Sollten Bahnübergänge nach und nach verschwinden?

Standpunkt

„Jeder Bahnübergang ist eine Stelle, an der Straße und Schiene um dieselben Sekunden ringen – und manchmal endet dieser Streit tödlich.“

Sollten Bahnübergänge nach und nach verschwinden?

→ Ein Standpunkt über gefährliche Kreuzungen und teure Brücken.

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Worum es geht

Ob Bahnübergänge nach und nach verschwinden sollten, ist eine Abwägung zwischen dem großen Gewinn an Sicherheit und den enormen Kosten des Umbaus. Jeder beseitigte Übergang macht das Netz sicherer und schneller, doch der Ersatz durch Brücken und Tunnel verschlingt gewaltige Summen.

An vielen tausend Stellen im Land kreuzt eine Straße die Gleise der Eisenbahn auf gleicher Höhe, gesichert nur durch Schranken und Lichter.

Diese Bahnübergänge gehören zu den gefährlichsten Orten im Verkehr und sind immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle.

Ob man sie deshalb nach und nach ganz verschwinden lassen sollte, ist eine ebenso naheliegende wie schwierige Frage.

Wiesbaden Hbf ICE T Hansestadt Rostock
Foto: Whgler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Gefahr an der Kreuzung

Der stärkste Grund, Bahnübergänge zu beseitigen, ist die große Gefahr, die von ihnen ausgeht.

Immer wieder kommt es dort zu schweren Unfällen, wenn ein Fahrzeug trotz aller Warnungen auf die Gleise gerät.

Weil ein Zug weder ausweichen noch rechtzeitig anhalten kann, enden solche Unfälle oft tödlich.

Jeder beseitigte Übergang nimmt eine dieser Gefahrenstellen für immer aus dem Netz.

München Hauptbahnhof Bahnhofshalle
Foto: Whgler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Übergang bremst den Verkehr

Neben der Gefahr behindert ein Bahnübergang auch den Verkehr auf der Straße und auf der Schiene.

Jedes Mal, wenn sich die Schranke senkt, staut sich der Straßenverkehr und muss geduldig warten.

Zugleich zwingt ein Übergang die Bahn mancherorts, langsamer zu fahren, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Ein Ersatz durch eine Brücke würde beide Verkehrswege zugleich flüssiger und schneller machen.

Der Weg zu schnelleren Strecken

Gerade auf den Strecken, die für hohes Tempo ausgebaut werden, sind Bahnübergänge nicht mehr zulässig.

Wo Züge mit sehr hoher Geschwindigkeit fahren, wäre eine Kreuzung mit der Straße viel zu gefährlich.

Deshalb müssen für schnelle Strecken alle Übergänge durch Brücken oder Unterführungen ersetzt werden.

Die Beseitigung der Übergänge ist damit auch eine Voraussetzung für eine schnellere Bahn.

Die enormen Kosten

Dem großen Nutzen steht der gewaltige finanzielle Aufwand für den Umbau gegenüber.

Eine einzige Brücke oder Unterführung anstelle eines Übergangs kostet schnell viele Millionen Euro.

Bei den vielen tausend Übergängen im Land summiert sich das zu einer schier unvorstellbaren Summe.

Diese Kosten sind der Hauptgrund, warum die Übergänge nur langsam und Stück für Stück verschwinden.

Nicht überall möglich

So wünschenswert der Umbau auch ist, er lässt sich nicht an jeder Stelle ohne Weiteres verwirklichen.

In dicht bebauten Orten fehlt oft schlicht der Platz für die Rampen einer Brücke oder Unterführung.

Manchmal müssten Häuser weichen oder ganze Straßen umgelegt werden, was auf großen Widerstand stößt.

An solchen Stellen bleibt der gesicherte Bahnübergang oft die einzige machbare Lösung.

Prioritäten setzen

Weil sich nicht alle Übergänge auf einmal beseitigen lassen, kommt es auf eine kluge Reihenfolge an.

Zuerst sollten jene Übergänge verschwinden, die besonders gefährlich oder besonders stark befahren sind.

Auch dort, wo eine Strecke ohnehin für hohes Tempo ausgebaut wird, bietet sich der Umbau an.

So lässt sich das begrenzte Geld gezielt dort einsetzen, wo es den größten Nutzen bringt.

Sicherheit bis dahin

Solange ein Übergang noch besteht, muss er so sicher wie möglich gestaltet werden.

Moderne Schranken, gute Sicht auf die Gleise und deutliche Warnungen verringern die Gefahr erheblich.

Auch die Aufklärung der Menschen über den richtigen Umgang mit dem Übergang ist von großer Bedeutung.

So lässt sich die Zeit bis zum endgültigen Umbau möglichst sicher überbrücken.

Ein möglicher Mittelweg

Vieles spricht dafür, die gefährlichsten und am stärksten befahrenen Bahnübergänge entschlossen zu beseitigen.

Dort, wo der Umbau möglich und der Nutzen groß ist, sollte das Geld gezielt und mit Vorrang eingesetzt werden.

An den übrigen Stellen kommt es darauf an, die bestehenden Übergänge so sicher wie möglich zu halten.

So ließe sich der große Gewinn an Sicherheit mit den harten Grenzen des Geldes klug in Einklang bringen.

Pro und Contra

Dafür

+  Jeder beseitigte Übergang nimmt eine tödliche Gefahrenstelle aus dem Netz.

+  Eine Brücke macht Straße und Schiene zugleich schneller und flüssiger.

+  Für schnelle Strecken sind Bahnübergänge ohnehin nicht mehr zulässig.

+  Die Schranke, die den Verkehr staut, entfällt für immer.

Dagegen

  Eine einzige Brücke kostet schnell viele Millionen Euro.

  Bei tausenden Übergängen summiert sich das zu enormen Summen.

  In dicht bebauten Orten fehlt oft der Platz für die Rampen.

  Manchmal müssten Häuser weichen oder Straßen umgelegt werden.

Gut zu wissen

Am bestehenden Bahnübergang gilt immer: Der Zug hat Vorrang und kann nicht ausweichen. Wer die Geschwindigkeit eines herannahenden Zuges unterschätzt, bringt sich in Lebensgefahr. Im Zweifel deshalb immer warten, bis der Übergang wieder frei ist.

Ein Blick auf die Zahlen

Noch immer gibt es im ganzen Land viele tausend Bahnübergänge, auch wenn ihre Zahl über die Jahre langsam, aber stetig sinkt.

Jahr für Jahr verschwindet eine gewisse Zahl von ihnen, sei es durch den Bau einer Brücke, sei es durch die Schließung eines wenig genutzten Weges.

Gemessen an der Gesamtzahl geht dieser Abbau jedoch nur schleppend voran, denn die Mittel für den teuren Umbau sind begrenzt.

Wer die Übergänge wirklich rascher verschwinden lassen will, muss deshalb vor allem die Frage nach dem nötigen Geld beantworten.

Unterm Strich

Ob Bahnübergänge nach und nach verschwinden sollten, lässt sich fast mit einem klaren Ja beantworten.

Der Gewinn an Sicherheit und Tempo durch ihre Beseitigung ist groß und wiegt schwer.

Zugleich sind die enormen Kosten und die örtlichen Grenzen des Umbaus nicht wegzudiskutieren.

Eine kluge Reihenfolge, die zuerst die gefährlichsten Übergänge beseitigt, erscheint deshalb sinnvoller als der Umbau aller Übergänge auf einmal.

Weiterfahrt

Was ist ein Bahnübergang? – Andreaskreuz und Schranke

Wie viele Brücken hat die Bahn? – über Tal und Straße

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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