Bad Harzburg–Oker: Drei Halte ohne Reisende
Die Strecke zwischen Bad Harzburg und Oker ist in Betrieb, doch der Haltepunkt Schlewecke, der Bahnhof Harlingerode und der Güterbahnhof Oker Ost haben ihren Platz im Reiseverkehr verloren. Der Beitrag erzählt, wie die Strecke entstand und was aus den drei Halten wurde.

Lage: Nordrand des Harzes in Niedersachsen, zwischen Bad Harzburg und Oker, sieben Kilometer. Status: Die Strecke ist in Betrieb, die Halte Schlewecke, Harlingerode und Oker Ost sind es nicht. Heute: Für die 2030er Jahre ist ein neuer Haltepunkt Harlingerode vorgesehen.
Die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker ist sieben Kilometer lang, eingleisig und nicht elektrifiziert.
Sie ist in Betrieb und dient dem Personenverkehr zwischen Bad Harzburg und Goslar.
An drei Stellen entlang der Strecke steigen jedoch keine Reisenden mehr ein: in Schlewecke, in Harlingerode und in Oker Ost.
Der Haltepunkt Schlewecke wurde 1976 aufgelassen, der Bahnhof Harlingerode verlor 1987 seinen Reiseverkehr, und der Betriebs- und Güterbahnhof Oker Ost wurde 2001 aufgelassen.
Für Harlingerode und Oker Ost gibt es eigene Beiträge, hier steht vor allem der Haltepunkt Schlewecke im Mittelpunkt.
Alte freie Fotos der Halte sind nicht belegt, die Bilder zeigen die Strecke aus den Jahren seit 2018.
Warum die Strecke gebaut wurde
Um die Jahrhundertwende bestand zwischen Bad Harzburg und Oker eine Lücke in der Ost-West-Verbindung am Harzrand zwischen den Knotenbahnhöfen Goslar und Halberstadt.
Der Güterverkehr lief über die nördlich parallel verlaufenden Strecken, im Personenverkehr war eine Verbindung zwischen Goslar und Halberstadt nur unter Ausschluss von Bad Harzburg und Wernigerode möglich.
Der Bahnhof Vienenburg hatte mit dem wachsenden Verkehr zunehmend Überlastungsprobleme.
Auch das seit 1860 bestehende Sägewerk Klages in Harlingerode wollte einen Bahnanschluss, sein Geschäftsführer Heinrich Klages drängte zur Jahrhundertwende darauf.
Am 31. Dezember 1902 richtete die Herzogliche Kreisdirektion des Landkreises Wolfenbüttel den Wunsch nach einer Strecke Bad Harzburg–Oker an das Eisenbahnkommissariat des Herzogtums Braunschweig.
Am 8. Mai 1906 begannen die Vorbereitungen zum Geländekauf.
Für den Grunderwerb mussten rund 100 Grundstückseigentümer gewonnen werden, vereinbart waren ungefähr 18.000 Mark je Hektar.
Die Pläne lagen 1907 aus und wurden wegen des Widerstands von Klages geändert, der in Harlingerode einen Neubau seines Sägewerks an der Bahn plante.
Der Bau von 1910 bis 1912
Am 15. Juli 1910 wurde der Bau offiziell begonnen.
Grabungen im Harlingeröder Bruch führten zu Wassereinbrüchen und machten umfassende Entwässerungsmaßnahmen nötig.
Ab dem 1. September 1911 war der Arbeitszugbetrieb zugelassen.
Beim Bau wurden rund 230.000 Kubikmeter Boden bewegt, für Brücken und Durchlässe wurden rund 9.000 Kubikmeter Beton verbaut.
Für die Erdarbeiten kam ein Greifbagger mit rund 100 Pferdestärken zum Einsatz.
Die Strecke wurde für schwere Schnellzüge ausgelegt, und die Brücken und Unterführungen sind breit genug für einen späteren zweigleisigen Ausbau.
Am 7. März 1912 fuhr zur landespolizeilichen Abnahme ein Sonderzug über die Neubaustrecke.
Am 1. Mai 1912 nahm die Preußische Staatsbahn den Betrieb auf.
Mit der Strecke eröffneten der Bahnhof Harlingerode und der Haltepunkt Schlewecke (Harz).

