Ich verstehe nur Bahnhof · Das Wörterbuch · Begriff 012
„Eine Weichenstörung im Bahnhofsbereich“
Weiche
→ Übersetzt: Zwei Zentimeter entscheiden, wohin dein Zug fährt.
Lesezeit: 5 Minuten · Zug & Technik
Die 30-Sekunden-Antwort
Eine Weiche ist die Stelle, an der sich ein Gleis teilt.
Zwei bewegliche Schienen entscheiden, welchen Weg der Zug nimmt.
Gestellt werden sie vom Stellwerk.
Danach werden sie verriegelt und überwacht.
Meldet die Technik auch nur einen Spalt, geht das Signal auf Halt.
Die Weiche ist das Lenkrad, das der Zug nicht hat — nur liegt es im Gleis statt im Führerstand.
Ein Zug kann nicht lenken.
Er hat kein Lenkrad und keinen Willen.
Er fährt dorthin, wohin die Schienen zeigen.
Immer.
Deshalb ist die Weiche das einzige Bauteil, das über das Ziel entscheidet.
Sie ist ein Stück Stahl, das sich um wenige Zentimeter bewegt.
Und sie legt regelmäßig ganze Bahnhöfe lahm.
Im Winter bekommt sie sogar eine Heizung.
Warum, klären wir gleich.

Wie funktioniert eine Weiche?
Das Herzstück sind zwei bewegliche Schienen.
Sie heißen Zungen.
Diese Zungen sind vorn spitz geschliffen und legen sich an die feste Schiene an.
Je nachdem, welche Zunge anliegt, rollt das Rad nach links oder rechts.
Mehr Magie ist nicht dabei.
Entscheidend ist der Kontakt.
Die Zunge muss lückenlos anliegen.
Bleibt ein Spalt von wenigen Millimetern, könnte ein Rad in die falsche Rille laufen.
Das wäre eine Entgleisung.
Deshalb prüft die Technik jede Weiche vor jeder Fahrt.
Erst wenn alles verriegelt ist, gibt es Grün.
Ein Fachmann erklärt das im folgenden Video direkt am Bauteil.
Danach siehst du jede Weiche mit anderen Augen.
Video: „Wie funktioniert eine Weiche?“ vom Kanal Bahnprojekt Stuttgart–Ulm.
Warum heizt man eine Weiche?
Jetzt die Auflösung vom Anfang.
Schnee und Eis sind der Feind jeder Weiche.
Sie setzen sich genau in den Spalt, in dem sich die Zunge bewegt.
Dann lässt sie sich nicht mehr umstellen.
Oder sie liegt nicht ganz an und die Überwachung schlägt Alarm.
Deshalb sind wichtige Weichen beheizt.
Elektrisch, mit Gas oder mit Warmluft.
Bei starkem Schneefall reicht das trotzdem nicht immer.
Dann stehen Menschen mit Besen und Schaufeln im Gleis.
Das ist der wahre Grund, warum im Winter alles zusammenbricht.
Es liegt nicht am Zug, sondern an ein paar Zentimetern Stahl.
Nicht jede Weiche ist gleich
Die einfache Weiche kennt zwei Richtungen.
Sie ist der Normalfall auf freier Strecke.
In Bahnhöfen wird es komplizierter.
Dort liegen Kreuzungen und Doppelweichen ineinander verschachtelt.
Sie sparen Platz und sind dafür anfälliger.
Mehr bewegliche Teile bedeuten mehr mögliche Störungen.
Eine einzelne Weiche kostet leicht so viel wie ein Reihenhaus.
Der Einbau dauert Tage.
Warum du über Weichen langsam fährst
Geradeaus oder abbiegen
GERADEAUS · VOLLE GESCHWINDIGKEIT
Der Zug bleibt im durchgehenden Strang. Nichts bremst ihn aus.
ABZWEIGEND · OFT NUR 40 KM/H
Der Bogen ist eng. Deshalb kriecht dein Zug manchmal durch den Bahnhof.
Schnellfahrweichen schaffen auch abzweigend deutlich mehr. Sie sind aber teuer und selten.
Beim Ausfahren aus dem Bahnhof kriecht dein ICE.
Das nervt und hat einen Grund.
Der abzweigende Weg einer Weiche ist eine enge Kurve.
Je enger sie ist, desto langsamer muss der Zug sein.
Bei einfachen Weichen sind das oft nur 40 Stundenkilometer.
Geradeaus darfst du dagegen mit voller Geschwindigkeit fahren.
Auf Schnellfahrstrecken liegen deshalb Spezialweichen.
Sie sind über hundert Meter lang und erlauben deutlich mehr Tempo.
Solche Weichen kosten allerdings ein Vermögen.
Deshalb liegen sie nur dort, wo sie sich wirklich rechnen.
Jede Weiche kostet also Zeit.
Ein Bahnhof mit vielen Abzweigen bremst automatisch alle.
Warum blockiert eine Weiche den ganzen Bahnhof?
„Wegen einer Weichenstörung im Bahnhofsbereich.“
→ Ein Stahlteil klemmt. Deshalb steht jetzt Ihre halbe Region.
Vor jedem großen Bahnhof liegt ein Feld aus Weichen. Über sie werden alle Züge auf die Bahnsteige verteilt.
Fällt eine davon aus, fehlt ein Weg.
Alle anderen Züge müssen sich die verbliebenen teilen.
Aus vier möglichen Einfahrten werden dann zwei.
Der Rest wartet vor der Stadt.
