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„Nächster Halt: Steckdose der Republik. Vorsicht, Hochspannung.“
Wie viel Strom verbraucht die Bahn? Über 10 Terawattstunden – und ist trotzdem sparsam
→ Größter Stromkunde des Landes – und einer der effizientesten
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Kurz gesagt
Die Deutsche Bahn zieht über 10 Terawattstunden Strom im Jahr aus dem Netz – mehr als jedes andere Unternehmen im Land. Warum das gemessen an der Verkehrsleistung trotzdem wenig ist, was der eigentümliche 16,7-Hertz-Bahnstrom damit zu tun hat und woher der Strom kommt.

Die Zahl im Überblick
Züge fahren, heizen, bremsen, klimatisieren – und das alles kostet Energie.
Für den reinen Zugbetrieb zieht die Deutsche Bahn über 10 Terawattstunden Strom pro Jahr aus dem Netz.
Zum Vergleich: Ganz Deutschland verbraucht rund 500 Terawattstunden im Jahr.
Die Bahn ist damit der größte einzelne Stromkunde des Landes – und liegt trotzdem nur bei etwa einem Prozent des Gesamtverbrauchs.
Diese eine Zahl trägt eine ganze Verkehrsleistung: Millionen Fahrgäste täglich und dazu ein großer Teil des Güterverkehrs auf der Schiene.
Wer den Strom auf die transportierten Personen und Tonnen umrechnet, sieht schnell, warum die Bahn als sparsam gilt.
Bahnstrom in Zahlen
>10 TWh
Bahnstrom pro Jahr
nur für den Zugbetrieb
rund 1%
des Stromverbrauchs
größter Einzelkunde Deutschlands
16,7 Hz
Frequenz des Bahnstroms
ein eigenes Netz
Quellen: Deutsche Bahn / DB Energie; Gesamtverbrauch nach Bundesnetzagentur.
TWh = Terawattstunde = eine Milliarde Kilowattstunden.
Warum die Bahn ihren eigenen Strom hat
Ein Blick auf die Oberleitung verrät ein Kuriosum: Der deutsche Bahnstrom hat nicht die 50 Hertz aus der heimischen Steckdose, sondern 16,7 Hertz.
Der Grund ist historisch.
Als die Eisenbahn Anfang des 20. Jahrhunderts elektrifiziert wurde, kamen die damaligen Motoren mit der niedrigen Frequenz besser zurecht.
1912 einigten sich mehrere Bahnverwaltungen auf diesen Standard – und dabei blieb es bis heute.
Aus dieser Entscheidung wuchs ein komplettes zweites Stromnetz.
Die Bahn betreibt tausende Kilometer eigene Bahnstromleitungen und zahlreiche Umformer- und Umrichterwerke, die den normalen Landesstrom in Bahnstrom übersetzen.
Dieses eigene Netz ist der Grund, warum ein Stromausfall in der Stadt nicht automatisch die Züge stehen lässt – und umgekehrt.
Das eigene Netz hat noch einen zweiten Vorteil: Die Bahn kann ihren Strombedarf über große Entfernungen ausgleichen.
Läuft im Norden viel Windstrom an, während im Süden gerade viele Züge zugleich anfahren, transportieren die Bahnstromleitungen die Energie quer durchs Land dorthin, wo sie gebraucht wird.
Das Netz wirkt so wie ein großer Puffer für Angebot und Nachfrage.
Bahnstrom, kurz erklärt
Fahrleitung: 15.000 Volt bei 16,7 Hertz – das ist der Standard in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Umformerwerke wandeln 50-Hertz-Landesstrom in 16,7-Hertz-Bahnstrom um.
Nicht elektrifizierte Strecken werden weiter mit Diesel befahren – noch rund 40 Prozent des Netzes.
Woher der Strom kommt
Beschafft und verteilt wird der Bahnstrom von der Konzerntochter DB Energie.
Der Strommix ist über die Jahre grüner geworden: Wasserkraft, Windparks und langfristige Lieferverträge für Ökostrom decken inzwischen einen großen Teil ab.
Die Bahn hat sich vorgenommen, bis 2038 vollständig auf Ökostrom umzustellen; schon heute liegt der erneuerbare Anteil bei deutlich über der Hälfte.
Das ist mehr als Imagepflege.
Weil die Bahn so viel Strom braucht, entscheidet ihr Mix spürbar mit über die Klimabilanz des gesamten Verkehrs.
Je grüner der Bahnstrom, desto größer der Vorsprung der Schiene gegenüber Auto und Flugzeug.

Größter Verbraucher – und trotzdem sparsam
Der scheinbare Widerspruch löst sich mit einem Blick auf die Leistung.
Eine einzige Fahrleitung versorgt ganze Zugketten mit hunderten Menschen.
Im Fernverkehr wird der allergrößte Teil der Verkehrsleistung elektrisch erbracht.
Pro Kopf und pro gefahrenem Kilometer verbraucht die Bahn dadurch nur einen Bruchteil dessen, was dieselben Menschen einzeln im Auto benötigen würden.
Hinzu kommt ein technischer Trick: die Rekuperation.
Bremst ein moderner Zug, arbeiten seine Motoren als Generatoren und speisen Strom zurück in die Oberleitung.
Ein anfahrender Zug in der Nähe nutzt ihn sofort.
So wandert Energie im Netz von Zug zu Zug, statt als Wärme zu verpuffen.
Zehn Terawattstunden entsprechen rechnerisch dem Jahresverbrauch von mehreren Millionen Haushalten – eine gewaltige Menge.
Verteilt auf die riesige Verkehrsleistung der Bahn relativiert sie sich jedoch sofort.
Entscheidend ist eben nicht, wie viel ein Verkehrsmittel insgesamt verbraucht, sondern wie viel es je beförderter Person und je Kilometer benötigt.
Was das für die Energiewende heißt
Mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern heißt also nicht automatisch, mehr fossile Energie zu verbrauchen – im Gegenteil.
Elektrischer Bahnverkehr lässt sich mit Wind und Sonne betreiben, ein Verbrennerauto nicht.
Genau deshalb spielt die Bahn in fast jedem Klimaszenario für den Verkehr eine tragende Rolle.
Zum Einordnen
Über 10 Terawattstunden klingen gewaltig – verteilt auf Milliarden Personen- und Tonnenkilometer sind sie es nicht.
Entscheidend ist der Verbrauch je Leistung, nicht die absolute Zahl.
Je höher der Ökostromanteil, desto sauberer wird jede einzelne Zugfahrt.
Häufige Fragen
Warum hat die Bahn nicht einfach 50 Hertz wie alle anderen?
Fahren wirklich alle Züge elektrisch?
Verbraucht ein voller Zug mehr Strom als ein leerer?
Bringt Ökostrom bei der Bahn überhaupt etwas?
Weiterfahrt
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