ Ortstermin: Hamburg Dammtor – wohin die Züge aus Flensburg rollen
→ Wie alt ist der älteste Bahnhof? – wie 1927 im Vergleich dasteht
