Stimmt es, dass ein Zug kilometerlang zum Bremsen braucht?

Stimmt es, dass …?

„Sehr geehrte Fahrgäste, wenn dieser Zug bremst, dauert der Halt fast drei Kilometer.“

Stimmt es, dass ein Zug kilometerlang zum Bremsen braucht?

→ Ein ICE steht nicht auf dem Punkt. Warum der Bremsweg auf der Schiene so lang ist – mit Zahlen.

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Kurz gesagt

Stimmt. Ein ICE braucht aus vollem Tempo rund 2,8 Kilometer bis zum Stillstand – selbst bei einer Schnellbremsung. Der Grund liegt in der Physik: Stahl auf Stahl haftet wenig, und die riesige Masse will in Bewegung bleiben.

Ein Auto steht aus 50 Sachen nach wenigen Metern.

Ein ICE aus vollem Tempo? Der rollt noch fast drei Kilometer weit.

Was wie eine Übertreibung klingt, ist schlicht Physik.

Regionalexpress mit Baureihe 218 im Wormser Hauptbahnhof
Foto: Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Fast drei Kilometer aus Tempo 300

Ein ICE 3 rollt bei einer Schnellbremsung aus 300 Stundenkilometern noch etwa 2,8 Kilometer weit, bis er steht.

Das ist die Länge von rund 28 Fußballfeldern hintereinander.

Die Verzögerung liegt dabei nur bei etwa 1,5 Metern pro Sekunde im Quadrat.

Zum Vergleich: Ein Sportwagen bremst mit dem Acht- bis Zehnfachen dieser Wucht.

Der Zug bremst also, gemessen an seinem Tempo, sehr sanft.

Bremsen im Vergleich

~2,8 km

ICE aus 300 km/h

Schnellbremsung

~1,5 m/s²

Verzögerung

ICE, sanftes Bremsen

~290 m

Sportwagen

aus viel weniger Tempo

~30 MW

Bremsleistung

wird in Wärme verwandelt

Technische Angaben zum ICE 3.

Quelle: Wikipedia (Schnellbremsung).

Warum Stahl so schlecht bremst

Der Grund ist dieselbe Eigenschaft, die den Zug so sparsam macht: Zwischen Stahlrad und Stahlschiene ist die Reibung sehr gering.

Das spart Energie beim Fahren – rächt sich aber beim Bremsen.

Ein Autoreifen aus Gummi krallt sich förmlich in den Asphalt.

Ein Stahlrad dagegen hat nur einen winzigen Berührungspunkt mit der Schiene, kaum größer als eine Münze.

Auf diesem Punkt lässt sich nur begrenzt Kraft übertragen.

Bremst der Zug zu stark, blockieren die Räder und rutschen einfach weiter.

Deshalb kann er nicht härter verzögern, egal wie kräftig die Bremsen sind.

Die Grenze setzt die Haftung, nicht die Technik.

Die Wucht der Masse

Dazu kommt die Masse.

Ein ICE wiegt mehrere hundert Tonnen.

Alles, was einmal in Bewegung ist, will in Bewegung bleiben – je schwerer, desto stärker.

Diese Wucht muss die Bremse erst einmal bändigen.

Beim Bremsen wird die gewaltige Bewegungsenergie in Wärme umgewandelt – kurzzeitig mit einer Leistung von rund 30 Megawatt.

Das entspricht der Leistung eines kleinen Kraftwerks, das für Sekunden nur zum Bremsen arbeitet.

Berlin Bahnhof Westkreuz Richtung Nord S Bahn Berlin DBAG Baureihe 481 1
Foto: Wikimedia-User Jivee Blau, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum das die Signale erklärt

Der lange Bremsweg ist der Grund, warum die Bahn mit Vorsignalen arbeitet.

Weil ein Lokführer nicht auf Sicht anhalten kann, muss er lange vorher wissen, dass gleich ein Halt kommt.

