Ich verstehe nur Bahnhof
„Ein dünner Draht über dem Gleis versorgt den ganzen Zug mit Strom – und steht dabei unter lebensgefährlicher Spannung.“
Oberleitung: Der Draht, der dem Zug den Strom gibt
→ Alles über den Draht, der den Zug antreibt.
Lesezeit: 8 Minuten · Bahn-Lexikon
Kurz gesagt
Die Oberleitung ist der Draht, der über dem Gleis gespannt ist und die elektrischen Züge mit Strom versorgt. Über einen Bügel auf dem Dach, den Stromabnehmer, holt sich der Zug den Strom aus diesem Draht. Die Oberleitung führt eine sehr hohe, lebensgefährliche Spannung und darf niemals berührt werden.
Über vielen Gleisen spannt sich ein feines Netz aus Drähten und Masten entlang der Strecke.
Dieses unscheinbare Gebilde ist für den modernen Zug von größter Bedeutung.
Es ist die Oberleitung, aus der der elektrische Zug seinen Strom bezieht.

Der Draht über dem Gleis
Die Oberleitung ist im Kern ein Draht, der über der Mitte des Gleises gespannt ist.
Getragen wird er von einer Reihe von Masten, die entlang der Strecke stehen.
Durch diesen Draht fließt der Strom, der die elektrischen Züge antreibt.
So schwebt die Versorgung des Zuges gewissermaßen über seinem Kopf.

Der Stromabnehmer holt den Strom
Damit der Zug den Strom nutzen kann, braucht er eine Verbindung zur Oberleitung.
Diese Verbindung stellt ein Bügel auf dem Dach her, der Stromabnehmer.
Er wird nach oben gedrückt und schleift mit leichtem Druck am Draht entlang.
So fließt der Strom aus der Oberleitung über den Bügel in den fahrenden Zug.
Gut zu wissen
Die Oberleitung ist der Draht über dem Gleis, aus dem elektrische Züge über einen Bügel auf dem Dach, den Stromabnehmer, ihren Strom holen.
Sie führt eine sehr hohe Spannung von vielen tausend Volt und ist lebensgefährlich. Man darf sie niemals berühren; der Strom kann schon überspringen, bevor man sie erreicht. Klettern auf Waggons ist streng verboten.
Eine sehr hohe Spannung
Durch die Oberleitung fließt der Strom mit einer sehr hohen Spannung.
Im deutschen Bahnnetz sind es viele tausend Volt, weit mehr als in der Steckdose zu Hause.
Diese hohe Spannung ist nötig, um die kräftigen Motoren der Züge zu versorgen.
Sie macht die Oberleitung zugleich zu einer großen und ernsten Gefahr.
Niemals berühren, niemals nähern
Wegen der hohen Spannung ist die Oberleitung im höchsten Maße lebensgefährlich.
Man darf sie niemals berühren und sich ihr auch nicht zu weit nähern.
Der Strom kann schon überspringen, bevor man den Draht überhaupt erreicht.
Darum ist das Klettern auf Waggons oder Masten stets streng verboten und lebensgefährlich.
Der Strom fließt im Kreis
Damit der Strom fließen kann, braucht er stets einen Hin- und einen Rückweg.
Den Hinweg nimmt er durch die Oberleitung von oben in den Zug hinein.
Den Rückweg findet er über die Räder und die Schiene zurück in das Netz.
So schließt sich der Kreis, und der Strom kann den Zug beständig antreiben.
Wo keine Oberleitung hängt
Nicht über jedem Gleis in Deutschland spannt sich eine Oberleitung.
Auf vielen ruhigen Nebenstrecken fehlt sie, weil sich der Aufbau nicht lohnt.
Dort fahren keine elektrischen Züge, sondern Züge mit einem anderen Antrieb.
So zeigt schon der Blick nach oben, ob eine Strecke elektrisch betrieben wird.
Ein empfindliches Bauwerk
Die feine Oberleitung ist ein empfindliches und störanfälliges Bauwerk.
Ein Sturm, ein herabfallender Ast oder Eis können sie leicht beschädigen.
Ist sie gerissen, so bleibt der elektrische Zug ohne seinen Strom stehen.
Darum wird die Oberleitung sorgfältig überwacht und regelmäßig gepflegt.
Die Ader der elektrischen Bahn
Am Ende ist die Oberleitung die lebenswichtige Ader der elektrischen Bahn.
Aus ihr bezieht der Zug die Kraft für seine schnelle und saubere Fahrt.
Kein moderner Elektrozug könnte ohne diesen Draht über dem Gleis fahren.
So hängt an dem dünnen Draht die ganze Kraft der elektrischen Eisenbahn.
Der Bau der Oberleitung
Eine Strecke mit einer Oberleitung auszurüsten, ist eine große und teure Aufgabe.
Entlang des Gleises müssen zunächst viele Masten fest im Boden verankert werden.
Danach wird der Draht sorgfältig gespannt und genau über der Mitte des Gleises ausgerichtet.
So steckt in jedem Kilometer Oberleitung eine Menge Arbeit und Planung.
Warum der Draht im Zickzack hängt
Wer genau hinsieht, bemerkt, dass der Draht nicht schnurgerade, sondern leicht im Zickzack verläuft.
Das hat einen klugen Grund und ist keineswegs ein Fehler beim Aufbau.
Der schleifende Bügel des Zuges soll sich so gleichmäßig über seine ganze Breite abnutzen.
Liefe der Draht gerade, so nutzte sich der Bügel nur an einer einzigen Stelle ab.
Häufige Fragen
Was ist eine Oberleitung?
Wie holt der Zug den Strom aus der Oberleitung?
Wie hoch ist die Spannung?
Warum ist die Oberleitung so gefährlich?
Hat jedes Gleis eine Oberleitung?
Weiterfahrt
→ Was ist ein Stromabnehmer? – der Bügel auf dem Dach
→ Fahren Züge nur mit Strom? – nicht überall hängt ein Draht
