Oberleitung: Wie der Strom in den Zug kommt und warum sie reißt

Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 011

„Oberleitungsschaden auf der Strecke“

Oberleitung

→ Übersetzt: Der dünnste Faden im ganzen System.

Lesezeit: 5 Minuten · Zug & Technik

Die 30-Sekunden-Antwort

Die Oberleitung ist der Draht über dem Gleis. Durch ihn fließt der Strom, der den Zug antreibt. In Deutschland liegen dort 15.000 Volt an. Der Zug holt sich die Energie mit dem Stromabnehmer auf dem Dach. Reißt der Draht, steht auf dieser Strecke sofort alles still.

Ein ICE wiegt rund 400 Tonnen. Er fährt 300 Stundenkilometer.

Seine gesamte Energie bekommt er über einen Draht. Er ist etwa so dick wie dein Daumen.

Dieser Draht ist der verletzlichste Teil der ganzen Bahn.

Ein Sturm, ein Ast, ein loser Bauzaun: Schon ist eine Hauptstrecke stundenlang tot.

Dabei ist er nicht einmal gespannt aufgehängt. Warum das so ist, verrate ich weiter unten.

Wie kommt der Strom in den Zug?

Auf dem Dach des Zuges sitzt der Stromabnehmer. Umgangssprachlich heißt er Bügel.

Er wird von unten gegen den Draht gedrückt und schleift bei der Fahrt an ihm entlang.

Oben geht der Strom hinein. Durch Räder und Schienen fließt er wieder ab.

Der Kreis ist also geschlossen. Genau deshalb bekommst du an der Schiene keinen Schlag.

Am Draht dagegen wäre es tödlich. Man muss ihn nicht einmal berühren.

Bei 15.000 Volt springt der Strom durch die Luft. Deshalb ist Klettern auf Waggons lebensgefährlich.

Wie dieser Weg genau verläuft, zeigt dieses Video anschaulich. Vom Kraftwerk bis zum Motor.

Video: „Wie kommt der Strom zum Zug?“ vom Kanal Bahnausbau Nordbayern.

Warum hängt der Draht im Zickzack?

Jetzt die Auflösung vom Anfang. Schau einmal genau hin, wenn du am Bahnsteig stehst.

Die Oberleitung verläuft nicht gerade über der Gleismitte. Sie pendelt in sanften Bögen hin und her.

Das ist volle Absicht. Würde der Draht immer dieselbe Stelle des Bügels berühren, wäre dort schnell eine Kerbe.

Durch das Zickzack wandert der Kontakt über die ganze Breite. Der Verschleiß verteilt sich.

Ein zweites Detail ist genauso klug. Der Draht hängt an Gewichten, die ihn ständig spannen.

Metall dehnt sich bei Hitze und schrumpft bei Kälte. Die Gewichte gleichen das automatisch aus.

Warum die Bahn eigenen Strom hat

Jetzt wird es kurios. Der Strom aus deiner Steckdose hat 50 Hertz.

Der Bahnstrom hat 16,7 Hertz. Es ist ein komplett eigenes Netz mit eigenen Leitungen und eigenen Kraftwerken.

Der Grund liegt gut hundert Jahre zurück. Die damaligen Motoren kamen mit der niedrigen Frequenz besser zurecht.

Heute wäre das nicht mehr nötig. Aber ein ganzes Land baut man nicht mal eben um.

Deshalb gibt es Umformerwerke. Sie übersetzen den normalen Strom in Bahnstrom.

Dieselbe Technik nutzen auch Österreich und die Schweiz. In Frankreich und Belgien gelten dagegen andere Werte.

Ein Zug über die Grenze muss also mehrere Stromarten können. Solche Mehrsystemzüge sind teuer und selten.

Was passiert beim Oberleitungsschaden?

„Wegen eines Oberleitungsschadens.“

→ Der Draht liegt unten. Wir liegen auch.

Ein gerissener Draht ist der schlimmste Schaden im Netz. Schlimmer als jede Weichenstörung.

Erst muss der Strom abgeschaltet und die Leitung geerdet werden. Vorher darf niemand ins Gleis.

Dann kommt ein Spezialfahrzeug mit Hebebühne. Der Draht wird neu gespannt und ausgerichtet.

Das dauert Stunden statt Minuten. Und alle Züge dieser Strecke suchen sich in der Zeit einen Umweg.

Was daraus entsteht, kennst du aus der Praxis: Schienenersatzverkehr.

Und wo gar kein Draht hängt?

Nicht jede Strecke in Deutschland hat eine Oberleitung. Etwa ein Drittel des Netzes ist ohne.

Dort fahren bis heute Dieselzüge. Auf manchen Strecken kommen inzwischen Akkuzüge zum Einsatz.

Sie laden unterwegs unter dem Draht und fahren das letzte Stück mit Batterie. Das spart den teuren Ausbau.

Ein Kilometer Elektrifizierung kostet nämlich mehr als ein ganzes Wohnhaus.

Der Chefübersetzer sagt

„400 Tonnen Zug hängen an einem Draht von der Dicke eines Daumens. Ich finde das jeden Morgen wieder mutig.“

Das heißt für dich am Gleis

1. Bei Oberleitungsschaden sofort umplanen. Diese Störung dauert fast immer mehrere Stunden.

2. Niemals auf Waggons klettern. Der Strom springt auch ohne Berührung über.

3. Bei Sturmwarnung früher fahren. Äste in der Leitung sind der häufigste Grund für Totalausfälle.

Weiterfahrt

Stellwerk – Begriff 005 im Wörterbuch

Weiche – Begriff 012

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Demnächst auf der Tafel: Stromabnehmer · Akkuzug · Elektrifizierung

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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