Die durchgehende Verbindung von Goslar über Bad Harzburg, Ilsenburg und Wernigerode nach Halberstadt war im Personenverkehr von Anfang an stark gefragt.
In der Anfangszeit erhielt sie den traditionellen Namen Harzhexenbahn.
Im Güterverkehr war die Bedeutung geringer, weil die Steigung größer war als auf der nördlichen Parallelstrecke über Vienenburg und weil die Züge in Bad Harzburg wenden mussten.
Schlewecke: Ein Haltepunkt an der Radau
Der Haltepunkt Schlewecke (Harz) lag bei Streckenkilometer 34,2.
Der Bahnsteig befand sich auf der Südseite, unmittelbar nordwestlich der heutigen Bahnhofstraße.
Er lag an der großen Radaubrücke, die zwischen 1910 und 1912 gebaut wurde.
Eröffnet wurde er am 1. Mai 1912 zusammen mit der Strecke.
Als Empfangsgebäude diente ein Fachwerkhaus, später stand dort nur noch ein Wartehäuschen.
Die Gemeinde Schlewecke wurde am 1. Januar 1963 in die Nachbargemeinde Bündheim eingemeindet, 1972 ging sie in der Stadt Bad Harzburg auf.
Das Kursbuch vom Sommer 1974 sah in Schlewecke noch Halte vor, im Sommer 1976 gab es keinen mehr.
Offiziell aufgelassen wurde der Haltepunkt am 30. Juni 1976.
Zur selben Zeit wurde der Verkehr mit Dampflokomotiven eingestellt.
Einzelne Angaben nennen ein früheres Ende kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, die Fahrplanlage von 1974 spricht dagegen.
1986 erneuerte die Bundesbahn in Schlewecke die Brücken über die Radau und die Bahnhofstraße.
Harlingerode: Der Bahnhof im Wartestand
Der Bahnhof Harlingerode wurde am 1. Mai 1912 eröffnet und am 31. Mai 1987 für Reisende offiziell aufgelassen.
Seit 1982 war er nach umfangreichen Rationalisierungsmaßnahmen nur noch Haltestelle mit angegliedertem Gleisanschluss.
1938 und 1939 schloss das Eisenerzbergwerk Hansa eine Drahtseilbahn zur Erzabfuhr an den Bahnhof an.
Das Bergwerk stellte im August 1960 seinen Betrieb ein.
Der Güterverkehr über den Gleisanschluss in Harlingerode endete 1998 und 1999.
Das Bahnhofsgebäude ist in Privatbesitz.
Für die 2030er Jahre ist der Neubau der Betriebsstation Harlingerode als Haltepunkt vorgesehen.
Ausführlich beschreibt den Bahnhof der Beitrag Der Bahnhof Harlingerode: Ein Halt im Wartestand.

Oker Ost: Der abgebaute Güterbahnhof
Schon in der Planung der Strecke war ein Schmalspuranschluss für den Kalksteinbruch Langenberg vorgesehen.
Er wurde gebaut und Ende der 1930er Jahre wieder abgerissen.
1919 wurde die Zahnradbahn der Metall- und Farbwerke Oker westlich von Harlingerode angeschlossen.
Sie wurde Anfang der 1950er Jahre außer Betrieb genommen.
Zwischen 1939 und 1942 entstand mit dem Bau der Zinkhütte Harlingerode der Bahnhof Oker Ost.
Er umfasste den Werkverkehr zur Zinkhütte sowie die Gleisanschlüsse für das Kalkwerk und die Metall- und Farbwerke.
1988 wurde die Zinkhütte Harlingerode stillgelegt, danach war der Bahnhof nur noch von sehr untergeordneter Bedeutung.
Am 27. Oktober 2001 wurde Oker Ost als letzte Betriebsstelle zwischen Bad Harzburg und Oker offiziell aufgelassen.
Die Gleisanlagen südlich der Strecke wurden im Frühjahr 2021 abgerissen.
Die Fläche wird in den 2020er Jahren für eine Folgenutzung als Industriegebiet verfüllt.
Mehr dazu steht im Beitrag Der Bahnhof Oker Ost: Ein Güterbahnhof wird zugeschüttet.