Deshalb kündigt ein Vorsignal das eigentliche Signal schon Hunderte Meter früher an.

Der Lokführer beginnt rechtzeitig zu bremsen – lange bevor er das rote Signal überhaupt sehen kann.

Der Bremsweg diktiert das ganze System.

Das Urteil

Stimmt.

Ein ICE braucht aus vollem Tempo tatsächlich rund 2,8 Kilometer bis zum Stillstand.

Geringe Reibung und große Masse machen den Bremsweg so lang – und prägen die gesamte Sicherheitstechnik der Bahn.

Interessant ist der Vergleich mit dem Bremsweg eines Autos.

Ein Pkw steht aus 100 Sachen nach rund 40 Metern.

Ein ICE bräuchte aus demselben Tempo schon ein Vielfaches – und aus 300 eben fast drei Kilometer.

Das liegt nicht an schlechten Bremsen, im Gegenteil: Ein ICE hat mehrere Bremssysteme zugleich.

Doch alle stoßen an dieselbe Grenze – die Haftung zwischen Stahlrad und Schiene lässt sich nicht überlisten.

Um trotzdem gut zu bremsen, kombinieren moderne Züge verschiedene Verfahren.

Die Scheibenbremse wirkt wie im Auto, die elektrische Bremse verwandelt Bewegung in Strom, und Wirbelstrombremsen bremsen berührungslos über Magnetfelder.

Gerade die elektrische Bremse ist clever: Sie macht aus dem Zug beim Bremsen einen Generator.

Ein Teil der Bewegungsenergie fließt als Strom zurück in die Oberleitung, statt nur als Wärme zu verpuffen.

Bremsen wird so fast zum Energiesparen.

Der lange Bremsweg erklärt auch, warum Züge nicht auf Sicht fahren wie Autos.

Kein Mensch könnte auf 2,8 Kilometer vorausschauen.

Deshalb übernimmt die Technik: Signale, Vorsignale und Zugsicherung sorgen dafür, dass rechtzeitig gebremst wird.

So ist der scheinbar unglaubliche Bremsweg am Ende gut beherrscht.

Die Bahn hat ein ganzes System darum herum gebaut – aus Signalen, Technik und klaren Regeln.

Genau das macht sie trotz der langen Wege zu einem sehr sicheren Verkehrsmittel.

Am Ende ist der lange Bremsweg kein Makel, sondern eine Eigenschaft, mit der die Bahn souverän umgeht.

Weil sie ihn kennt, plant sie ihn ein – mit Signalen, Abständen und Technik.

So wird aus einer physikalischen Grenze ein beherrschtes Risiko.

Wer das weiß, sieht die roten und gelben Signale entlang der Strecke mit anderen Augen: Sie sind die Antwort auf die simple Tatsache, dass ein Zug eben nicht auf dem Punkt stehen kann.

Zum Einordnen

Ein ICE 3 braucht aus 300 km/h rund 2,8 Kilometer bis zum Stillstand.

Grund: geringe Reibung zwischen Stahlrad und Schiene plus hohe Masse.

Deshalb arbeitet die Bahn mit Vorsignalen, die einen Halt lange vorher ankündigen.

Häufige Fragen

Wie lang ist der Bremsweg eines ICE?
Aus 300 Stundenkilometern rund 2,8 Kilometer – selbst bei einer Schnellbremsung.
Warum bremst ein Zug so schlecht?
Weil Stahl auf Stahl wenig haftet und die Masse sehr groß ist. Zu hartes Bremsen ließe die Räder blockieren.
Kann man nicht einfach stärkere Bremsen einbauen?
Das hilft wenig: Die Grenze setzt die Haftung zwischen Rad und Schiene, nicht die Kraft der Bremse.
Was hat der Bremsweg mit Signalen zu tun?
Weil der Zug nicht auf Sicht halten kann, kündigen Vorsignale einen Halt schon Hunderte Meter vorher an.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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