Repariert wird oft von Hand.
Ein Mitarbeiter kurbelt die Weiche mit einer Stange um und sichert sie.
Solange muss jede Fahrt einzeln freigegeben werden.
Wer diese Freigaben erteilt, steht hier: das Stellwerk.
Und wie sich so eine Störung über den Tag ausbreitet, erklärt Warum Züge zu spät sind.
Was eine Weichenstoerung wirklich bedeutet
Eine gestoerte Weiche ist selten kaputt im eigentlichen Sinn.
Meist meldet die Technik nur, dass sie die Endlage nicht sicher erkennt.
Und dann gilt eine harte Regel: Was nicht sicher verriegelt ist, wird nicht befahren.
Ein Mitarbeiter muss dann vor Ort nachsehen.
Das dauert, besonders nachts und bei Schnee.
Solange steht der Verkehr in diesem Bereich.
Nicht aus Vorsicht, sondern aus Prinzip.
Diese Regel ist unbequem.
Sie ist auch der Grund, warum in Deutschland so selten etwas passiert.
Warum eine Weiche im Winter beheizt wird
Eine Weiche funktioniert nur, wenn die bewegliche Zunge sauber an der Schiene anliegt.
Schon ein Eiskorn dazwischen reicht.
Dann meldet die Weiche keinen Endlagenschluss und das Signal bleibt rot.
Deshalb liegen in den wichtigen Weichen elektrische Heizstäbe.
Sie schalten sich automatisch ein.
Auf großen Bahnhöfen kommt Gasheizung dazu, die man im Winter manchmal als kleine Flamme brennen sieht.
Nicht jede Weiche im Land ist beheizt.
In kleinen Bahnhöfen rückt bei starkem Schneefall noch ein Mensch mit Besen aus.
Warum eine Weichenstörung so viel lahmlegt
Eine einzelne Weiche wirkt unbedeutend.
Bis sie klemmt.
In einem großen Bahnhof laufen alle Gleise durch wenige Weichenstraßen.
Fällt eine davon aus, ist die Verbindung zwischen halben Bahnhofsteilen weg.
Manche Weichen kann man von Hand umstellen und dann festlegen.
Das dauert und geht nur mit Personal vor Ort.
Danach fährt jeder Zug über diesen Punkt einzeln und langsam.
Aus einer klemmenden Zunge werden so hundert verspätete Züge im Umkreis von zweihundert Kilometern.
Alle Fragen zum Thema
Wie funktioniert eine Weiche?
Zwei bewegliche Zungen liegen an den festen Schienen an. Ein Antrieb schiebt sie zur einen oder anderen Seite. Je nachdem, welche Zunge anliegt, rollt der Zug geradeaus oder ab.
Wer stellt die Weiche?
Im Normalfall der Fahrdienstleiter aus dem Stellwerk, meist automatisch über eine gespeicherte Fahrstraße. Bei alten Anlagen zieht ein Mensch an einem Hebel. Der Lokführer stellt nie selbst.
Warum fahren Züge über Weichen so langsam?
Weil der abzweigende Strang enger gebogen ist als die Hauptstrecke. Je enger der Bogen, desto niedriger das erlaubte Tempo. Manche Hochgeschwindigkeitsweichen erlauben aber bis zu zweihundert Stundenkilometer.
Was ist eine Kreuzungsweiche?
Eine Weiche, in der sich zwei Gleise kreuzen und gleichzeitig verbunden sind. Sie spart Platz auf engen Bahnhöfen. Dafür ist sie teurer und störanfälliger.
Wie oft muss eine Weiche gewartet werden?
Mehrmals im Jahr. Sie wird geschmiert, vermessen und auf Risse geprüft. Weichen sind die verschleißintensivsten Bauteile im Gleis.
Was kostet eine Weiche?
Je nach Bauart mehrere hunderttausend Euro, große Hochgeschwindigkeitsweichen deutlich mehr. Dazu kommt der Einbau, für den die Strecke gesperrt werden muss.
Was ist ein Weichenlaufweg?
Der Weg, den die Zunge beim Umstellen zurücklegt. Er beträgt nur wenige Zentimeter. Genau deshalb reicht ein kleines Hindernis, um die Weiche zu blockieren.
Was bedeutet „Weiche gestört“ in der Durchsage?
Die Weiche meldet dem Stellwerk keine sichere Endlage. Das kann an Eis, an einem Fremdkörper oder am Antrieb liegen. Bis der Fehler behoben ist, bleibt der Fahrweg gesperrt.
Warum spürt man Weichen im Zug so deutlich?
Weil das Rad an der Herzstücklücke kurz ohne durchgehende Auflage rollt. Das ergibt den typischen Schlag. Moderne Weichen mit beweglichem Herzstück vermeiden das.
Der Chefübersetzer sagt
„Die Weiche ist das ehrlichste Bauteil der Bahn.
Sie kennt nur zwei Meinungen und hält sich strikt daran.“
Das heißt für dich am Gleis
1. Weichenstörung am Hauptbahnhof heißt: Es trifft alle Linien.
Such dir sofort eine Alternative.
2. Im Winter größere Puffer einplanen.
Schnee legt zuerst die Weichen lahm.
3. Wenn dein Zug ruckelnd durch ein Weichenfeld kriecht, ist das normal. Über Weichen gilt fast immer Tempolimit.
Weiterfahrt
→ Stellwerk – Begriff 005 im Wörterbuch
→ Oberleitung – Begriff 011
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