Ich verstehe nur Bahnhof
„Der Güterzug rückt zur Seite, der ICE rauscht vorbei – und Sekunden später rollt auch der Langsame wieder los.“
Überholgleis: Wo der langsame Zug den schnellen vorbeilässt
→ Alles über das Gleis, auf dem Züge einander vorbeilassen.
Lesezeit: 8 Minuten · Bahn-Lexikon
Kurz gesagt
Ein Überholgleis ist ein zusätzliches Gleis, auf das ein langsamer Zug ausweicht, damit ein schnellerer vorbeifahren kann. So müssen die schnellen Züge nicht hinter den langsamen herzuckeln. Das Überholgleis hält den Verkehr auf einer Strecke geschmeidig und dicht.
Auf einer Bahnstrecke fahren ganz unterschiedliche Züge, schnelle und langsame, dicht hintereinander.
Ohne eine kluge Lösung müsste ein schneller Zug ständig hinter einem langsamen herzuckeln.
Damit das nicht geschieht, gibt es an vielen Strecken ein besonderes Gleis, das Überholgleis.

Ein Gleis zum Ausweichen
Ein Überholgleis ist ein zusätzliches Gleis neben der eigentlichen durchgehenden Strecke.
Auf dieses Gleis kann ein Zug ausweichen, um dort für kurze Zeit zu warten.
Während er wartet, fährt ein anderer, schnellerer Zug auf dem Hauptgleis an ihm vorbei.
Danach kehrt der wartende Zug auf das Hauptgleis zurück und setzt seine Fahrt fort.

Das Problem der Geschwindigkeit
Auf einer Strecke fahren Züge mit ganz unterschiedlicher Geschwindigkeit.
Ein schwerer Güterzug ist langsam, ein schneller Fernzug will dagegen zügig vorankommen.
Ohne Ausweichmöglichkeit müsste der schnelle Zug hinter dem langsamen bleiben.
So würde der schnelle Zug ausgebremst und käme viel später an seinem Ziel an.
Gut zu wissen
Ein Überholgleis dient dem kurzen Ausweichen: Ein langsamer Zug wartet dort nur wenige Minuten, um einen schnelleren vorbeizulassen. Ein Abstellgleis dagegen dient dem langen Parken eines Zuges.
Besonders wichtig sind Überholgleise an eingleisigen Strecken, weil dort sonst gar kein Vorbeifahren möglich wäre. Damit es gelingt, muss der Fahrplan genau geplant sein.
Wie das Überholen abläuft
Nähert sich ein schneller Zug, so lenkt man den langsamen rechtzeitig auf das Überholgleis.
Dort kommt der langsame Zug zum Stehen und wartet geduldig auf einem Nebengleis.
Der schnelle Zug rauscht unterdessen auf dem freien Hauptgleis an ihm vorbei.
Ist er vorüber, fährt der langsame Zug wieder auf das Hauptgleis und setzt seine Fahrt fort.
Der Gewinn für den Fahrplan
Das Überholgleis ist für einen geschmeidigen Fahrplan von großer Bedeutung.
Es erlaubt, schnelle und langsame Züge auf derselben Strecke fahren zu lassen.
Die schnellen Züge werden nicht ausgebremst und die langsamen halten sie nicht auf.
So passen weit mehr Züge auf eine Strecke, als es ohne diese Ausweichmöglichkeit ginge.
Der Unterschied zum Abstellgleis
Ein Überholgleis darf man nicht mit einem Abstellgleis verwechseln, das eine andere Aufgabe hat.
Auf einem Abstellgleis wird ein Zug für längere Zeit geparkt, wenn er nicht gebraucht wird.
Auf einem Überholgleis dagegen wartet ein Zug nur wenige Minuten, um einen schnelleren vorbeizulassen.
Das eine dient dem langen Ruhen, das andere nur dem kurzen Ausweichen im laufenden Betrieb.
Wo Überholgleise liegen
Überholgleise findet man in regelmäßigen Abständen entlang vieler Strecken.
Oft liegen sie an einem Bahnhof, wo ohnehin schon mehrere Gleise nebeneinander verlaufen.
An eingleisigen Strecken sind sie besonders wichtig, weil dort sonst gar kein Vorbeifahren möglich wäre.
So sorgen sie überall dafür, dass der Verkehr trotz unterschiedlicher Geschwindigkeiten fließt.
Die Kunst der richtigen Planung
Damit ein Überholen gelingt, muss der Fahrplan genau geplant sein.
Der langsame Zug muss rechtzeitig auf dem Überholgleis stehen, bevor der schnelle kommt.
Ist die Planung ungenau, wartet der langsame Zug entweder zu lange oder hält den schnellen doch auf.
So steckt hinter jedem reibungslosen Überholen eine sorgfältige Arbeit der Fahrplaner.
Ein stiller Helfer im Betrieb
Am Ende ist das Überholgleis einer jener stillen Helfer, die den Betrieb erst geschmeidig machen.
Ohne es müssten alle Züge einer Strecke im Tempo des langsamsten fahren.
Mit ihm können schnelle und langsame Züge dieselbe Strecke teilen, ohne sich zu behindern.
Wer das Prinzip kennt, versteht, warum an mancher Strecke ein Zug kurz zur Seite rückt.
Die Bedeutung an eingleisigen Strecken
Ihre größte Bedeutung entfalten Überholgleise auf den vielen eingleisigen Nebenstrecken.
Dort teilen sich die Züge beider Richtungen ein einziges durchgehendes Gleis.
Ohne ein Ausweichgleis könnten sich zwei Züge niemals begegnen oder überholen.
Erst das Überholgleis macht auf solchen Strecken einen geregelten Verkehr überhaupt möglich.
Ein Blick aus dem Fenster
Aufmerksame Reisende können das Überholen bei einer Zugfahrt manchmal selbst beobachten.
Hält der eigene Zug scheinbar grundlos auf freier Strecke oder an einem kleinen Bahnhof, lohnt der Blick nach draußen.
Oft rauscht dann nach kurzer Zeit ein schnellerer Zug auf dem Nachbargleis vorbei.
Gleich darauf setzt sich der eigene Zug wieder in Bewegung, und die kurze Wartezeit ist erklärt.
Häufige Fragen
Was ist ein Überholgleis?
Warum braucht es Überholgleise?
Wie läuft ein Überholen ab?
Was ist der Unterschied zum Abstellgleis?
Wo liegen Überholgleise?
Weiterfahrt
→ Was ist ein Abstellgleis? – wo Züge Pause machen
→ Haben Güterzüge Vorrang? – wer zuerst fahren darf
