Ortstermin: Bahnhof Flensburg

Ortstermin

„Nächster Halt: Flensburg. Die nächste Ansage könnte schon auf Dänisch kommen.“

Ortstermin: Bahnhof Flensburg

→ Ein Backsteinbau von 1927, ganz oben in Deutschland. Besuch kurz vor der Grenze.

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Kurz gesagt

Der heutige Bahnhof Flensburg wurde 1927 eröffnet – ein roter Backsteinbau im Stil der 1920er Jahre, errichtet auf einem zugeschütteten Mühlenteich. Er liegt kurz vor der dänischen Grenze und zählt täglich rund 6.000 Reisende.

Flensburg ist die nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands. Wer hier in den Zug steigt, hat die dänische Grenze quasi in Sichtweite – und merkt das auch am Fahrplan, auf dem Ziele beidseits der Grenze stehen.

Empfangsgebäude des Bahnhofs Flensburg
Foto: Ichwarsnur, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wir nähern uns von der Stadtseite. Der Bau aus rotem Backstein wirkt bodenständig und norddeutsch, ohne Prunk, aber mit klarer Form. Er ist ein typisches Kind der 1920er Jahre – solide, funktional, dem Handwerk verpflichtet.

Bahnhof Flensburg, Ansicht
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Der heutige Bahnhof ging am 1. Dezember 1927 in Betrieb. Kurz zuvor war die „nordschleswigsche Schleife“ eröffnet worden, die den Zügen das umständliche Kopfmachen im alten Stadtbahnhof ersparte. Flensburg bekam damit einen modernen Durchgangsbahnhof.

Bahnhof Flensburg, weitere Ansicht
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Entworfen hat ihn der Reichsbahnrat Arnold im Klinker-Expressionismus der 1920er Jahre – jener kantigen, kraftvollen Backsteinarchitektur der Weimarer Republik, die man im Norden häufiger findet.

Zugang zum Bahnhof Flensburg
Foto: Christian Alexander Otto, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Gebaut auf einem Teich

Der Bau war eine echte Herausforderung. Der Bahnhof steht auf dem Gelände eines zugeschütteten Mühlenteichs. Der weiche, wassergesättigte Untergrund zwang die Ingenieure zu einer aufwändigen Gründung auf zahllosen Pfählen, die tief in den Boden getrieben wurden.

Bahnhof Flensburg, Detail
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Ohne diese Pfahlgründung würde der schwere Backsteinbau im weichen Grund versinken. Man sieht es dem Bahnhof heute nicht an – aber unter ihm steckt fast so viel Ingenieurskunst wie über der Erde.

Bahnhof Flensburg, Bahnsteig
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Bahnhof Flensburg in Zahlen

1927

Eröffnung

neuer Bahnhof

4 Gleise

am Bahnsteig

Gleise 1, 2, 4 und 5

~6.000

Reisende pro Tag

~120

Zugfahrten pro Tag

An- und Abfahrten

Quelle: Deutsche Bahn, Stadt Flensburg.

Bahnsteige 4 und 5 im Bahnhof Flensburg
Foto: Christian Alexander Otto, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Wohin die Züge fahren

Der Bahnhof hat vier Bahnsteiggleise – die Gleise 1, 2, 4 und 5. Ein früherer Mittelbahnsteig wurde längst abgebaut. Für eine Stadt am Rand der Republik ist das ein solides, überschaubares Maß.

Bahnhof Flensburg, Halle
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Nach Süden bringt der Regional-Express RE 7 im Stundentakt die Pendler Richtung Neumünster und Hamburg. Dazu kommen Fernzüge: ein EuroCity Richtung Prag und eine InterCity-Linie, die Flensburg mit dem dänischen Aarhus und mit Hamburg verbindet.

Bahnhof Flensburg, Ansicht
Foto: Christian Alexander Tietgen, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Nach Norden ist es nur ein kurzer Sprung über die Grenze nach Padborg. Flensburg ist damit ein klassischer Grenzbahnhof – ein Tor zwischen zwei Ländern, an dem sich deutsche und dänische Bahnwelt berühren.

Bahnhof Flensburg von der Straße
Foto: Matti Blume, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein ehrlicher Norddeutscher

Direkt neben den Gleisen liegt der sogenannte Bahnhofswald, der 2020 durch eine Protestbesetzung bundesweit bekannt wurde. Auch das gehört heute zur Geschichte dieses Bahnhofs, der als Kulturdenkmal unter Schutz steht.

So steht der rote Bau seit fast hundert Jahren am Rand der Stadt: kein Prunkpalast, sondern ein ehrlicher Norddeutscher aus Backstein – der letzte große Bahnhof vor Dänemark, gegründet auf Pfählen im weichen Grund.

Wer hier ankommt, ist am nördlichsten Ende des deutschen Fernverkehrs angelangt. Weiter geht es nur noch über die Grenze – und der Bahnhof von 1927 ist die letzte, würdige Station davor.

Häufige Fragen

Wie alt ist der Bahnhof?
Das heutige Gebäude wurde 1927 eröffnet. Es steht auf einem zugeschütteten Mühlenteich und ist heute ein geschütztes Kulturdenkmal.
Kommt man von Flensburg direkt nach Dänemark?
Ja. Die Grenze bei Padborg ist nur einen kurzen Zughalt entfernt, und eine InterCity-Linie fährt bis ins dänische Aarhus.
Wie viele Gleise hat der Bahnhof?
Vier Bahnsteiggleise: die Gleise 1, 2, 4 und 5. Ein früherer Mittelbahnsteig wurde abgebaut.
Warum steht der Bahnhof auf Pfählen?
Weil er auf einem zugeschütteten Mühlenteich errichtet wurde. Der weiche Untergrund verlangte eine aufwändige Pfahlgründung.
Was ist der Klinker-Expressionismus?
Ein kantiger, kraftvoller Backsteinstil der 1920er Jahre, der im Norden Deutschlands häufig zu finden ist.

Eine Stadt zwischen zwei Sprachen

Flensburg ist zweisprachig geprägt: Hier leben deutsche und dänische Bevölkerung eng zusammen, es gibt dänische Schulen, Vereine und Zeitungen. Der Bahnhof ist das Scharnier dieser Grenzregion – über ihn kommen Pendler, Einkäufer und Schüler aus beiden Ländern.

Für viele Dänen ist Flensburg ein beliebtes Einkaufsziel, für viele Deutsche das Tor nach Skandinavien. Der Bahnhof ist damit mehr als ein Verkehrsbau: Er ist ein Ort der alltäglichen deutsch-dänischen Begegnung.

Bekannt ist Flensburg auch für die Verkehrssünderkartei – die aber betrifft die Straße. Der Bahnhof steht für die andere, umweltfreundliche Seite der Mobilität: Schiene statt Stau, Zug statt Punkte.

So verbindet der rote Backsteinbau von 1927 Norddeutschland mit Dänemark und Stadt mit Land – ein unaufgeregtes, aber unverzichtbares Tor am oberen Ende der Republik.

Am Bahnsteig weht oft schon eine steife Brise von der nahen Förde herüber. Wer hier ankommt, spürt sofort: Das ist der Norden, ungeschminkt und ehrlich – so wie der Bahnhof selbst.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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