Bahn-Slam · Standpunkt
„Willkommen an Bord. Das WLAN verbindet Sie mit der Welt – sobald wir das nächste Funkloch verlassen haben.“
WLAN-Pflicht im Zug?
→ Internet im Zug: selbstverständlich wie Licht – oder teurer Luxus, der am nächsten Tunnel scheitert?
Lesezeit: 7 Minuten · Service & Technik
Worum es geht
Im ICE gibt es kostenloses WLAN, im Nahverkehr nur selten. Eine Pflicht würde es überall vorschreiben. Das Problem: Das Zug-WLAN zapft den Mobilfunk entlang der Strecke an – wo draußen kein Netz ist, hilft auch kein WLAN. Befürworter sehen Teilhabe und einen Standortvorteil gegen Auto und Flug. Gegner sagen: Erst müssen Funklöcher und Pünktlichkeit weg, dann das WLAN.
Kaum sitzt man im Zug, sucht die Hand das Handy und das Handy das Netz.
Im ICE heißt das Zauberwort WIFIonICE – kostenlos, für alle.
Im Regionalzug dagegen herrscht oft Funkstille, im wörtlichen Sinn.
Soll die Politik WLAN in jedem Zug zur Pflicht machen? Die Idee klingt gut – und stößt schnell an eine physikalische Grenze.

Wie WLAN im Zug funktioniert
Der Zug hat keine eigene Leitung ins Internet. Antennen auf dem Dach fangen das Mobilfunknetz entlang der Strecke ein und verteilen es im Wagen.
Ist draußen kein Netz, ist auch drinnen keins. Das WLAN ist nur so gut wie der Mobilfunk neben den Gleisen.
Erschwerend kommt hinzu: Viele ICE-Fenster tragen eine dünne Metallschicht als Sonnenschutz. Sie wirkt wie ein Käfig und sperrt das Funksignal aus. Neue Züge wie der ICE 3neo haben deshalb durchlässige Scheiben ab Werk.
Warum der Nahverkehr hinterherhinkt
Im Nahverkehr ist WLAN die Ausnahme. Die Strecken führen oft durch Gegenden, in denen selbst das normale Handynetz schwächelt.
Bestellt und bezahlt wird der Regionalverkehr von den Ländern – ob WLAN an Bord ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.
Der Bund hat angekündigt, kostenloses WLAN auch in die Regionalzüge bringen zu wollen. Die Frage ist nur: gegen die Funklöcher hilft der beste Router nichts.
Die Argumente
Dafür
+ Arbeiten und lernen unterwegs: Wer im Zug online sein kann, nutzt die Reisezeit – ein echter Vorteil gegenüber dem Auto.
+ Teilhabe: Nicht alle haben ein großes Datenvolumen. Kostenloses WLAN macht das Netz für alle zugänglich.
+ Standortfaktor: Verlässliches Internet macht die Bahn attraktiver – gerade für Pendler und Geschäftsreisende.
+ Zeitgemäß: In vielen Ländern ist WLAN im Zug längst Standard. Eine Pflicht würde Deutschland aufschließen lassen.
Dagegen
− Die Physik bleibt: WLAN ist nur so gut wie der Mobilfunk draußen. Eine Pflicht auf dem Papier beseitigt kein einziges Funkloch.
− Falsche Priorität: Viele Fahrgäste hätten lieber pünktliche Züge und saubere Toiletten als noch einen Router.
− Eigenes Netz reicht oft: Wer Datenvolumen hat, fährt über das eigene Handy meist besser als über ein überlastetes Zug-WLAN.
− Kosten und Zuständigkeit: Nachrüstung kostet Millionen – und im Nahverkehr müssten die Länder zahlen, nicht der Bund, der die Pflicht ausruft.
So nutzen Sie WIFIonICE
Im ICE und vielen IC wählen Sie im WLAN-Menü das Netz „WIFIonICE“ und bestätigen kurz im Startfenster – kostenlos, ohne Passwort. Im Nahverkehr gibt es WLAN nur auf einzelnen Strecken. Reißt die Verbindung ab, liegt es fast immer am Mobilfunknetz entlang der Strecke, nicht am Router im Zug.
Und nun?
Eine WLAN-Pflicht klingt bürgerfreundlich – und wäre doch nur die halbe Miete.
Solange neben den Gleisen Funklöcher klaffen, bringt der schönste Router im Zug nichts.
Ehrlicher wäre es, zwei Dinge zusammen anzugehen: den Mobilfunk entlang der Strecken ausbauen und die Züge mit durchlässigen Scheiben nachrüsten. Dann kommt das WLAN von allein – ganz ohne Pflicht.
Weiterfahrt
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