Leihfahrräder an jedem Bahnhof? Pro und Contra

Standpunkt · Pro & Contra

„Aus dem Zug gestiegen, aufs Leihrad geschwungen – wäre da nur eins verfügbar.“

Leihfahrräder an jedem Bahnhof?

→ Am Zielbahnhof das Auto zu Hause – aber wie weiter? Sollte an jedem Bahnhof ein Leihrad warten?

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Worum es geht

Leihräder lösen ein altes Problem: die letzte Meile vom Bahnhof zum Ziel. In Großstädten gibt es sie längst, an kleinen Bahnhöfen fast nie. Ob ein flächendeckendes Angebot sinnvoll ist, hängt an Nachfrage und Kosten.

Die Bahn bringt einen zuverlässig in die Stadt – aber selten genau ans Ziel.

Für die letzten ein, zwei Kilometer braucht es dann doch wieder ein Verkehrsmittel.

Ein Leihrad am Bahnhof wäre die ideale Lösung.

In großen Städten ist das längst Alltag.

An kleineren Bahnhöfen aber sucht man Leihräder oft vergeblich.

Sollte es sie überall geben?

Baureihe 101 im Kölner Hauptbahnhof
Foto: Rolf Heinrich, Köln, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die letzte Meile

Das größte Hindernis für die Bahn ist selten die Hauptstrecke, sondern der Weg danach.

Wer am Bahnhof ankommt und noch drei Kilometer vor sich hat, überlegt es sich zweimal – und nimmt im Zweifel doch das Auto.

Ein Leihrad direkt am Bahnhof schließt genau diese Lücke.

Ohne eigenes Rad, ohne Warten auf den Bus kommt man flexibel und schnell ans Ziel.

Die Rad-Bahn-Kette funktioniert dann in beide Richtungen.

Wie Leihräder funktionieren

Moderne Leihradsysteme sind einfach: Per App entriegelt man ein Rad, fährt los und stellt es am Ziel wieder ab.

Es gibt Systeme mit festen Stationen und solche, bei denen die Räder frei im Stadtgebiet verteilt sind.

Für den Bahnkunden ist das ideal, weil er kein eigenes Rad mitschleppen und am Bahnhof sichern muss.

Das Rad steht bereit, wenn man es braucht, und ist weg, wenn man es nicht mehr benötigt.

Wo es sich lohnt

In dicht besiedelten Städten mit vielen Nutzern rechnen sich Leihräder gut.

Die Räder sind ständig im Einsatz, und die Kosten verteilen sich auf viele Fahrten.

An einem kleinen Landbahnhof mit wenigen Reisenden sieht es anders aus.

Dort stünden die Räder oft ungenutzt herum, und der Aufwand für Wartung und Umverteilung stünde in keinem Verhältnis zur Nutzung.

Ein Baustein von vielen

Leihräder sind nur eine von mehreren Lösungen für die letzte Meile.

Daneben stehen Busse, Sammeltaxis, das eigene im Parkhaus abgestellte Rad und zu Fuß gehen.

Kein einzelnes Mittel passt überall – es kommt auf die Mischung an.

Ein Leihrad glänzt vor allem dort, wo viele verschiedene Menschen spontan kurze Wege zurücklegen: in Städten, an Hochschulen, in Gewerbegebieten.

Dort ist es oft die flexibelste und schnellste Option.

Auf dem Land, wo dieselben Pendler täglich dieselbe Strecke fahren, ist dagegen das eigene Rad im sicheren Parkhaus meist die bessere Wahl.

Die Frage ist selten Leihrad oder nichts, sondern welches Mittel wo am besten passt.

Elektrotriebwagen der Baureihe 427 in Stuttgart
Foto: Harald Knauer, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Verlässlichkeit entscheidet

Damit ein Leihradsystem angenommen wird, muss es verlässlich sein.

Nichts ist ärgerlicher, als am Bahnhof anzukommen und kein funktionierendes Rad vorzufinden – oder am Ziel keinen Platz zum Abstellen.

Das erfordert ständige Pflege: kaputte Räder reparieren, die Verteilung ausgleichen, die App am Laufen halten.

Genau dieser Aufwand macht Leihräder teuer und ist der Grund, warum sie sich nicht überall rechnen.

Wo dieser Aufwand aber geleistet wird, entfaltet das System seinen vollen Nutzen.

Ein verlässliches Leihrad am Bahnhof kann den entscheidenden Unterschied machen, ob jemand das Auto stehen lässt oder nicht.

Ein Bild für die ganze Stadt

Leihräder prägen mittlerweile das Bild vieler Bahnhofsvorplätze.

Ordentlich aufgereiht signalisieren sie: Hier endet die Bahn nicht, hier geht es weiter.

Das macht den Umstieg selbstverständlich und sichtbar.

Umgekehrt hinterlassen achtlos abgestellte Leihräder auch schnell ein Bild der Unordnung.

Ein gutes System braucht deshalb klare Abstellregeln, damit aus dem Angebot kein Ärgernis wird.

Richtig gemacht, wird das Leihrad am Bahnhof so zum sichtbaren Zeichen einer Stadt, die den Umstieg ernst nimmt – und zum kleinen, aber wirksamen Baustein der Verkehrswende.

Die Argumente

Dafür

+  Leihräder lösen die letzte Meile und machen die Bahn erst richtig alltagstauglich – gerade für Menschen ohne eigenes Rad am Ziel.

+  Man muss kein Rad mitnehmen und am Bahnhof sichern. Das entlastet die Züge und spart den Ärger mit Diebstahl.

+  Ein dichtes Leihrad-Netz senkt die Hürde, das Auto stehen zu lassen – ein Gewinn für Klima und Städte.

+  Für Gelegenheitsfahrer und Touristen ist ein Leihrad oft die einzige unkomplizierte Möglichkeit, flexibel weiterzukommen.

Dagegen

  An kleinen Bahnhöfen fehlt die Nachfrage. Dort stünden die Räder meist ungenutzt – ein teures Angebot für wenige.

  Leihradsysteme sind aufwendig: Wartung, Reparatur und das ständige Umverteilen der Räder kosten viel Geld und Personal.

  Vandalismus und Diebstahl setzen den Rädern zu, besonders an wenig frequentierten Orten ohne soziale Kontrolle.

  Oft täte es auch ein gutes eigenes Rad im sicheren Parkhaus – nicht jeder Bahnhof braucht ein eigenes Leihsystem.

Der Kern der Debatte

Dass die letzte Meile gelöst werden muss, ist unstrittig. Gestritten wird, ob Leihräder an wirklich jedem Bahnhof der richtige Weg sind – oder ob sie sich nur dort lohnen, wo genug Menschen sie nutzen.

Wie man es sehen kann

Wer die Verkehrswende will, sieht in Leihrädern einen starken Baustein: Sie machen die Bahn flexibel bis zur Haustür und ersetzen manche Autofahrt.

Wer auf die Kosten schaut, mahnt zur Auswahl.

An großen Bahnhöfen sind Leihräder sinnvoll, an kleinen oft nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Ein kluger Weg staffelt das Angebot: dichte Leihradnetze in den Städten und an großen Knoten, ergänzt durch gute Radabstellanlagen und Busanbindung im ländlichen Raum.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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