Sollte die Bahn Werbedurchsagen im Zug verbieten?

Standpunkt

„Erst der nächste Halt, dann der Hinweis aufs Bordbistro – und mancher fragt sich, ob im Zug wirklich für alles geworben werden muss.“

Sollte die Bahn Werbedurchsagen im Zug verbieten?

→ Ein Standpunkt zwischen Ruhebedürfnis und Einnahmequelle.

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Worum es geht

Neben den wichtigen Ansagen zu Halten und Anschlüssen hört man im Zug zunehmend Hinweise auf das Bordbistro, auf Angebote und Aktionen. Ob solche Werbedurchsagen verboten gehören, ist eine Abwägung zwischen dem Wunsch nach Ruhe und dem Interesse der Bahn an zusätzlichen Einnahmen.

Wer im Zug zur Ruhe kommen, lesen oder schlafen möchte, ist auf die Lautsprecher an der Decke angewiesen, ob er will oder nicht.

Neben den unverzichtbaren Ansagen zum nächsten Halt und zu den Anschlüssen mischen sich dort aber immer häufiger werbliche Hinweise.

Für die einen ist das ein netter Service, für die anderen eine überflüssige Störung, die den ohnehin knappen Frieden im Wagen weiter untergräbt.

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Foto: Matti Blume, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was mit Werbedurchsagen gemeint ist

Gemeint sind nicht die wichtigen Ansagen zu Halten, Gleiswechseln oder Verspätungen, die für die Reise unverzichtbar sind.

Gemeint sind vielmehr die zusätzlichen Hinweise auf das Bordbistro, auf besondere Angebote oder auf Aktionen der Bahn.

Solche Durchsagen tragen nichts zur eigentlichen Fahrt bei und dienen allein dem Verkauf oder der Eigenwerbung.

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Foto: Johannes Maximilian, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum viele sich gestört fühlen

Der größte Kritikpunkt ist, dass man einer Durchsage im Zug nicht ausweichen kann, anders als einer Anzeige oder einem Plakat.

Wer gerade eingeschlafen ist oder sich konzentriert, wird von jeder überflüssigen Ansage unweigerlich aus seiner Ruhe gerissen.

Gerade im ausgewiesenen Ruhebereich empfinden viele solche werblichen Einschübe als klaren Bruch des Versprechens von Stille.

Das Argument der Einnahmen

Auf der anderen Seite steht das nachvollziehbare Interesse der Bahn, mit ihren Angeboten Geld zu verdienen.

Ein Hinweis auf das Bordbistro kann tatsächlich dazu führen, dass mehr Reisende einen Kaffee oder einen Snack kaufen.

Diese zusätzlichen Einnahmen helfen, den Betrieb zu finanzieren, und kommen am Ende indirekt allen Fahrgästen zugute.

Wann Werbung auch nützt

Nicht jede werbliche Durchsage ist reiner Selbstzweck, denn manche enthält durchaus nützliche Informationen.

Der Hinweis, dass es im Bordbistro warme Getränke gibt, kann einem durchgefrorenen Reisenden durchaus willkommen sein.

Zwischen echter Information und reiner Werbung verläuft die Grenze deshalb nicht immer scharf.

Die Frage der Dosierung

Ein großer Teil des Ärgers entsteht weniger durch einzelne Hinweise als durch ihre schiere Häufigkeit.

Eine kurze Erwähnung des Bordbistros zu Beginn der Fahrt stört kaum jemanden.

Wird derselbe Hinweis dagegen alle paar Minuten wiederholt, wird selbst der Geduldigste irgendwann genervt.

Die Rolle des Ruhebereichs

Ein möglicher Mittelweg liegt darin, wenigstens den ausgewiesenen Ruhebereich von werblichen Durchsagen zu verschonen.

Dort haben die Reisenden bewusst die Stille gewählt und sollten sie auch wirklich bekommen.

Wichtige Sicherheitsansagen blieben davon selbstverständlich unberührt, denn sie gelten immer und überall.

Was andere Verkehrsmittel machen

Ein Blick auf andere Verkehrsmittel zeigt, dass werbliche Durchsagen keineswegs nur ein Problem der Bahn sind.

Auch in Bussen und selbst im Flugzeug hört man am Ende einer Fahrt oft Hinweise auf Angebote und Programme.

Die Bahn steht mit dieser Praxis also nicht allein, was den Ärger für die Betroffenen aber nicht kleiner macht.

Ein Kompromiss statt Verbot

Zwischen einem strikten Verbot und ungezügelter Dauerwerbung liegt ein weites Feld vernünftiger Regeln.

Denkbar wäre, werbliche Durchsagen streng zu begrenzen, sie im Ruhebereich ganz zu unterlassen und Wiederholungen zu vermeiden.

So bliebe der Bahn eine maßvolle Einnahmequelle, ohne dass die Fahrgäste im Dauerfeuer der Lautsprecher zermürbt werden.

Pro und Contra

Dafür

+  Einer Durchsage kann man im Zug nicht ausweichen, anders als einem Plakat oder einer Anzeige.

+  Im Ruhebereich brechen werbliche Ansagen das ausdrückliche Versprechen von Stille.

+  Häufige Wiederholungen derselben Werbung nerven selbst geduldige Reisende.

+  Der eigentliche Zweck der Lautsprecher sind wichtige Reiseinformationen, nicht der Verkauf.

+  Ein ruhiger Zug ist für viele ein wichtiger Grund, überhaupt die Bahn zu wählen.

+  Ein Verbot würde ein klares Zeichen für den Vorrang der Fahrgastruhe setzen.

Dagegen

  Werbedurchsagen bringen der Bahn zusätzliche Einnahmen, die den Betrieb mitfinanzieren.

  Manche Hinweise, etwa aufs Bordbistro, sind zugleich nützliche Informationen.

  Ein pauschales Verbot wäre schwer von wichtigen Servicehinweisen abzugrenzen.

  Andere Verkehrsmittel wie Bus und Flugzeug nutzen solche Durchsagen ebenfalls.

  Das eigentliche Problem ist oft nicht die Werbung selbst, sondern ihre Häufigkeit.

  Eine maßvolle Dosierung würde den meisten Ärger schon von allein beheben.

Zum Einordnen

Die Grenze zwischen nützlicher Information und reiner Werbung verläuft im Zug oft fließend. Am ehesten Zustimmung fände wohl eine Lösung, die werbliche Durchsagen streng begrenzt und den Ruhebereich ganz von ihnen freihält.

Was die Fahrgäste wirklich wollen

Wer die Diskussion um Werbedurchsagen nüchtern betrachtet, erkennt schnell, dass die meisten Reisenden gar nicht gegen jede zusätzliche Ansage sind.

Gestört fühlen sie sich vor allem dann, wenn dieselbe werbliche Botschaft im Minutentakt wiederholt wird und die ersehnte Ruhe zerstört.

Eine einzelne, freundlich formulierte Erwähnung des Bordbistros zu Beginn der Fahrt nimmt dagegen kaum jemand als echte Belästigung wahr.

Die Kunst liegt also weniger im vollständigen Verzicht als im richtigen Maß, das den Nutzen für die Bahn und die Ruhe der Fahrgäste zugleich achtet.

Unterm Strich

Ein völliges Verbot werblicher Durchsagen wäre schwer sauber von nützlichen Servicehinweisen abzugrenzen.

Das eigentliche Ärgernis ist ohnehin selten die einzelne Ansage, sondern ihre ständige Wiederholung.

Am überzeugendsten wäre deshalb ein maßvoller Umgang, der die Werbung streng begrenzt und den Ruhebereich ganz verschont.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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