Stimmt es, dass Schnellfahrstrecken schnurgerade sein müssen?

Stimmt es, dass…?

„Ein schneller Zug verträgt keine enge Kurve – deshalb frisst sich die Schnellstrecke lieber durch den Berg, als ihm auszuweichen.“

Stimmt es, dass Schnellfahrstrecken schnurgerade sein müssen?

→ Ein Mythos über die Linienführung schneller Strecken auf dem Prüfstand.

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Kurz gesagt

Nicht ganz. Eine Schnellfahrstrecke muss nicht schnurgerade sein, aber sie darf nur sehr weite Kurven haben. Enge Bögen sind bei hohem Tempo nicht möglich. Deshalb werden schnelle Strecken oft schnurstracks durch Tunnel und über Talbrücken geführt, statt den Hindernissen auszuweichen.

Wer mit dem ICE über eine moderne Schnellfahrstrecke reist, bemerkt, dass der Zug kaum jemals eine enge Kurve fährt.

Stattdessen zieht die Strecke in sanften, weiten Bögen durch die Landschaft oder verschwindet in langen Tunneln.

Ob eine solche Strecke deshalb wirklich schnurgerade sein muss, ist eine überraschend aufschlussreiche Frage.

Dreiseenbahn Schluchseebrücke mit Alstom Coradia Continental
Foto: H. Sellmoene, CC0, via Wikimedia Commons

Das Problem mit der Kurve

In einer Kurve wirkt auf einen Zug und seine Fahrgäste eine Kraft, die sie nach außen drängt.

Je schneller der Zug fährt und je enger die Kurve ist, desto stärker wird diese nach außen ziehende Kraft.

Bei sehr hohem Tempo würde eine enge Kurve die Fahrgäste unangenehm zur Seite pressen.

Deshalb sind enge Kurven auf einer schnellen Strecke schlicht nicht möglich.

Fahrräder am Zug in Mainz Hbf
Foto: Joachim Seyferth, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Weite Bögen statt gerader Linie

Eine Schnellfahrstrecke muss deshalb nicht unbedingt schnurgerade verlaufen, wohl aber sehr weite Kurven haben.

Die Bögen einer solchen Strecke sind so weit gestreckt, dass man ihre Krümmung im Zug kaum spürt.

Ein einziger solcher Bogen kann sich über viele Kilometer erstrecken, bevor die Strecke die Richtung merklich ändert.

So verbindet die Strecke ein hohes Tempo mit einer für die Fahrgäste angenehmen Fahrt.

Gut zu wissen

Eine Schnellstrecke braucht keine schnurgerade Linie, aber nur sehr weite Kurven. In der Kurve wird die äußere Schiene überhöht, damit der Zug sich sanft hineinneigt.

Weil enge Bögen verboten sind, kann die Strecke Hindernissen nicht ausweichen. Deshalb führt sie oft schnurstracks durch Tunnel und über hohe Talbrücken.

Der Trick mit der Überhöhung

Damit die Züge auch in den weiten Kurven zügig fahren können, greift man zu einem cleveren Trick.

Die Schiene im äußeren Teil der Kurve wird ein Stück höher gelegt als die im inneren Teil.

Durch diese Überhöhung neigt sich der Zug leicht in die Kurve hinein, ähnlich wie ein Radfahrer.

So wird die nach außen ziehende Kraft ein Stück weit ausgeglichen, und die Fahrt bleibt angenehm.

Lieber durch den Berg

Weil enge Kurven verboten sind, kann eine Schnellstrecke Hindernissen nicht einfach ausweichen.

Ein Berg, dem eine gewöhnliche Strecke in einem Bogen ausweichen würde, lässt sich so nicht umfahren.

Deshalb führt man die Schnellstrecke lieber schnurstracks durch den Berg hindurch, also durch einen Tunnel.

Auf diese Weise bleibt die Linie weit gestreckt, auch wenn das Gelände Hindernisse in den Weg legt.

Über das Tal hinweg

Dasselbe gilt für Täler, denen eine langsame Strecke in einem weiten Bogen ausweichen würde.

Eine Schnellstrecke dagegen führt oft auf einer hohen Talbrücke geradewegs über das Tal hinweg.“,“So bleibt ihre Linie gerade und weit, statt sich mühsam an den Hängen entlangzuwinden.

Tunnel und Talbrücken sind deshalb die typischen und teuren Kennzeichen jeder Schnellfahrstrecke.

Der Preis der Geradheit

Diese weit gestreckte Linienführung durch Tunnel und über Brücken hat einen hohen Preis.

Der Bau der vielen langen Tunnel und hohen Brücken macht eine Schnellstrecke besonders aufwendig und teuer.

Ein großer Teil der Kosten einer solchen Strecke steckt genau in diesen gewaltigen Bauwerken.

So ist die Geradheit der schnellen Bahn buchstäblich teuer erkauft.

Auch das Auf und Ab zählt

Nicht nur die Kurven, auch die Steigungen einer Strecke sind für das hohe Tempo von Bedeutung.

Eine Schnellstrecke darf zwar durchaus ansteigen und abfallen, aber nicht zu steil.

Zu starke Steigungen würden die schnellen Züge zu sehr ausbremsen oder beim Bergabfahren zu sehr beschleunigen.

So muss eine schnelle Strecke sowohl in ihren Kurven als auch in ihren Steigungen wohldurchdacht sein.

Was von dem Mythos übrig bleibt

Am Ende zeigt sich, dass die Vorstellung von der schnurgeraden Schnellstrecke nur zum Teil zutrifft.

Nein, eine Schnellfahrstrecke muss nicht schnurgerade sein, aber sie darf nur sehr weite Kurven haben.

Weil enge Bögen verboten sind, führt man sie lieber gerade durch Tunnel und über Brücken, statt Hindernissen auszuweichen.

Wer das weiß, versteht, warum eine moderne Schnellstrecke so gerade wirkt und im Bau so teuer ist.

Häufige Fragen

Müssen Schnellstrecken schnurgerade sein?
Nein, aber sie dürfen nur sehr weite Kurven haben. Enge Bögen sind bei hohem Tempo nicht möglich, weil die Fahrgäste sonst zu stark zur Seite gedrängt würden.
Warum sind enge Kurven verboten?
Weil in einer Kurve eine Kraft nach außen wirkt, die mit dem Tempo und der Enge der Kurve wächst. Bei hohem Tempo würde eine enge Kurve die Fahrgäste unangenehm pressen.
Was ist die Überhöhung?
Die äußere Schiene einer Kurve wird höher gelegt als die innere. So neigt sich der Zug leicht in die Kurve, ähnlich wie ein Radfahrer, und die Kraft wird ausgeglichen.
Warum gibt es so viele Tunnel und Brücken?
Weil die Strecke wegen der verbotenen engen Kurven Hindernissen nicht ausweichen kann. Sie führt lieber gerade durch den Berg oder über das Tal.
Warum sind Schnellstrecken so teuer?
Weil der Bau der vielen langen Tunnel und hohen Talbrücken besonders aufwendig ist. Ein großer Teil der Kosten steckt in diesen Bauwerken.

Weiterfahrt

Wie viele Tunnel hat die Bahn? – der Weg durch den Berg

Wie schnell fährt der ICE? – Tempo auf der Schnellstrecke

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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