Wendezug: Warum der Zug am Ende nicht wenden muss

Ich verstehe nur Bahnhof

„Am Endbahnhof geht kein Rangieren vor sich, der Lokführer wechselt einfach die Seite – und der Zug fährt zurück.“

Wendezug: Warum der Zug am Ende nicht wenden muss

→ Alles über den Zug, der ohne Wenden die Richtung wechselt.

Lesezeit: 8 Minuten · Bahn-Lexikon

Kurz gesagt

Ein Wendezug hat an dem Ende, an dem keine Lokomotive ist, einen sogenannten Steuerwagen mit einem eigenen Führerstand. Von dort aus steuert der Lokführer die Lok am anderen Ende fern. So kann der Zug ohne umständliches Wenden oder Umsetzen der Lok in beide Richtungen fahren.

Wer einen lokbespannten Zug an seinem Zielbahnhof beobachtet, fragt sich vielleicht, wie er wohl wieder zurückfährt.

Früher musste dazu die Lokomotive aufwendig ans andere Ende umgesetzt werden, was viel Zeit kostete.

Der Wendezug löst dieses Problem mit einem klugen Kniff, der ohne jedes Rangieren auskommt.

Bentheimer Eisenbahn VT 112 RB56 Neuenhaus Birkenstraße
Foto: Jacek Rużyczka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Problem am Endbahnhof

Ein gewöhnlicher lokbespannter Zug hat vorn eine Lokomotive, die die Wagen hinter sich herzieht.

Am Endbahnhof aber soll der Zug in die entgegengesetzte Richtung wieder zurückfahren.

Früher musste dazu die Lok abgekuppelt, an das andere Ende gefahren und dort wieder angekuppelt werden.

Dieses umständliche Umsetzen kostete viel Zeit und band Personal und Gleise.

VT 174 Alstom Coradia LINT BRB
Foto: TheMarcus13, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Steuerwagen als Lösung

Der Wendezug löst dieses Problem, indem er an dem Ende ohne Lokomotive einen besonderen Wagen besitzt.

Dieser sogenannte Steuerwagen sieht aus wie ein gewöhnlicher Wagen, hat aber vorn einen eigenen Führerstand.

Von diesem Führerstand aus kann der Lokführer den ganzen Zug steuern, obwohl die Lok am anderen Ende ist.

So braucht die Lokomotive am Endbahnhof gar nicht mehr umgesetzt zu werden.

Gut zu wissen

Der Steuerwagen hat einen eigenen Führerstand, von dem aus der Lokführer die Lok am anderen Ende fernsteuert. So muss die Lok am Endbahnhof nicht umgesetzt werden.

Ein Wendezug fährt je nach Richtung einmal gezogen und einmal geschoben. Für die Reisenden macht das keinen spürbaren Unterschied.

Die Lok wird ferngesteuert

Das eigentlich Geniale am Wendezug ist, dass die Lokomotive vom Steuerwagen aus ferngesteuert wird.

Über Leitungen, die durch den ganzen Zug verlaufen, gibt der Lokführer seine Befehle an die ferne Lok weiter.

So beschleunigt und bremst der Zug, als säße der Lokführer unmittelbar in der Lokomotive selbst.

Die Lok schiebt den Zug dann von hinten, während der Lokführer vorn im Steuerwagen sitzt.

Ziehen und Schieben

Ein Wendezug fährt deshalb je nach Richtung einmal gezogen und einmal geschoben.

In der einen Richtung zieht die Lok den Zug vorn wie gewohnt hinter sich her.

In der anderen Richtung schiebt sie den Zug von hinten, während der Lokführer vorn im Steuerwagen sitzt und lenkt.

Für die Reisenden macht das keinen spürbaren Unterschied, denn der Zug fährt in beiden Fällen gleich sicher.

Der Gewinn an Zeit

Der größte Vorteil des Wendezugs ist der Gewinn an Zeit am Endbahnhof.

Statt die Lok umständlich umzusetzen, wechselt der Lokführer einfach ans andere Ende des Zuges.

In wenigen Augenblicken ist der Zug bereit, in die entgegengesetzte Richtung zurückzufahren.

Gerade im dichten Nahverkehr, wo die Züge oft wenden, ist dieser Zeitgewinn besonders wertvoll.

Wo der Wendezug fährt

Wendezüge sind vor allem im Nahverkehr weit verbreitet, wo die Züge an ihren Endstationen häufig wenden.

Auch viele Doppelstockzüge sind als Wendezüge gebaut, mit einer Lok am einen und einem Steuerwagen am anderen Ende.

So verbindet sich der Vorteil der lokbespannten Bauart mit der Wendigkeit des Steuerwagens.

Diese Kombination hat sich im Nahverkehr über viele Jahre bewährt.

Verwandt mit dem Triebwagen

In seinem Ziel ähnelt der Wendezug dem Triebwagen, der ebenfalls an beiden Enden einen Führerstand hat.

Der Unterschied liegt darin, dass der Wendezug seine Antriebskraft in einer einzelnen Lokomotive bündelt.

Der Triebwagen dagegen verteilt seine Motoren über den ganzen Zug.

Beide Bauarten lösen jedoch dasselbe Problem, nämlich das schnelle Wenden ohne Umsetzen der Lok.

Ein kluger Kniff

Am Ende ist der Wendezug ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein einfacher Gedanke ein lästiges Problem löst.

Mit dem Steuerwagen und der fernbedienten Lok spart er am Endbahnhof wertvolle Zeit und viel Aufwand.

Wer das nächste Mal einen Zug beobachtet, dessen vorderer Wagen einen Führerstand hat, erkennt darin nun einen Wendezug.

So verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Steuerwagen ein kluger Kniff der Eisenbahntechnik.

Sicher auch beim Schieben

Manch einer fragt sich, ob es nicht gefährlich sei, wenn die Lokomotive den Zug von hinten schiebt, statt ihn zu ziehen.

Tatsächlich ist der geschobene Zug ebenso sicher wie der gezogene, denn die gesamte Technik ist genau dafür ausgelegt.

Besondere Einrichtungen sorgen dafür, dass der lange Zug auch beim Schieben stets in seiner Spur bleibt und nicht ausbricht.

So hat sich die Bauart des Wendezugs über viele Jahrzehnte hinweg als ebenso zuverlässig wie sicher erwiesen.

Häufige Fragen

Was ist ein Wendezug?
Ein lokbespannter Zug mit einem Steuerwagen am anderen Ende. Von dessen Führerstand steuert der Lokführer die Lok fern, sodass der Zug ohne Wenden in beide Richtungen fährt.
Was ist ein Steuerwagen?
Ein Wagen, der aussieht wie ein gewöhnlicher, aber vorn einen eigenen Führerstand hat, von dem aus der ganze Zug gesteuert wird.
Wie wird die Lok gesteuert?
Über Leitungen durch den ganzen Zug gibt der Lokführer vom Steuerwagen aus seine Befehle an die ferne Lok weiter, die den Zug dann schiebt.
Merkt man das Schieben?
Nein. Für die Reisenden macht es keinen spürbaren Unterschied, ob die Lok den Zug zieht oder schiebt. Er fährt in beiden Fällen gleich sicher.
Wo fahren Wendezüge?
Vor allem im Nahverkehr, wo Züge oft wenden, und bei vielen Doppelstockzügen. So spart man am Endbahnhof das Umsetzen der Lok.

Weiterfahrt

Was ist ein Triebwagen? – der Zug ohne Lok

Warum haben Züge zwei Etagen? – der Doppelstockzug

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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