Stimmt es, dass man sich im Zug nicht anschnallen muss?

Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, Sie finden keinen Gurt an Ihrem Sitz – und das ist kein Versehen.“

Stimmt es, dass man sich im Zug nicht anschnallen muss?

→ Im Auto Pflicht, im Zug nicht einmal vorhanden. Warum Gurte auf der Schiene fehlen – mit gutem Grund.

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Kurz gesagt

Stimmt. Im Zug gibt es gar keine Sicherheitsgurte – und das ist kein Sparzwang, sondern Absicht. Die Bremskräfte sind auf der Schiene viel geringer als im Auto, und Studien zeigen: Gurte könnten im Zug sogar mehr schaden als nützen.

Wer im Zug nach dem Gurt sucht, sucht vergeblich.

Anders als im Auto oder Flugzeug gibt es in Reisezügen keine Sicherheitsgurte.

Internationale Sicherheitsvorschriften raten sogar ausdrücklich davon ab.

Das klingt erst einmal widersprüchlich.

Im Auto rettet der Gurt Leben, im Flugzeug ist er Pflicht – warum nicht im Zug? Die Erklärung steckt in der Physik der Schiene und in der Frage, was bei einem Unfall wirklich schützt.

Bahnsteige am Bahnhof Salzburg Taxham Europark
Foto: Eweht, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Physik: Stahl bremst sanfter

Zwischen Stahlrad und Stahlschiene ist die Reibung gering.

Deshalb bremst ein Zug viel langsamer als ein Auto – die Bremskräfte sind bei gleichem Tempo auf der Straße rund achtmal größer.

Geringere Verzögerung heißt: Bei einer normalen Bremsung wird man kaum nach vorn geworfen.

Der plötzliche, harte Aufprall wie beim Auto-Crash ist auf der Schiene seltener.

Der lange Bremsweg, der sonst ein Nachteil ist, wirkt hier schützend.

Man spürt das im Alltag: Selbst wenn ein Zug scharf bremst, hält man sich mit der Hand fest und bleibt sitzen.

Die Kräfte reichen nicht aus, um einen aus dem Sitz zu reißen – anders als bei einem Auffahrunfall im Auto.

Warum Gurte sogar schaden könnten

Studien zur Sicherheit im Zug kommen zu einem überraschenden Ergebnis: Gurte könnten bei einem Unfall mehr schaden als nützen.

Der Grund liegt in der Art, wie Zugunfälle ablaufen.

Bei einer Entgleisung oder einem Zusammenstoß wird ein Zug oft seitlich beschleunigt oder gestaucht.

Ein angeschnallter Körper würde dann fest an den Sitz gebunden, während sich der Wagen verformt – das kann gefährlicher sein als ein Durchrutschen.

Stattdessen setzt man auf ein anderes Prinzip: das „kontrollierte Nachgeben“

Sitze und Tische sind so gebaut, dass sie Aufprallenergie aufnehmen.

Der Fahrgast soll im Ernstfall abgefangen, nicht festgezurrt werden.

Sicherheit durch Masse und Bauweise

Der beste Schutz im Zug ist der Zug selbst.

Seine große Masse und die stabile Bauweise schützen die Insassen.

Moderne Wagen haben Knautschzonen, die bei einem Aufprall Energie aufnehmen – ähnlich wie beim Auto, nur im großen Maßstab.

Dazu kommt die aufwendige Sicherungstechnik, die Unfälle von vornherein verhindert: Signale, Zugsicherung und feste Abstände sorgen dafür, dass Zusammenstöße extrem selten sind.

Vorbeugen ist hier wirksamer als anschnallen.

Lintorf MEG 156 001 Lokzug 95223 ()
Foto: Rob Dammers, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das Urteil

Stimmt.

Im Zug gibt es keine Gurte, und man muss sich nicht anschnallen – weil es schlicht keine gibt.

Das ist kein Versäumnis, sondern das Ergebnis genauer Überlegungen.

Auf der Schiene schützt anderes besser als ein Gurt.

Ein Vergleich macht es deutlich.

Im Auto wirken bei einem Aufprall gewaltige Kräfte auf kleinem Raum – der Gurt hält den Körper zurück und verhindert, dass er nach vorn geschleudert wird.

Ohne ihn wäre ein Crash oft tödlich.

Im Zug sieht die Sache anders aus.

Die Masse ist riesig, die Verzögerung gering.

Selbst eine kräftige Bremsung wirft niemanden aus dem Sitz.

Der Gurt hätte hier viel weniger zu tun – und im Ernstfall womöglich negative Wirkung.

Auch das Flugzeug ist ein anderer Fall.

Dort gibt es Turbulenzen, plötzliche Höhenänderungen und harte Landungen.

Der Gurt schützt vor diesen abrupten Bewegungen.

Solche Kräfte kennt der Zug im Normalbetrieb nicht.

Fachleute haben all das untersucht und kommen zum selben Schluss: Auf der Schiene bringt ein Gurt keinen klaren Vorteil, kann aber bei bestimmten Unfallarten schaden.

Deshalb verzichtet man bewusst darauf.

Stattdessen steckt die Sicherheit in der Konstruktion.

Sitze sind so gebaut, dass ein nach vorn geschleuderter Körper abgefangen wird.

Tische geben nach, scharfe Kanten werden vermieden.

Der ganze Innenraum ist auf sanftes Abfangen ausgelegt.

Dazu kommen die Knautschzonen der Wagen.

Bei einem Zusammenstoß verformen sich bestimmte Bereiche gezielt und nehmen Energie auf, während der Fahrgastraum möglichst stabil bleibt.

Das schützt die Insassen wirkungsvoller als jeder Gurt.

Und der beste Schutz ist, dass es gar nicht erst kracht.

Die Bahn steckt enorme Mühe in die Vermeidung von Unfällen – mit Signalen, Zugsicherung und festen Abständen.

Deshalb gehört Bahnfahren zu den sichersten Arten zu reisen.

Bemerkenswert ist, wie selten schwere Zugunfälle überhaupt sind.

Statistisch gehört die Bahn zu den sichersten Verkehrsmitteln – pro gefahrenem Kilometer verunglücken weit weniger Menschen als im Auto.

Der fehlende Gurt ist also kein Sicherheitsmangel.

Wer sich dennoch unsicher fühlt, kann selbst etwas tun: schweres Gepäck sicher verstauen, damit es bei einer Bremsung nicht zum Geschoss wird.

Das ist im Zug oft der größere Risikofaktor als der eigene Körper – und liegt in der Hand jedes Fahrgastes.

Zum Einordnen

Reisezüge haben keine Sicherheitsgurte; internationale Vorschriften raten davon ab.

Die Bremskräfte sind auf der Schiene rund achtmal geringer als im Auto.

Schutz bieten Masse, stabile Bauweise, energieaufnehmende Sitze und die Sicherungstechnik.

Häufige Fragen

Warum gibt es im Zug keine Gurte?
Weil die Bremskräfte gering sind und Studien zeigen, dass Gurte bei Zugunfällen sogar schaden könnten.
Muss ich mich im Zug anschnallen?
Nein – es gibt gar keine Gurte. Man muss und kann sich nicht anschnallen.
Was schützt mich dann?
Die große Masse und stabile Bauweise des Zuges, energieaufnehmende Sitze und die Sicherungstechnik, die Unfälle verhindert.
Warum ist das im Auto anders?
Im Auto sind die Brems- und Aufprallkräfte viel höher. Dort hält der Gurt den Körper zurück und rettet Leben.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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