Eckertal und Westerode: Die Fortsetzung nach Osten
Östlich von Bad Harzburg setzte sich die Bahn über Eckertal nach Stapelburg und Ilsenburg fort, Westerode liegt an diesem Abschnitt.
In Westerode überbrückt die Strecke Bad Harzburg–Oker die Strecke Braunschweig–Bad Harzburg.
Nach 1945 verlor die Strecke Bad Harzburg–Oker durch die innerdeutsche Grenze ihre Anbindung nach Osten.
Der Betrieb war am 10. April 1945 vorläufig eingestellt worden.
Der Abschnitt zwischen Bad Harzburg und Stapelburg über Eckertal wurde während der Teilung entwidmet und nach der Wiedervereinigung nicht wiederaufgebaut.
Stattdessen wurde eine Neubaustrecke von Vienenburg nach Ilsenburg errichtet.
Die Halte Stapelburg, Eckertal und Westerode behandelt der Beitrag Stapelburg–Bad Harzburg: Der gekappte Abschnitt der Nordharzstrecke.
So sieht es jetzt aus
Um das Jahr 2000 war der Zustand der Strecke schlecht und von starkem Bewuchs geprägt.
Nachdem DB Cargo die beiden letzten Güteranschlüsse nicht mehr bediente, hielten einige Kommunalpolitiker die Strecke für stilllegungsgefährdet.
Eine Einstellung des Verkehrs wurde jedoch nicht durchgeführt.
Im Oktober 2018 wurde der Abschnitt von der Einmündung in die Strecke Goslar–Vienenburg in Oker bis zum Rupenklint westlich von Harlingerode saniert, dabei wurde der Oberbau mit Ausnahme der Schienen ersetzt.
Der restliche Abschnitt bis zur Einfädelung in die Strecke Braunschweig–Bad Harzburg wurde im Herbst 2020 saniert, unter anderem mit neuen Schwellen.
Seit der Einstellung des Interregio wird die Strecke nur noch vom Nahverkehr bedient.
Einen direkten Güteranschluss hat sie nicht mehr.


Die Geschichte in Daten
1902: Am 31. Dezember geht der Wunsch nach einer Strecke Bad Harzburg–Oker an das Eisenbahnkommissariat.
1906: Am 8. Mai beginnen die Vorbereitungen zum Geländekauf.
1910: Am 15. Juli beginnt der Bau.
1911: Ab dem 1. September ist der Arbeitszugbetrieb zugelassen.
1912: Am 7. März findet die Abnahme statt, am 1. Mai wird die Strecke mit Harlingerode und Schlewecke eröffnet.
1945: Am 10. April wird der Betrieb vorläufig eingestellt.
1976: Am 30. Juni wird der Haltepunkt Schlewecke aufgelassen.
1986: Die Bundesbahn erneuert in Schlewecke die Brücken über die Radau und die Bahnhofstraße.
1987: Am 31. Mai wird der Bahnhof Harlingerode für Reisende aufgelassen.
1988: Die Zinkhütte Harlingerode wird stillgelegt.
2001: Am 27. Oktober wird Oker Ost offiziell aufgelassen.
2018: Im Oktober wird der Abschnitt von Oker bis zum Rupenklint saniert.
2020: Im Herbst wird der Rest der Strecke saniert.
2021: Im Frühjahr werden die Gleisanlagen von Oker Ost abgerissen.
Häufige Fragen
Ist die Strecke Bad Harzburg–Oker stillgelegt?
Wann wurde der Haltepunkt Schlewecke aufgelassen?
Warum wurde die Strecke gebaut?
Woher stammt der Name Harzhexenbahn?
Wird Harlingerode wieder zum Halt?
Die Strecke blieb bestehen, ihre drei Halte verloren zwischen 1976 und 2001 den Reiseverkehr.
Wikipedia: Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker · DeWiki: Schlewecke (Bad Harzburg) · Eisenbahn Harzvorland: Strecke Bad Harzburg–Goslar
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