Bahn-Slam · Zahlen, bitte
„An dieser Stelle hätte Ihr Zug auch woanders hinfahren können. Eine von 64.000 Weichen hat sich entschieden.“
Wie viele Weichen hat das Netz?
→ Ohne Weichen führe jeder Zug ewig geradeaus. 64.000 kleine Entscheidungen halten das Netz zusammen.
Lesezeit: 6 Minuten · Netz & Technik
Kurz gesagt
Im deutschen Bahnnetz liegen rund 64.000 Weichen. Jede von ihnen ist ein bewegliches Stück Gleis, das einen Zug von einer Schiene auf die andere leitet – die Verzweigung, ohne die es kein Netz gäbe, sondern nur einzelne Linien. Weichen sind teuer, verschleißanfällig und aufwendig zu warten: Rund 15.800 gelten als erneuerungsbedürftig, jährlich werden etwa 1.900 ausgetauscht. Zwei Drittel aller neuen Weichen kommen aus einem einzigen Werk in Witten.
Ein Gleis allein ist eine Einbahnstraße ohne Ausfahrt.
Erst die Weiche macht daraus ein Netz: Sie ist die Stelle, an der sich zwei Gleise treffen – und an der ein Zug wählen kann, wohin er fährt.
Man übersieht sie leicht. Dabei entscheidet an jeder Weiche ein bewegliches Stück Stahl darüber, ob der Zug nach links oder rechts rollt.
Und davon gibt es im Netz erstaunlich viele.

Die große Zahl
Rund 64.000 Weichen liegen im deutschen Bahnnetz.
Jede besteht aus beweglichen Schienen, den sogenannten Zungen, die sich an die eine oder andere Seite anlegen.
Ein Antrieb stellt sie in Sekunden um – ferngesteuert aus dem Stellwerk.
Ohne diese 64.000 Verzweigungen gäbe es keine Bahnhöfe, keine Überholgleise, keine Ausweichstellen: nur endlose, starre Linien.
Weichen im Netz
≈ 64.000
Weichen insgesamt
im Netz der DB InfraGO
≈ 15.800
erneuerungsbedürftig
fast jede vierte Weiche
≈ 1.900
pro Jahr erneuert
Austausch im laufenden Betrieb
2/3
aus einem Werk
das Weichenwerk Witten fertigt den Großteil
Sekunden
Umstellzeit
ferngesteuert aus dem Stellwerk
Quelle: DB InfraGO, Zustandsbericht Netz. Zahlen gerundet.
Warum Weichen so viel Arbeit machen
Eine Weiche ist der komplizierteste Punkt im Gleis.
Hier laufen bewegliche Teile, Antrieb, Heizung und Elektronik zusammen – und alles muss bei jedem Wetter funktionieren.
Im Winter werden Weichen beheizt, damit sie nicht einfrieren und sich noch stellen lassen.
Und weil an ihnen zwei Schienen zusammenlaufen, verschleißen sie schneller als gerade Gleise – jede zweite Panne im Netz hat mit einer Weiche zu tun.
Was eine Weiche kostet
Eine einfache Weiche kostet schnell einen sechsstelligen Betrag – große Weichen für hohe Geschwindigkeiten noch weit mehr.
Dazu kommt der Einbau, der die Strecke oft für Tage sperrt.
Zwei Drittel aller neuen Weichen fertigt ein einziges Werk in Witten – ein Nadelöhr, an dem das ganze Netz hängt.
Die stille Entscheidung
Wenn Ihr Zug in einen Bahnhof einfährt und sanft aufs richtige Gleis schwenkt, war das eine Weiche.
Wenn ein verspäteter ICE überholt wird, hat eine Weiche ihn aufs Nebengleis geleitet.
64.000 Mal im Netz kann sich ein Zug entscheiden – und meistens merkt der Fahrgast es nicht einmal.
Zum Weiterdenken
Fällt eine wichtige Weiche aus, staut sich der Verkehr wie an einer defekten Kreuzung.
Deshalb ist der Zustand der Weichen so wichtig wie der der Gleise – nur weniger sichtbar.
Fast jede vierte Weiche gilt als erneuerungsbedürftig. Das ist die stille Baustelle unter dem Zug.
Häufige Fragen zu Weichen
Wie viele Weichen hat das deutsche Bahnnetz?
Was ist eine Weiche überhaupt?
Wie schnell stellt sich eine Weiche?
Warum sind Weichen so wartungsintensiv?
Wie viele Weichen müssen erneuert werden?
Woher kommen die Weichen?
Quellen
DB InfraGO, Zustandsbericht Netz: Zahl der Weichen (rund 64.000), Anteil erneuerungsbedürftiger Weichen, jährlicher Austausch, Anteil aus dem Werk Witten.
Alle Zahlen gerundet. Stand: September 2026.
Weiterfahrt
→ Wie viele Brücken hat die Bahn? – das Bauwerk-Netz in Zahlen
→ Ortstermin: Rangierbahnhof Maschen – wo Tausende Weichen zusammenkommen
→ Fällt die Bahn im Winter aus? – was Weichen mit Schnee zu tun haben
