Stimmt es, dass ein Zug fast einen Kilometer zum Bremsen braucht?

Stimmt es, dass…?

„Wenn der Lokführer bremst, hält der Zug nicht dort, wo er es sieht – sondern erst einen Kilometer weiter.“

Stimmt es, dass ein Zug fast einen Kilometer zum Bremsen braucht?

→ Ein Mythos, der erklärt, warum Züge nicht auf Sicht fahren.

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Kurz gesagt

Bei hohem Tempo stimmt das. Ein schneller Zug braucht einen sehr langen Bremsweg, der weit über einen Kilometer betragen kann. Der Grund ist die geringe Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene. Weil der Zug nicht auf Sicht anhalten kann, fährt er nach weit im Voraus stehenden Signalen.

Ein Auto kommt bei einer Vollbremsung nach wenigen Dutzend Metern zum Stehen, oft schneller als gedacht.

Bei einem Zug ist das ganz anders, denn seine gewaltige Masse und die glatte Schiene ändern alles.

Ob ein Zug wirklich fast einen Kilometer zum Bremsen braucht, ist eine Frage mit ernstem Hintergrund.

DB 155
Foto: JeremyKlatt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die kleine Fläche am Rad

Ein Zug rollt mit stählernen Rädern auf stählernen Schienen, und das hat eine wichtige Folge.

Die Berührungsfläche zwischen Rad und Schiene ist erstaunlich klein, kaum größer als eine Münze.

Über diese winzige Fläche muss der Zug beim Bremsen seine gesamte Wucht abbauen.

Weil Stahl auf Stahl nur wenig Reibung bietet, gelingt das nur langsam und über eine weite Strecke.

J39 165 Bf Leipzig Hbf, 155 060
Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Wucht der Masse

Ein Zug bringt je nach Bauart mehrere hundert Tonnen auf die Waage und ist damit außerordentlich schwer.

Diese gewaltige Masse trägt bei hohem Tempo eine ungeheure Bewegungsenergie in sich.

Um den Zug anzuhalten, muss diese ganze Energie beim Bremsen abgebaut werden.

Je schwerer und schneller der Zug, desto länger dauert es, ihn zum Stehen zu bringen.

Gut zu wissen

Der lange Bremsweg ist der Grund, warum Züge nicht auf Sicht fahren wie Autos. Stattdessen fahren sie nach Signalen, die weit im Voraus anzeigen, ob die Strecke frei ist.

Der Abstand der Signale ist auf den Bremsweg abgestimmt: Nach dem Warnsignal muss ein Zug noch sicher vor dem Haltesignal anhalten können.

Der lange Bremsweg

Aus der geringen Reibung und der großen Masse ergibt sich ein sehr langer Bremsweg.

Ein schneller Zug bei hohem Tempo kann weit über einen Kilometer brauchen, bis er steht.

Selbst bei einer Notbremsung lässt sich diese Strecke nicht beliebig verkürzen.

So legt ein Zug nach dem Beginn des Bremsens noch eine weite Strecke zurück, ehe er hält.

Warum Züge nicht auf Sicht fahren

Aus dem langen Bremsweg folgt eine entscheidende Besonderheit des Bahnverkehrs.

Ein Autofahrer kann anhalten, sobald er ein Hindernis in seiner Sichtweite erkennt.

Ein Lokführer aber sieht ein Hindernis viel zu spät, um noch rechtzeitig zum Stehen zu kommen.

Deshalb kann ein Zug nicht einfach auf Sicht fahren wie ein Auto auf der Straße.

Die Fahrt nach Signalen

Weil der Zug nicht auf Sicht anhalten kann, fährt er stattdessen nach festen Signalen.

Diese Signale stehen an der Strecke und teilen dem Lokführer weit im Voraus mit, ob die Bahn frei ist.

Ein Vorsignal kündigt schon lange vor dem eigentlichen Halt an, was ihn erwartet.

So hat der Lokführer genug Strecke, um seinen Zug rechtzeitig und sicher zum Stehen zu bringen.

Der Abstand der Signale

Der Abstand zwischen den Signalen ist genau auf den langen Bremsweg der Züge abgestimmt.

Er ist so bemessen, dass ein Zug nach dem Warnsignal noch sicher vor dem Haltesignal anhalten kann.

Deshalb sind die Signale entlang der Strecke oft mehrere hundert Meter voneinander entfernt.

Dieser Abstand ist gewissermaßen der lange Bremsweg, in Stahl und Technik gegossen.

Die vielen Bremsen des Zuges

Damit der Bremsweg nicht noch länger wird, verfügt ein Zug über mehrere Bremssysteme zugleich.

Sie wirken auf alle Räder des ganzen Zuges und nicht nur auf einige wenige.

Ein Teil der Bewegungsenergie wird beim Bremsen sogar wieder in Strom zurückverwandelt.

Erst dieses Zusammenspiel vieler Bremsen hält den langen Bremsweg überhaupt in Grenzen.

Was von dem Mythos übrig bleibt

Am Ende bestätigt sich die Behauptung für die schnellen Züge in vollem Umfang.

Ja, ein Zug bei hohem Tempo braucht einen sehr langen Bremsweg, der weit über einen Kilometer betragen kann.

Die geringe Reibung und die große Masse machen dieses Verhalten unvermeidlich.

Wer das weiß, versteht auch, warum Züge nach Signalen und niemals einfach auf Sicht fahren.

Ein Vergleich mit dem Auto

Um den langen Bremsweg zu begreifen, hilft ein Vergleich mit dem vertrauten Auto.

Ein Auto bremst mit vier Gummireifen, die sich fest in den rauen Asphalt krallen.

Ein Zug dagegen rollt mit glattem Stahl auf glattem Stahl und findet dort weit weniger Halt.

Schon dieser einfache Unterschied erklärt, warum ein Zug ein Vielfaches der Strecke eines Autos zum Bremsen braucht.

Häufige Fragen

Braucht ein Zug wirklich fast einen Kilometer zum Bremsen?
Bei hohem Tempo ja. Ein schneller Zug kann weit über einen Kilometer brauchen, bis er steht. Selbst eine Notbremsung verkürzt diese Strecke nur wenig.
Warum ist der Bremsweg so lang?
Wegen der geringen Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene und der großen Masse des Zuges. Diese Wucht lässt sich nur langsam über eine weite Strecke abbauen.
Warum fahren Züge nicht auf Sicht?
Weil der Lokführer ein Hindernis viel zu spät sähe, um noch rechtzeitig anzuhalten. Deshalb fährt der Zug nach Signalen, die weit im Voraus warnen.
Was sind Vorsignale?
Signale, die schon lange vor dem eigentlichen Haltesignal ankündigen, was den Zug erwartet. So hat der Lokführer genug Strecke, um sicher zu bremsen.
Warum stehen Signale so weit auseinander?
Weil ihr Abstand auf den langen Bremsweg abgestimmt ist. Nach dem Warnsignal muss ein Zug noch sicher vor dem nächsten Haltesignal zum Stehen kommen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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