Stimmt es, dass Züge auf Sicht fahren wie Autos?

Stimmt es, dass…?

„Ein Autofahrer bremst, wenn er ein Hindernis sieht – ein Zug kann das gar nicht, und deshalb fährt er ganz anders.“

Stimmt es, dass Züge auf Sicht fahren wie Autos?

→ Ein Mythos über das Fahren auf Sicht bei der Bahn auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Das stimmt meistens nicht. Anders als ein Auto fährt ein Zug in der Regel nicht auf Sicht, sondern streng nach Signalen. Der Grund ist sein langer Bremsweg, der weit über die Sichtweite hinausreicht. Nur in besonderen Fällen und bei geringem Tempo fährt ein Zug tatsächlich auf Sicht.

Ein Autofahrer verlässt sich beim Fahren vor allem auf seine Augen, denn er bremst, sobald er ein Hindernis vor sich erkennt.

Viele Menschen nehmen selbstverständlich an, dass auch ein Lokführer seinen Zug auf die gleiche Weise steuert.

Doch bei der Eisenbahn ist genau das in aller Regel nicht der Fall, und der Grund dafür ist überraschend.

Breitenbüßbach Stellwerk 1 Abbruch RM
Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der lange Bremsweg

Der entscheidende Unterschied zwischen Auto und Zug liegt in der Länge des Bremswegs.

Ein Auto kommt aus normaler Geschwindigkeit innerhalb weniger Meter zum Stehen, ein Zug dagegen erst nach vielen hundert Metern.

Ein schneller Zug braucht aus voller Fahrt sogar mehr als einen ganzen Kilometer, bis er wirklich hält.

Dieser lange Bremsweg reicht weit über das hinaus, was der Lokführer mit seinen Augen überblicken kann.

Bahnhof Zell am See Prellbock Gleis 7
Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sehen reicht nicht aus

Weil der Bremsweg so lang ist, würde das Fahren auf Sicht bei der Bahn zur tödlichen Gefahr.

Erkennt der Lokführer ein Hindernis erst, wenn er es sieht, ist es für ein rechtzeitiges Bremsen längst zu spät.

Bis der schwere Zug zum Stehen käme, hätte er das Hindernis oder das haltende Signal längst überfahren.

Deshalb kann sich die Bahn beim Fahren gerade nicht auf die Augen des Lokführers allein verlassen.

Gut zu wissen

Ein schneller Zug braucht aus voller Fahrt über einen Kilometer Bremsweg. Das reicht weit über die Sichtweite hinaus, deshalb fährt er nach Signalen.

Auf Sicht gefahren wird nur in Ausnahmen, etwa beim langsamen Rangieren oder bei einer Störung der Signaltechnik, dann aber mit sehr geringem Tempo.

Fahren nach Signalen

Statt auf Sicht fährt ein Zug in der Regel streng nach den Signalen, die entlang der Gleise stehen.

Diese Signale teilen dem Lokführer schon lange im Voraus mit, ob die Strecke vor ihm frei ist.

So weiß er bereits weit vor einer Gefahrenstelle, ob er weiterfahren darf oder rechtzeitig bremsen muss.

Auf diese Weise ersetzt die vorausschauende Sprache der Signale das bloße Fahren auf Sicht.

Die Strecke ist frei gemeldet

Damit die Signale verlässlich sind, wird die Strecke ständig in Abschnitte unterteilt und überwacht.

In jedem dieser Abschnitte darf sich immer nur ein einziger Zug befinden, damit keiner auf einen anderen auffährt.

Erst wenn ein Abschnitt sicher frei ist, gibt das Signal davor die Weiterfahrt frei.

So ist gewährleistet, dass der Lokführer sich auf ein grünes Signal verlassen kann, ohne selbst nach vorn zu spähen.

Wo doch auf Sicht gefahren wird

So streng die Regel auch ist, es gibt durchaus Fälle, in denen ein Zug tatsächlich auf Sicht fährt.

Beim Rangieren auf dem Bahnhof etwa, wo langsam und vorsichtig gefahren wird, verlässt man sich auf die Augen.

Auch bei einer Störung der Signaltechnik darf ein Zug in besonderen Fällen mit sehr geringem Tempo auf Sicht fahren.

In diesen Ausnahmen ist das Tempo so niedrig, dass der kurze Bremsweg wieder in die Sichtweite passt.

Der Mensch bleibt wichtig

Obwohl der Zug nach Signalen fährt, ist der wache Blick des Lokführers keineswegs überflüssig.

Er beobachtet die Strecke auf Hindernisse wie umgestürzte Bäume, Tiere oder Menschen im Gleis.

Erkennt er eine solche Gefahr, leitet er sofort eine Bremsung ein, auch wenn er den Zug nicht mehr rechtzeitig anhalten kann.

So ergänzen sich die vorausschauenden Signale und die wachen Augen des Menschen zu einem sicheren Ganzen.

Signale bis in den Führerstand

Bei den schnellsten Zügen sind die Signale am Gleisrand mit dem Auge kaum noch rechtzeitig zu erkennen.

Deshalb werden die wichtigen Informationen bei ihnen direkt in den Führerstand des Zuges übertragen.

Der Lokführer liest die erlaubte Geschwindigkeit und die Fahrterlaubnis dann von einem Bildschirm ab.

Damit ist das Fahren auf Sicht bei den schnellen Zügen endgültig durch die Technik ersetzt.

Was von dem Mythos übrig bleibt

Am Ende zeigt sich, dass die verbreitete Vorstellung vom Fahren auf Sicht bei der Bahn in die Irre führt.

Nein, ein Zug fährt in aller Regel nicht auf Sicht, sondern verlässt sich auf die vorausschauende Sprache der Signale.

Der Grund ist sein langer Bremsweg, der weit über das hinausreicht, was das Auge erfassen kann.

Nur beim langsamen Rangieren und in seltenen Ausnahmen fährt ein Zug tatsächlich nach seinen Augen.

Häufige Fragen

Fahren Züge auf Sicht wie Autos?
In der Regel nicht. Anders als ein Auto fährt ein Zug streng nach Signalen, weil sein Bremsweg viel länger ist als die Sichtweite.
Warum reicht das Sehen nicht?
Weil ein Zug einen Bremsweg von mehreren hundert Metern bis über einen Kilometer hat. Ein gesehenes Hindernis käme viel zu spät.
Wie fährt der Zug dann?
Nach Signalen, die schon lange im Voraus melden, ob die Strecke frei ist. Die Strecke wird in Abschnitte unterteilt, in denen nur ein Zug sein darf.
Wird nie auf Sicht gefahren?
Doch, in Ausnahmen: beim langsamen Rangieren oder bei einer Störung der Technik. Dann ist das Tempo so gering, dass der Bremsweg in die Sichtweite passt.
Ist der Lokführer dann überflüssig?
Keineswegs. Er beobachtet die Strecke auf Hindernisse wie Bäume oder Tiere und leitet bei Gefahr sofort eine Bremsung ein.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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