Wie viel Strom verbraucht die Bahn? Über 10 Terawattstunden – Deutschlands größter Stromverbraucher in Zahlen

ZAHLEN, BITTE

„Nächster Halt: Steckdose der Republik. Vorsicht, Hochspannung.“

Wie viel Strom verbraucht die Bahn? Über 10 Terawattstunden – und ist trotzdem sparsam

→ Größter Stromkunde des Landes – und einer der effizientesten

Lesezeit: 6 Minuten · Schalter „Zahlen, bitte“

Kurz gesagt

Die Deutsche Bahn zieht über 10 Terawattstunden Strom im Jahr aus dem Netz – mehr als jedes andere Unternehmen im Land. Warum das gemessen an der Verkehrsleistung trotzdem wenig ist, was der eigentümliche 16,7-Hertz-Bahnstrom damit zu tun hat und woher der Strom kommt.

Baureihe 146 im Kölner Hauptbahnhof
Foto: Rolf Heinrich, Köln, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die Zahl im Überblick

Züge fahren, heizen, bremsen, klimatisieren – und das alles kostet Energie.

Für den reinen Zugbetrieb zieht die Deutsche Bahn über 10 Terawattstunden Strom pro Jahr aus dem Netz.

Zum Vergleich: Ganz Deutschland verbraucht rund 500 Terawattstunden im Jahr.

Die Bahn ist damit der größte einzelne Stromkunde des Landes – und liegt trotzdem nur bei etwa einem Prozent des Gesamtverbrauchs.

Diese eine Zahl trägt eine ganze Verkehrsleistung: Millionen Fahrgäste täglich und dazu ein großer Teil des Güterverkehrs auf der Schiene.

Wer den Strom auf die transportierten Personen und Tonnen umrechnet, sieht schnell, warum die Bahn als sparsam gilt.

Bahnstrom in Zahlen

>10 TWh

Bahnstrom pro Jahr

nur für den Zugbetrieb

rund 1%

des Stromverbrauchs

größter Einzelkunde Deutschlands

16,7 Hz

Frequenz des Bahnstroms

ein eigenes Netz

Quellen: Deutsche Bahn / DB Energie; Gesamtverbrauch nach Bundesnetzagentur.

TWh = Terawattstunde = eine Milliarde Kilowattstunden.

Warum die Bahn ihren eigenen Strom hat

Ein Blick auf die Oberleitung verrät ein Kuriosum: Der deutsche Bahnstrom hat nicht die 50 Hertz aus der heimischen Steckdose, sondern 16,7 Hertz.

Der Grund ist historisch.

Als die Eisenbahn Anfang des 20. Jahrhunderts elektrifiziert wurde, kamen die damaligen Motoren mit der niedrigen Frequenz besser zurecht.

1912 einigten sich mehrere Bahnverwaltungen auf diesen Standard – und dabei blieb es bis heute.

Aus dieser Entscheidung wuchs ein komplettes zweites Stromnetz.

Die Bahn betreibt tausende Kilometer eigene Bahnstromleitungen und zahlreiche Umformer- und Umrichterwerke, die den normalen Landesstrom in Bahnstrom übersetzen.

Dieses eigene Netz ist der Grund, warum ein Stromausfall in der Stadt nicht automatisch die Züge stehen lässt – und umgekehrt.

Das eigene Netz hat noch einen zweiten Vorteil: Die Bahn kann ihren Strombedarf über große Entfernungen ausgleichen.

Läuft im Norden viel Windstrom an, während im Süden gerade viele Züge zugleich anfahren, transportieren die Bahnstromleitungen die Energie quer durchs Land dorthin, wo sie gebraucht wird.

Das Netz wirkt so wie ein großer Puffer für Angebot und Nachfrage.

Bahnstrom, kurz erklärt

Fahrleitung: 15.000 Volt bei 16,7 Hertz – das ist der Standard in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Umformerwerke wandeln 50-Hertz-Landesstrom in 16,7-Hertz-Bahnstrom um.

Nicht elektrifizierte Strecken werden weiter mit Diesel befahren – noch rund 40 Prozent des Netzes.

Woher der Strom kommt

Beschafft und verteilt wird der Bahnstrom von der Konzerntochter DB Energie.

Der Strommix ist über die Jahre grüner geworden: Wasserkraft, Windparks und langfristige Lieferverträge für Ökostrom decken inzwischen einen großen Teil ab.

Die Bahn hat sich vorgenommen, bis 2038 vollständig auf Ökostrom umzustellen; schon heute liegt der erneuerbare Anteil bei deutlich über der Hälfte.

Das ist mehr als Imagepflege.

Weil die Bahn so viel Strom braucht, entscheidet ihr Mix spürbar mit über die Klimabilanz des gesamten Verkehrs.

Je grüner der Bahnstrom, desto größer der Vorsprung der Schiene gegenüber Auto und Flugzeug.

Elektrolok der Baureihe 111
Foto: Niederkasseler, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Größter Verbraucher – und trotzdem sparsam

Der scheinbare Widerspruch löst sich mit einem Blick auf die Leistung.

Eine einzige Fahrleitung versorgt ganze Zugketten mit hunderten Menschen.

Im Fernverkehr wird der allergrößte Teil der Verkehrsleistung elektrisch erbracht.

Pro Kopf und pro gefahrenem Kilometer verbraucht die Bahn dadurch nur einen Bruchteil dessen, was dieselben Menschen einzeln im Auto benötigen würden.

Hinzu kommt ein technischer Trick: die Rekuperation.

Bremst ein moderner Zug, arbeiten seine Motoren als Generatoren und speisen Strom zurück in die Oberleitung.

Ein anfahrender Zug in der Nähe nutzt ihn sofort.

So wandert Energie im Netz von Zug zu Zug, statt als Wärme zu verpuffen.

Zehn Terawattstunden entsprechen rechnerisch dem Jahresverbrauch von mehreren Millionen Haushalten – eine gewaltige Menge.

Verteilt auf die riesige Verkehrsleistung der Bahn relativiert sie sich jedoch sofort.

Entscheidend ist eben nicht, wie viel ein Verkehrsmittel insgesamt verbraucht, sondern wie viel es je beförderter Person und je Kilometer benötigt.

Was das für die Energiewende heißt

Mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern heißt also nicht automatisch, mehr fossile Energie zu verbrauchen – im Gegenteil.

Elektrischer Bahnverkehr lässt sich mit Wind und Sonne betreiben, ein Verbrennerauto nicht.

Genau deshalb spielt die Bahn in fast jedem Klimaszenario für den Verkehr eine tragende Rolle.

Zum Einordnen

Über 10 Terawattstunden klingen gewaltig – verteilt auf Milliarden Personen- und Tonnenkilometer sind sie es nicht.

Entscheidend ist der Verbrauch je Leistung, nicht die absolute Zahl.

Je höher der Ökostromanteil, desto sauberer wird jede einzelne Zugfahrt.

Häufige Fragen

Warum hat die Bahn nicht einfach 50 Hertz wie alle anderen?
Weil das Netz historisch auf 16,7 Hertz aufgebaut wurde und ein kompletter Umbau der Fahrleitungen, Umformer und Fahrzeuge extrem teuer wäre. Man bleibt beim bewährten System.
Fahren wirklich alle Züge elektrisch?
Nein. Rund 40 Prozent des Streckennetzes sind nicht elektrifiziert; dort fahren Dieselfahrzeuge oder zunehmend Akku- und Wasserstoffzüge. Der Trend geht aber klar zu mehr Oberleitung.
Verbraucht ein voller Zug mehr Strom als ein leerer?
Kaum spürbar. Das Gewicht der Fahrgäste fällt gegenüber dem des Zuges kaum ins Gewicht. Genau deshalb sinkt der Verbrauch je Person, je voller der Zug ist – ein gut ausgelasteter Zug ist konkurrenzlos effizient.
Bringt Ökostrom bei der Bahn überhaupt etwas?
Ja, und zwar viel. Weil die Bahn so große Mengen abnimmt, verbessert jeder Prozentpunkt Ökostrom die Klimabilanz eines ganzen Verkehrsträgers.

Weiterfahrt

→ Wie viele Bahnübergänge gibt es? – Rund 16.000 – und es werden weniger

→ Mehr Nachtzüge fördern? – Pro und Contra zur Renaissance der Schlafwagen

→ Zurück zum Finder

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →